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Verlag der Autoren erhielt Binding-Kulturpreis

Bergit Gräfin Douglas überreicht
Ingeborg von Zadow und Oliver Schlecht
den Bindung-Kulturpreis

Gestern wurde im Kaisersaal des Frankfurter Römers zum 19. Mal der Binding-Kulturpreis verliehen. In diesem Jahr erhielt der Frankfurter Verlag der Autoren die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung.

Zur Feierstunde waren auch ehemalige Preisträger wie der Verleger KD Wolff, der Theatermacher Michael Quast sowie der Musiker Heinz Sauer anwesend.

Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth unterstrich in seiner Begrüßung, dass der Verlag der Autoren Literatur-, Kultur- und Theatergeschichte geschrieben habe und aus den gesellschaftlichen Umwälzungen der späten 1960er Jahre hervorgegangen sei. Verlagsgründer wie Karlheinz Braun, den Semmelroth als einen „schonungsloser Kritiker“ bezeichnete, seien bereit gewesen, Verantwortung zu übernehmen.
„Große Monopolisten tun derzeit alles, um kleine Verlage noch kleiner zu kriegen. Wir müssen uns gesellschaftlich dagegen stellen“, wandte sich Semmelrot gegen Amazon und Co.

Bergit Gräfin Douglas, Tochter von Rudolf-August Oetker und zum Familienunternehmen Dr. August Oetker KG gehörend, das auch innerhalb der Radeberger Gruppe die Binding-Brauerei in Frankfurt besitzt, ging auf das Konzil in Konstanz ein, das vor 600 Jahren begann. Die Teilnehmer an den vier Jahre dauernden Beratungen würden sich wie eine Liste der bedeutendsten Männer Europas lesen. Ähnlich sei die Liste der Binding-Kulturpreisträger; sie spiegele die Vielfalt der Kultur in Frankfurt wider. „Der Preis bereichert nicht nur den Preisträger, sondern auch Publikum und Veranstalter“, bemerkte Gräfin Douglas und ergänzte: „Karlheinz Braun gehörte dem ersten Kuratorium, das 1996 das Ensemble Modern als ersten Preisträger vorschlug, an. Nun erhält er als Mitgesellschafter des Verlags der Autoren selbst den Preis.“

Das Besondere in diesem Jahr sei, dass gleich drei Laudatoren die verschiedenen Geschäftsfelder des Verlages würdigen, äußerte Gräfin Douglas.

Zum Schluss ihrer Ansprache forderte die Unternehmerin scherzhaft auf: „Trinken Sie möglichst viel Binding-Bier, damit sich die Brauerei den Preis auch weiter leisten kann.“ Das Geld werde nämlich aus den Umsätzen des Betriebes bereit gestellt.

Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters Berlin, hielt die erste Laudatio. „Das Modell des Verlages der Autoren steht in enger Verbindung zu Theater-Mitbestimmungsmodellen, wie beispielsweise das von Peter Palitzsch, Klaus Gelhaar und Peter Danzeisen in Frankfurt. Das hat meinen Weg zum Theater zutiefst geprägt.“
Das der Verlag der Autoren, erfolgreicher als die Versuche der Theater, noch heute existiere, sei ein „Zeichen demokratischer Erneuerung“.

Fernsehkritikerin Klaudia Wick ging auf den Lehrsatz „Der Verlag der Autoren gehört den Autoren des Verlags“ ein. Das bedeute, dass die Texte denen gehören, die sie schreiben. „Ein Grundsatz, der gerade in Frage gestellt wird“, warnte Wick.
Das Modell des Verlags der Autoren wurde auf andere Verlage übertragen, ein Beispiel sei die taz, eine Genossenschaft.

Wolfgang Schopf, Autor des geehrten Verlages, erinnerte an die Worte Siegfried Unselds, der den Verlagsgründern mit auf den Weg gab, dass man nur über etwas bestimmen könne, das einem auch gehöre. Entsprechend wurde die Satzung des Verlages gestaltet. „Die Verlagsvertreter wählten die extremste kapitalistische Rechtsform einer GmbH & Co KG, um damit das Gegensätzlichste des Kapitalismus zu erreichen“, erklärte Schopf.
„Die Zahlen des Verlags stimmen im Jahr 2014, der Verlag weiß genau, was er tut – und das in den fünf Sparten Theaterverlag, Medienagentur, Literaturagentur, Choreographie und Buchverlag“, äußerte Schopf.

Nach Übergabe der Urkunde und des Schecks bedankte sich Ingeborg von Zadow, die zu den 164 Gesellschaftern des Verlags der Autoren gehört, der etwa 300 Autoren vertritt, für die Auszeichnung. „Damit werden auch die Mitarbeiter geehrt, die im Hintergrund arbeiten. Sie können sicher sein, dass das Preisgeld in guten Händen ist und nicht auf undurchsichtigen Konten verschwindet“, erklärte sie und fügte hinzu, dass sich die leider verstorbenen Autoren des Verlages Peter Urban und Urs Widmer bestimmt über den Preis gefreut hätten.

Geschäftsführer Oliver Schlecht verwies darauf, dass die Autoren eines Theaterverlages selten im Licht der Öffentlichkeit stünden und absolut kein „überflüssiger und möglichst klein zu haltender Kostenfaktor“ seien. „Das Bewusstsein von Urheberschaft muss gestärkt und geschärft werden“, forderte er.

Annette Reschke, Theaterverlag, kündigte anschließend den Musiker Daniel Kahn an, der mit seinen Liedern das Publikum begeisterte.

JF

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