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Oliver Zille: Statt Berliner Zimmer Veranstaltungsforum DIE UNABHÄNGIGEN

Ein Abschied und doch keiner: Im Frühjahr war das Aus für das traditionsreiche Berliner Zimmer auf der Leipziger Buchmesse verkündet worden. Jetzt haben sich Kurt Wolff Stiftung und Leipziger Buchmesse zusammengetan – und starten mit einer Neukonzeption.

Buchmesse-Direktor Oliver Zille hier im Sonntagsgespräch über die Neuausrichtung und was die Messebesucher im nächsten Frühjahr erwartet.

In letzten Jahr gab es Tränen, als das Berliner Zimmer der Leipzig Buchmesse vermeintlich für immer geschlossen wurde. Die wären doch aber gar nicht nötig gewesen, denn im nächsten jahr geht es doch nahtlos weiter…

Oliver Zille

Oliver Zille: Ja, aber ein wenig Glück war auch dabei. Als Messe haben wir seit geraumer Zeit an Projektideen gearbeitet, wie wir die Messehalle 5 weiter aufwerten und den unabhängigen Verlagen auf unserer Buchmesse einen noch wirkungsvolleren Auftritt verschaffen können. Und das Angebot der Kurt Wolff Stiftung, in ein Nachfolgeprojekt für das Berliner Zimmer einzusteigen hat da einfach sehr gut gepasst. Mit der Stiftung arbeiten wir ja schon seit ihrer Gründung sehr eng zusammen und so hat sich das geradezu perfekt gefügt.

Viele Lesungen, die Kurt Wolff-Preisverleihung, die Alfred Kerr-Preisverleihung: Das Berliner Zimmer war von Anfang an ein Ort für Messe-Highlights. Was erwartet die Besucher in der „Neuausgabe“?

Es soll eben k e i n e Neuausgabe des Berliner Zimmers sein, sondern etwas inhaltlich und auch optisch Neues. Das neue Veranstaltungsforum wird DIE UNABHÄNGIGEN heißen und gemeinsam von uns und der Kurt Wolff Stiftung betrieben. Ein Ort der Messe-Highlights soll es aber bleiben und die genannten Preisverleihungen fügen sich da nahtlos ins Konzept ein und sollen auch mit in das Forum umziehen.

Mit der Kurt Wolff-Stiftung haben Sie einen neuen Partner gefunden – und die Stiftung hat in den letzten Jahren in der Branche viele Akzente gesetzt. Wie wird sich das im neuen Forum darstellen?

Mit dem Forum DIE UNABHÄNGIGEN wollen wir auf der Messe langfristig einen attraktiven, weithin wahrnehmbaren Ort etablieren, der bei Leserpublikum und Medien für unabhängige Verlage und deren Autoren wirbt und dabei auch den Buchhandel als wichtigen Partner und Vermittler mit einbezieht. Gleichzeitig sollen hier die vielen Initiativen, die auf der Messe auf diesem Gebiet schon aktiv sind eine sichtbare Bündelung erfahren. Das Programm im Forum wird so ausgestaltet, daß es sowohl für Bücherprofis als auch für die interessierten Leser attraktiv ist.

Bisher war das Berliner Zimmer die „Spielstätte“ des LV Berlin-Brandenburg. Gibt es weitere Partner neben der Kurt Wolff-Stiftung für die „Neuausgabe“?

Rein organisatorisch ist es ein Projekt von Messe und Stiftung. Aber in Bezug auf die Aktivitäten, die dort stattfinden sind wir natürlich auch für andere Partner offen, wie z.B die SWIPS , die Hotlist oder die Plattform indiebooks. Letztlich wird es immer von den Inhalten abhängen, was ins Forum passt und was nicht.

Als Sie zur letzten Buchmesse nach 23 Jahren den Schlüssel des Berliner Zimmers zurückerhielten, sprachen Sie davon, daß Sie sich Zeit lassen wollten für eine Neuordnung. Nun ist für einen nahtlosen Anschluß gesorgt; wie sieht die Neuordnung en detail aus?

Zunächst mal läßt sich ja niemand gerne zeitlich unter Druck setzten. Das dann doch etwas abrupte Ende des Berliner Zimmers hat uns allerdings im Denken und Handeln nochmal schwer beschleunigt, unsere verschiedenen Ideen in ein festes Projekt zu gießen. Die Arbeitsteilung zwischen Stiftung und Messe sieht im wesentlichen so aus: Das Programm wird von der Stiftung kuratiert und die Programmarbeit von der Messe unterstützt. Die Messe baut auch das Forum und zu dessen Gestaltung werden unsere Architekten und die Stiftung eng zusammenarbeiten. Personell und persönlich werden Die UNABHÄNGIGEN von der Stiftung betreut. Das schließt dann auch eine gute Erfahrung des Berliner Zimmers ein – den Getränkeausschank. Ein absolutes Muß, wenn man Kommunikation fördern will. Darüber waren wir uns vor allem anderen sofort einig. Und an weiteren Details arbeiten wir auch noch. Die Zeit bis zur Messe wird uns da sicher nicht langweilig.

„Happy Together“ von Frank Zappa war in diesem Jahr der Abschiedssong, der bei der Schließung gespielt wurde. Der paßt doch aber auch ganz prächtig für “Die UNABHÄNGIGEN“!

Absolut! Das ist für unser neues Vorhaben Plan und Wunsch zugleich. Wenn “Die UNABHÄNGIGEN“ auch solch eine Anziehungskraft entfalten, wie es die Berliner in den 23 Jahren vermocht haben, dann geht unser gemeinsamer Plan wirklich auf.

Die Fragen stellte U. Faure

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