
Hans-Peter Übleis
Der Medienandrang im Frankfurter Nobelhotel Villa Kennedy war gewaltig: Die Verlagsgruppe Droemer Knaur hatte zur Buchvorstellung von Helmut Kohls Aus Sorge um Europa – Ein Appell eingeladen. Über 100 Journalisten und sechszehn Kamerateams waren zur Vorstellung von Helmut Kohls neuem Buch gekommen, von dem die FAS [mehr…] und Bild vorab Auszüge veröffentlicht hatten.
Ein sichtlich gut gelaunter Bundeskanzler lauschte der Laudatio des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, der eigens für diese Buchpräsentation seinen Amtsantritt um einen Tag verschoben hatte und bedankte sich mit den Worten: „Das ist Freundschaft. Und es ist noch viel mehr als Freundschaft. Es ist auch ein wichtiges Signal. Es steht dafür: Wir beide wollen Europa. Wir beide glauben an Europa.“ Und er mahnte: „Vergessen wir nie: Es gibt keine Alternative zu Europa. Europa bleibt eine Frage von Krieg und Frieden, und zwar Frieden in Freiheit. Europa ist eine Sache des Verstandes und des Herzens. Das müssen wir begreifen.“
Dr. Hans-Peter Übleis, Verlegerischer Geschäftsführer von Droemer Knaur, begrüßte die Medienvertreter: „Das Thema Europa bewegt die Menschen national und international. Aus Sorge um Europa ist eines der wichtigsten politischen Bücher dieses Herbstes.“
Helmut Kohl habe die entscheidenden Weichen für ein Zusammenwachsen Europas gestellt. Auf den vorliegenden knapp 120 Seiten wolle er ein positives Zeichen für Europa setzen.
Übleis freute sich besonders, dass Jean-Claude Juncker, der Helmut Kohl seit gefühlten 100 Jahren kenne, für die Buchvorstellung nach Frankfurt gereist ist.
Kohls Ehefrau Maike Kohl-Richter wandte sich kurz an die Journalisten: „Es ist so viel Falsches geschrieben worden. Vor sechseinhalb Jahren hatte Helmut Kohl einen Unfall. Ich bin hier, um ihm – wenn notwendig – zu helfen.“
„Ihre Glückwünsche zu meinem Amt zeigen, dass Sie Humor haben“, wandte sich Jean-Claude Juncker zunächst an Hans-Peter Übleis. „Helmut Kohl ist ein großer Europäer und ein guter Freund“, fuhr er fort. Entsprechend reihte sich nachfolgend Lob an Lob für den Altkanzler.
Juncker erzählte vom Beginn des Buches, vom „offenen Haus“ der Kohls, in dessen Garten auch ein Stück der Berliner Mauer stehe. „Helmut Kohl, das vergisst man manchmal, ist Historiker“, unterstrich der Präsident. Das Buch handle davon, wie Kohl Politik gestaltete. Er sei stets darauf bedacht gewesen, die Befindlichkeiten der anderen zu achten.
Das Buch sei auch ein Statement gegen wieder aufkommende Ressentiments, wie sie bei der Causa Griechenland beobachtet wurden. „Helmut Kohl ist ein Mann der konstanten Linienführung, unabhängig von der Windrichtung“, unterstrich der Freund. „Kohl glaubte an die Wiedervereinigung und musste sich dafür beschimpfen lassen“, erinnerte Juncker. Der Altkanzler sei auch stets der Meinung gewesen, dass die deutsche Einheit etwas mit der europäischen zu tun habe. „Patriotismus hat eine nationale und eine internationale Seite“, formulierte Juncker.
„Helmut Kohls Appell ist wichtig, weil aufgrund des gegenwärtigen Klein-Klein-Gerangels in Europa die Frage des Friedens als identitätsstiftender Aspekt in den Hintergrund tritt“, unterstrich der Präsident, der auch eigene Fehler in seiner bisherigen Tätigkeit als Finanzminister Luxemburgs und als Vorsitzender der Euro-Gruppe einräumte.
Mit Mühe sprach Helmut Kohl, darauf bedacht, die Worte langsam und artikuliert zu äußern: „Noch ist es nicht zu spät für Europa.“ Später versuchte der Altkanzler auch, die Fragen der Journalisten mit zu beantworten. Nicht immer war jedes seiner Worte verständlich.
Auf die Frage nach der Realisierung des Buches und nach ihrem Anteil unterstrich Maike Kohl-Richter: „Mein Mann hatte einen Unfall, von dem ein anderer gar nicht wieder aufgestanden wäre. Das Buch ist etappenweise entstanden, ich habe ihm geholfen.“
JF