
Nach langer, schwerer Krankheit ist Dr. Tobias Hierl, langjähriger Chefredakteur der Zeitschrift Buchkultur, heute gestorben. Michael Schnepf, Herausgeber von Buchkultur, erinnert an den promovierten Philologen:
Bis zuletzt waren seine Gedanken beim Magazin Buchkultur, das er seit dem Jahr 2000 als Chefredakteur mitgeprägt hat. Er war besessen von der Literatur, einer der wenigen vielleicht, der die Gesamtausgabe von Karl Kraus „Fackel” komplett gelesen hat, mit einem literarischen Wissen, das man wohl selten findet. Unglaublich, was sich ein Mensch alles merken kann: Bei Tobias Hierl hatte man den Eindruck, dass er jedes der unzähligen Bücher, die er gelesen hatte, im Kopf behielt. Und sofort über Autor, Hintergründe und vergleichbare andere Bücher zu berichten wusste.
Geboren wurde er in der Hopfenmetropole Pfaffenhofen/Ilm in Bayern, schon bald zog er nach Österreich, lebte in Gmunden und später in Wien. Er arbeitete beim legendären „Extrablatt” und schrieb für diverse Medien, unter anderem auch Branchenblätter wie „BuchMarkt”. 1995 tauchte er erstmals als freier Redakteur beim Magazin Buchkultur auf, dessen Chefredakteur er dann fünf Jahre später wurde. Sein Hang zur Kulinarik äußerte sich auch als Buchautor: Er hat mehrere Kochbücher konzipiert und geschrieben, begonnen hat es mit „Knödel und Klöße”, das 1998 bei Falken erschienen ist. Weinbücher, wie etwa das jährliche „Österreichs Salonweine” und zuletzt ein höchst erfolgreiches Kaffeebuch, für das er eigens die Barista-Prüfung absolvierte, zeigen sein vielfältiges Interesse an den schönen Dingen des Lebens.
Manchmal hatte man das Gefühl, dass Tobias Hierl Tag und Nacht recherchierte, um seinen hohen redaktionellen Ansprüchen gerecht zu werden. Egal, ob er in Juries tätig war, Veranstaltungen moderierte oder Konzepte erstellte: Er war manchmal der einzige, dem seine Leistung nicht ausreichend war. Nicht nur das machte ihn zu einem ganz besonderen Menschen und Publizisten.
Tobias, danke, dass wir einen Teil des Lebens mit Dir gehen durften!
Deine Kolleginnen und Kollegen vom Magazin Buchkultur.
Auch wir von BuchMarkt trauern um einen überaus geschätzten und liebeswerten Kollegen.
Ein Kommentar
Meinem bestem Freund, über die Jahrzehnte hinaus, – Ich war, bin und bin es immer noch – zutiefst traurig, erschüttert und fassungslos, seitdem ich im letztem Jahr erfuhr, das Du nicht mehr da bist.
Mein lieber Tobi Adieu
Dein Freund Thomas