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Hannes Hegen

Hannes Hegen 1958
Foto: Wolfgang G Schrödter
© Lehmstedt Verlag

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Johannes Hegenbarth alias Hannes Hegen, der Schöpfer der legendären (und einzigen) DDR-Comic-Zeitschrift Mosaik, im Alter von 89 Jahren am Sonnabend, dem 8. November 2014, in Berlin gestorben.
Hegenbarth wurde am 16. Mai 1925 in Böhmisch-Kamnitz (heute Česká Kamenice) als Sohn eines Glasgraveurs geboren. Nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung aus dem Sudentenland siedelte sich die Familie zunächst in Ilmenau an. Von 1948 bis 1951 studierte Hegenbarth an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, schloss das Studium jedoch nie ab, weil er schon als Student freier, dann fester Mitarbeiter der satirischen Zeitschrift Frischer Wind / Eulenspiegel in Berlin wurde, für die er Hunderte Karikaturen anfertigte. 1955 gründete er unter seinem Künstlernamen „Hannes Hegen“ die Comic-Zeitschrift Das Mosaik mit den drei Hauptfiguren Dig, Dag und Digedag. Mit zunächst zwei, später mehr als zehn Mitarbeitern schuf er in seinem Atelier in Berlin-Karlshorst die bedeutendsten Comic-Serien der DDR.
Gemeinsam mit dem Textautor Lothar Dräger entwickelte er 1964 das einzigartige Konzept des „großen humoristischen Bildromans“, einer über viele Jahre hinweg laufenden Comic-Geschichte. Mehrere Generationen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Osten Deutschlands sind von den Geschichten um die drei Digedags und ihre Gefährten wie den liebenswert-tollpatschigen Ritter Runkel von Rübenstein geprägt worden. Obwohl die Auflage mehr als 600.000 Stück betrug, konnte die Nachfrage nie befriedigt werden. 1975 kündigte Hegenbarth die Zusammenarbeit mit dem Verlag und zog sich vollständig ins Privatleben zurück. Nach 1990 erlebten die alten Hefte mit den Digedags in Gestalt von Nachdrucken, Buchausgaben und Sammlereditionen eine unerhörte Renaissance. Ausstellungen zur Geschichte des Mosaik – wie jetzt im Verkehrsmuseum Dresden – sind bis absolute Publikumsmagneten; Originalausgaben der ersten Hefte erzielen bei Auktionen Traumpreise von bis zu 6000 Euro pro Heft. Johannes Hegenbarth, dessen Werk so außerordentlich populär war und ist, hat immer die Öffentlichkeit gescheut. Jetzt ist er in aller Stille gegangen.
Ausführliche Informationen über Hannes Hegen und sein Werk bieten:
Reiner Grünberg, Michael Hebestreit: Mosaik-Handbuch. Die Welt der Digedags. 2. erweiterte Auflage, Leipzig 2014
Mark Lehmstedt: Die geheime Geschichte der Digedags. Die Publikations- und Zensurgeschichte des „Mosaik“ von Hannes Hegen 1955-1975. 2. erweiterte Auflage, Leipzig 2012.

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