
Die KrimiZEIT-Bestenliste Dezember 2014 aus der Wochenzeitung DIE ZEIT. Hier können Sie die Liste downloaden und als Plakat ausdrucken:
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An der Spitze der KrimiZEIT-Bestenliste Dezember 2014 finden Sie neu
auf Platz 1: Regengötter von James Lee Burke
Von James Lee Burke ist so lange kein Buch mehr auf deutsch erschienen, dass sich nur die Leser an ihn erinnern, die schon vor einer halben Generation begonnen haben, die Romane dieses bedächtigen Autors zu lesen, dessen Werk von Louisiana bis Texas den ganzen Südwesten der USA beschreibt. 2003 erschien der bisher letzte Roman um den Polizisten Dave Robicheaux, seine wohl bekannteste Figur – allein acht warten noch auf Übersetzung.
Burke wurde 1936 geboren, und es gehört zu seinen Tugenden als Schriftsteller, sich dem Alter wie auch anderen biographischen Tatsachen zu stellen. Hackberry Holland ist an die siebzig, sein Rücken ächzt, der Alkohol und mehr noch der Krieg in Korea und der Verlust seiner Frau haben ihn zu einem Veteranen des Lebens und des Sterbens gemacht. Jetzt ist er Sheriff, und wie alle Sheriffs lässt er es sich nicht nehmen, in seinem County zu bestimmen, was geschieht. Deshalb lässt er weder CIA noch den aggressiv-obsessiven Beamten des Grenzschutzes ICE vor Ort, als er die halbverbuddelten Leichen von neun Asiatinnen findet, die mit einem Maschinengewehr niedergeschossen worden waren. Er beschützt auch den einzigen Zeugen und seine Freundin – Hackberry ist ein schrundiger Patriarch, eines jener gebrechlich aufrechten Mannsbilder, die neuerdings die US-Kriminalliteratur bevölkern. Seine Gegner – seien sie dämonisch wie der soziopathische und belesene Massenmörder Preacher, seien sie mafiose Dumpfbacken – haben nichts zu lachen. In der grandiosen Weite von Südtexas steht Hackberry, aller Schand- und Heldentaten seines Staates und seiner Geschichte bewusst, nicht ganz allein, aber unerschütterlich.
„Burke portraitiert seine Figuren in schönster Demokratie – die Schurken sowie die Guten, die Minderen sowie die Wichtigen, die Vernünftigen und die Gestörten. Und über allem steht die Natur, deren Stimmungsbilder die Dominante des Romans liefern.“ (Thomas Wörtche, Dradio Kultur)
Neu auf der KrimiZEIT-Bestenliste Dezember finden Sie diesmal fünf Titel, je einen deutschsprachigen, einen amerikanischen, einen norwegischen, einen irischen und einen südafrikanischen:
Auf Platz 3: Die rechte Hand des Teufels von Kim Zupan
Ähnlich wie Donald Ray Pollock kam Kim Zupan (*1953) nach langen Jahren als Tischler – er unterrichtet dieses Fach auch am College – und professioneller Rodeo-Reiter zum Schreiben. Sein Debütroman Die rechte Hand des Teufels wurde in den USA begeistert als Text in der Cormack-McCarthy-Tradition rezipiert. Die menschenleere Landschaft Zentral-Montanas ist Schauplatz, Akteur und Hintergrund zu dem langen Gespräch, das der junge Deputy Val Millimaki und der 77-jährige Profikiller John Gload führen. „Kim Zupans Roman erzählt mehr von der Traurigkeit und der Landschaft von Montana, als von Gewalt. (..) Er pflegt zum einen ganz thriller-untypisch auf eine etwas altmodisch-gediegene, in Passagen herzzerreißend poetische Sprache, zum anderen setzt er weniger auf Spannung als auf Atmosphäre und tiefgründige Figurenzeichnung.“ (Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau)
Auf Platz 6: Der Sohn von Jo Nesbø
Der Junkie Sonny Lofthus sitzt seit zwölf Jahren wegen Mordes im sichersten Knast Norwegens. Als er von einem seiner Mitansassen erfährt, dass sein Vater nicht wie angenommen Selbstmord begangen hat, sondern sich ermorden ließ, um Frau und Sohn zu schützen, bricht er aus, um Vaters Ehre wieder herzustellen und ihn zu rächen. Zwei weitere Vaterfiguren-Polizisten jagen den Flüchtigen, der trotz jahrelangem Heroinmissbrauch seinen Verfolgern immer einen Schritt voraus ist. Ihr gemeinsames Ziel ist ein „Maulwurf“ in der Polizei, der mit dem dämonischen Gangster „Zwilling“ – ein entwurzelter Jude – kooperiert hat. Auf dem Weg zum Ziel hilft eine herzensgute Sozialarbeiterin, die in Sonny den Mann ihrer Sehnsüchte erkennt.
Auf Platz 8: Märzgefallene von Volker Kutscher
„Märzgefallene“ nannte man die Opfer der Revolution 1848 und des Kapp-Putsches 1920. Die Nationalsozialisten charakterisierten so die Leute, die nach der siegreichen Wahl März 1933 in die NSDAP eintraten, als Opportunisten. Im März dieser deutsche und europäische Geschichte entscheidenden Wahl spielt Volker Kutschers fünfter Roman um den rheinisch-preußischen Polizisten Gereon Rath. Unter der Hochbahn wird ein mit einem Grabendolch, einer Waffe für den Nahkampf im Schützengraben, ermordeter Bettler und Kriegsveteran aufgefunden. Während die Nazis den Reichstagsbrand zum Anlass für Terror und Verfolgung nehmen, buddeln Rath, seine Verlobte Charly und ein degradierter Kommissar im blutig-raffgierigen Background des völkischen Schriftstellers Achim von Roddeck, der während des Rückzugs 1917 an der räuberischen Privatisierung eines Goldschatzes beteiligt war.
Auf Platz 9: Absolute Zero Cool von Declan Burke
Der Ire Declan Burke unternimmt in seinem Deutschland-Debüt eine abenteuerliche Erzählfahrt. „Billy Karlssson“, ein renitenter Krankenpfleger und Todesengel, der in einem früheren Krimi-Manuskript ein Krankenhaus in die Luft sprengen sollte, erscheint beim Autor und reklamiert eine Neufassung der abgebrochenen Geschichte. Der Autor gibt nach – und sieht sich mit einem immer dreisteren Manipulateuer konfrontiert, dem es gelingt, Wirklichkeit und Fiktion unentwirrbar zu verzwirbeln. Absolute Zero Cool hat kontroverse Reaktionen provoziert:
„Kriminalromane müssen, um zu funktionieren, an die Erzählbarkeit der Welt glauben. Diese Naivität ist oft reflektiert und parodiert worden. Declan Burke jedenfalls gelingt es nicht, einen neuen Funken aus dieser Form zu schlagen.“ (Thomas Wörtche, DIE ZEIT).
„Absolute Zero Cool ist ein unverschämtes Ding von einem Roman, witzig, clever, voller Tempo, unglaublich spannend – und wahnsinnig ausgefeilte Metafiktion.“ (Thekla Dannenberg, Perlentaucher)
Auf Platz 10: Trost von Andrew Brown
Andrew Brown ist ein weiterer südafrikanischer Autor, den man sich merken muss. Der frühere Anti-Apartheid-Aktivist, Anwalt und Reservepolizist greift in Trost, seinem dritten Roman, tief ein ins Gefüge der südafrikanischen Gewasltverhältnisse. Während die Regierung im Verein mit einer protestantischen Kirche eine – fiktive – Kultur- und Rituskontrolle etablieren will, wird die Leiche eines vorgeblichen muslimischen Ritualopfers in der Synagoge platziert. Der kaputte Inspector Februarie ermittelt korrekt, ohne zu verstehen, in welche religiösen Fettnäpfchen er tritt, gerät nach einem Mordanschlag auf seine Geliebte außer sich, gibt aber die Suche nach den wahren Drahtziehern nicht auf.
Unsere Dauerchampions:
Zum dritten Mal stehen Franz Dobler mit Ein Bulle im Zug und Liza Cody mit Lady Bag auf der KrimiZEIT-Bestenliste.