Das Auditorium im Felleshus der Nordischen Botschaften in Berlin war gestern Abend bis auf den letzten Platz besetzt, als der Verlag Urachhaus zusammen mit der finnischen Botschaft die druckfrische Biografie über Tove Jansson vorstellte, die am 9. August 100 Jahre alt geworden wäre.

Die Autorin Tuula Karjalainen würdigte im Gespräch mit Anke Michler-Janhunen, die das Buch gemeinsam mit Regine Pirschel übersetzt hat, die Lebensleistung der finnischen Künstlerin Tove Jansson, die man hierzulande vor allem als Erfinderin der weltberühmten Mumins kennt. Nun ist sie auch als Kunstmalerin, Schriftstellerin und Pazifistin zu entdecken. Tove Janssons Bilder und ihre politische Karikaturen seien bislang viel zu wenig beachtet, so Tuula Karjalainen.
In der mehr als 350 Seiten starken, reich bebilderten Biografie Tove Jansson zeigt die Kunsthistorikerin Tuula Karjalainen, die in Helsinki mehrere Kunstmuseen leitete, die enorme Vielseitigkeit von Tove Jansson, die an Kunstakademien in Helsinki, Stockholm und Paris studierte, fast ihr Leben lang malte, über 35 Jahr lang Mumin-Bücher verfasste, verschiedene Publikationen illustrierte und Bücher für Erwachsene schrieb.
Entstanden ist eine sehr persönliche Biografie. Während der Arbeit an dem Buch, hat Tuula Karjalainen monatelang im Atelier von Tove Jansson gesessen, das immer noch fast genauso aussieht wie zu ihren Lebzeiten. Sie las dort in Tove Janssons Briefen und Notizbüchern. Dabei habe sie deren Leben wie eine Art Parallelwirklichkeit erlebt, erzählte Tuula Karjalainen. „Ihre Anwesenheit war deutlich zu spüren.“
Die Biografie folgt keiner chronologischen Reihenfolge. „Das hätte nur zu einem heillosen Durcheinander geführt, betont die Autorin im Vorwort. Sie basiert vielmehr auf zeitlichen wie thematischen Komplexen und zeigt Tove Jansson auch als Teil ihrer Zeit, der damaligen Wertvorstellungen und Kulturgeschichte. Und nicht zuletzt lernt der Leser eine Frau kennen, die still und dennoch kompromisslos nach ihren eigenen Regeln lebte und sich nicht mit der Rolle einer Durchschnittsfrau begnügte. 2001 starb Tove Jansson auf einer winzigen Schäreninsel, wo sie über dreißig Sommer zusammen mit ihrer Lebensgefährtin, der Grafikerin Tuulikki Pietilä verbracht hatte.
Tuula Karjalainen Buch erschien im Oktober 2013 in Finnland und wurde nur wenige Monate später mit dem Lauri-Jäntti-Preis, einem renommierten finnischen Sachbuchpreis ausgezeichnet. Es wurde bisher ins Schwedische und Deutsche übersetzt und erscheint bald auf Englisch, Japanisch, Norwegisch und Estnisch. Übersetzungen ins Chinesische und ins Russische sind ebenfalls in Vorbereitung.
Mit einer kurzen Lesung machte Anke Michler-Janhunen neugierig auf Tove Janssons Roman Fair Play, der jetzt ebenfalls auf Deutsch bei Urachhaus erschienen ist. Außerdem hat der Verlag mit Die Tochter des Bildhauers Tove Janssons Kindheitserinnerungen im Programm. Beide Bücher wurden von Birgitta Kicherer übersetzt.
Bevor später am Abend der Film „Haru – The Island of the Solitary“ gezeigt wurde, signierte Tuula Karjalainen, die auch auf der Frankfurter Buchmesse anwesend sein wird, ihr Buch am Büchertisch der Buchhandlung Pankebuch. Begehrt war dort auch der gemeinsame Flyer „100 Jahre Tove Jansson“, der über die Novitäten der deutschen Verlage zum 100. Geburtstag Tove Janssons informirt.
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