
Gestern Abend wurde im Fotografie Forum Frankfurt, Braubachstraße 30, die Ausstellung Potretti eröffnet. Sieben finnische Fotografen stellen ganz unterschiedliche Arbeiten aus, im Mittelpunkt aller steht das Porträt.
Elina Brotherus, eine der bekanntesten finnischen Fotokünstlerinnen, Ulla Jokisalo, deren Werke in vielen Sammlungen Europas und Asiens zu sehen sind, Raakel Kuukka, die Ironie und Intensität verbindet, Nelli Palomäki, die mit Schwarz-Weiß-Porträts überzeugt, Harri Pälviranta, der sich fast dokumentarisch mit Gewalt beschäftigt, Iiu Susiraja, die tragikomische Alltagssituationen festhält, und Santeri Tuori mit seinen Arbeiten, in denen Fotografie und Video verknüpft werden, präsentieren ihre Werke.
„In der Ausstellung, die zwei Jahre lang vorbereitet wurde, sind sowohl unterschiedliche Künstlergenerationen als auch unterschiedliche Positionen zu sehen“, erklärt Andrea Horvay, Foto Forum, während des Presserundgangs.
Beinahe journalistisch-dokumentarisch muten die Fotografien von Harri Pälviranta an. Er begleitete Polizeistreifen bei ihrer Arbeit. In den Jahren 2006 und 2007 entstand die Serie Battered, die in Schlägereien verwickelte, verwundete Personen zeigt. Der Streit hat jeweils ganz unterschiedliche Ursachen, die von häuslichen Zwistigkeiten bis zu Fremdenfeindlichkeit reichen.
Hüte sind für Raakel Kuukka weit mehr als eine Kopfbedeckung. In ihren Selbstporträts inszeniert sie sich mit diversen Hüten und Mützen, die jeweils für eine besondere Lebenssituation stehen.
Mit dem immer noch tabuisierten Thema des unerfüllten Kinderwunschs beschäftigt sich Elina Brotherus. Ihre Selbstporträts Annonciation zeigen eine fragile, oft traurig wirkende Frau. Ihr Video dagegen stellt sie selbst als vitale Künstlerin dar, die ihren Weg weiter verfolgt.
Wer die Selbstporträts von Iiu Susiraja sieht, dem huscht zunächst ein Lächeln über das Gesicht. Die verrückten Inszenierungen im häuslichen Umfeld spiegeln jedoch zugleich Gesellschaftskritik wider und bilden verquere Erwartungshaltungen ab.
Ulla Jokisalo verwendet in ihren Collagen viele Utensilien aus dem Schneiderhandwerk; ihre Mutter war Schneiderin. So sind Scheren und Nadeln Teile der Bilder. Besonderen Wert legt Jokisalo auf die Darstellung der Augen.
Veränderungen möchte Santeri Tuori sichtbar machen, indem er ein farbiges Slow Motion-Video auf eine Schwarz-Weiß-Fotografie legt.
Ein Shooting-Star der jungen finnischen Fotokunst ist Nelli Palomäki. In großformatigen Schwarz-Weiß-Arbeiten zeigt sie Momentaufnahmen von Mädchen und Doppelporträts. Oft spielt dabei die Umgebung eine Rolle.
Die Ausstellung ist bis zum 30. November zu sehen. Dazu erschien die Broschüre Potretti, in der von den Fotokünstlern vorgeschlagene finnische Autoren die Bildwerke in einer Anthologie literarisch ergänzen. Die Ausgabe liegt in einer zweisprachigen englisch-deutschen Fassung vor.
JF







