
be.bra-Verleger Ulrich Hopp wird heute 60 Jahre alt. Horst Meyer (84), Verleger i.R. (Erika Klopp, Arani), gratuliert seinem Freund und Kollegen:
Lieber Ulrich,
wann wir uns das erste Mal begegnet sind, kann ich nicht rekonstruieren. Es ist lange her. Von Beginn unserer Bekanntschaft und späteren Freundschaft an habe ich Dein Wirken in der Bücherbranche mit großem Interesse und wachsender Bewunderung verfolgt. Bewunderung für Deinen Mut und Deine Zielstrebigkeit bei Deinen unternehmerischen Schritten.
Du kommst aus unserem klassischen Buchhandelsländle, aus Schwaben. In Schwäbisch Gmünd geboren, hast Du Sortimenter und Verlagsbuchhändler in Stuttgart gelernt, also eine grundsolide Ausbildung genossen.
Im Jahre 1976, also zu Mauerzeiten und lange vor der Wende, trieb es Dich nach Berlin. Hier hast Du verschiedene Verlage von innen kennengelernt. Und dann unternahmst Du einen besonderes wagemutigen Schritt: Du hast 1994Deinen eigenen Verlag gegründet. Einfach so. In einer Zeit des Umbruchs, in der andere kleine und „kleinere“ Verlage, besonders in Berlin, aufgeben mussten. Das erste Programm startete im Frühjahr 1995.
Du hast Dein Unternehmen „be.bra.verlag“ genannt und damit bereits die Ausrichtung und das Programm vorgegeben: Berlin und Brandenburg. Dieser regionale Markt war bereits voller Bücher, man kann sagen: überfüllt. Wie sollte da ein Neuling leben und überleben?
Man muss dabei bedenken, dass die sogenannte Berlin-Literatur schon immer eine besondere Marktbreite hatte. Im deutschen Sprachgebiet gibt es keine Stadt, die eine so reichhaltige, sich immer wieder erneuernde regionale Buchproduktion hat. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine phänomenale Vermehrung der berlin-bezogenen Titel. Heutzutage hat dieser Bereich des Literaturangebots solche Dimensionen angenommen, dass selbst die Spezialisten in unserer Branche das Zählen aufgegeben haben. Der legendäre Kiepert-Katalog müsste heute zu einem unhandlichen Wälzer angewachsen sein.
In diesem „Haifischbecken“ bist Du mit Deinem Verlag gestartet. Mit einem schön gestalteten Werk„Berliner Treppen“ und einem kecken Buch über die berühmte Berliner Currywurst. So etwas geht nur in Berlin!
Du hast mit Deinem – heute achtköpfigen – Team die dynamischen Veränderungen, die in und um Berlin vor sich gingen, aufgegriffen. Inzwischen weist das Programm weit über den ursprünglich anvisierten Themenbereich hinaus. Schrittweise hast Du „angebaut“. In Richtung Belletristik kam 2001 das Imprint „berlin.krimi.verlag“ hinzu. Mit den „Preußenkrimis“ von Tom Wolf konntest Du ein neues Genre einführen.
Danach dann, 2002/2003, die Gründung des „be.bra.wissenschaftverlags“ mit den Schwerpunkten Medizin-, Brandenburg-Preußische und Jüdische Kultur-Geschichte. „be.bra.wissenschaft“ bringt u.a. Veröffentlichungen der Brandenburgischen Historischen Kommission, des Brandenburgischen Landeshauptarchivs und des Potsdamer Moses-Mendelssohn-Zentrums heraus.
2004 erfolgte die Übernahme der „edition q“ und der „berlinedition“ aus dem Quintessenz Verlag. Du hast es verstanden, diese Eingliederung zielstrebig weiter auszubauen(wie man in unserer Branche weiß, sind Übernahmen nicht automatisch vom Erfolg gekrönt!). Die daraus entwickelte „japanedition“ ist heute die einzige literarische Buchreihe in Deutschland, die zeitgenössische japanische Autoren publiziert.
Schließlich hast Du 2008 an ein großes Projekt gewagt: die über mehrere Jahre entwickelte 16-bändige Reihe „Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert“. Eine junge Generation von Historikern versammelt den aktuellen Wissensstand zur Kultur-, Militär- und Politikgeschichte des gerade zu Ende gegangenen „deutschen Jahrhunderts“.
Inzwischen etwa 40 Neuerscheinungen pro Jahr und eine umfangreiche Backlist sind das Ergebnis von zwanzig Jahren anstrengender, aber erfolgreicher Verlegerei, gelegentliche Gratwanderungen eingeschlossen. Daneben seiDein Engagement im Vorstand des Berliner Landesverbandes und Deine Tätigkeit als Sprecher des Werbeausschusses nicht vergessen.
Zwecks Erfahrungsaustausch hast Du die Regionalbuch AG mitbegründet, eine Arbeitsgemeinschaft von acht Verlagen, die in den Bundesländern regional publizieren und sich regelmäßig treffen. Im April dieses Jahres konntest du hier im BuchMarktvon den tatsächlich eingetretenen Synergieeffekten berichten.
Aus dieser Arbeitsgemeinschaft ist kürzlich eine Kuriosität hervorgegangen: Werner Holzwarth hat 2001 im Züricher Bajazzo Verlag einen hübsch ausgestatten kleinen Band unter dem Titel „Kleeorg und Kleeopatra – Eine Geschichte vom Glück“ veröffentlicht, in „Schriftdeutsch“. Sieben Verlage haben daraus zwölf Dialektausgaben gemacht und gleichzeitig auf den Markt gebracht, von Alemannisch bis Westfälisch. „Uff berlinisch“ ist es bei be.bra erschienen: „Keemil und Kleeopatra. EeneJeschichte vom Glück“.
Dieses Glück wünsche ich Dir zum Sechzigsten. Dein Verlag und Deine engagierten Mitarbeiter haben interessierte Käufer und neugierige Leser verdient. Alles Gute!
Herzlichst Horst
Wer auch gratulieren möchte: ulrich.hopp@bebraverlag.de
Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de , Stichwort: Runde Geburtstage