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Goldene Bulle gehört zum Gedächtnis der Welt

Goldene Bulle, Frankfurter Exemplar

Die Goldene Bulle gehört offiziell zum Weltdokumentenerbe – am 8. Dezember wurde die entsprechende UNESCO-Urkunde im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt überreicht.

Es gibt sieben (lateinische) Exemplare der 1356 von Kaiser Karl IV. herausgegebenen Sammlung von Gesetzen und Verfügungen – der Name „Goldene Bulle“ bezeichnet eigentlich nur das Siegel des Werkes, wurde aber im 15. Jahrhundert für das Gesamtdokument gebräuchlich.

Die Exemplare, ausgefertigt für Trier, Köln, Böhmen, die Pfalzgraf bei Rhein, Sachsen, Brandenburg und Mainz befinden sich heute in Staatsarchiven und Landesbibliotheken in Deutschland und Österreich – und in Frankfurt im Institut für Stadtgeschichte.

Bereits am 18. Juni 2013 hat die UNESCO, die alle zwei Jahre über Anträge zur Aufnahme in das Weltdokumentenerbe entscheidet, die sieben Exemplare der Goldenen Bulle in das Register aufgenommen. Aus diesem Anlass fand am 8. Dezember 2014 ein Symposion und ein Festakt im Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt statt.

„Aber unsere ist echt?“, fragte Dr. Evelyn Brockhoff, Leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte, scherzhaft-besorgt nach. „Ja, die Frankfurter Goldene Bulle ist echt“, bestätigte Prof. Dr. Bernd-Ulrich Hergemöller. Grund der Nachfrage war das vorangegangene Referat, in dem Hergemöller über Vorgeschichte, Entstehung und Inhalt der Goldenen Bulle gesprochen und dabei erwähnt hatte, dass die deutsche Ausfertigung der Goldenen Bulle in Aachen eine Fälschung sei.

Die Goldene Bulle, eine Abschrift, die sich Frankfurt aufgrund seiner Bestimmung zur Königswahl- und -krönungsstadt 1366 ausstellen ließ und die lange Zeit als „Reichsexemplar“ galt, war dabei in einer Vitrine ausgestellt. „Es ist unser kostbarstes Dokument und wird nur selten gezeigt“, unterstrich Brockhoff. Seit 1436 bewahrt das Archiv Stadtgeschichte, mit der Aufnahme der Goldenen Bulle in das UNESCO-Register nun auch Weltgeschichte. „Wir beschäftigen uns allerdings nicht nur mit der sachgemäßen Aufbewahrung von Dokumenten, sondern arbeiten und forschen auch“, hob die Direktorin hervor.

Deshalb gab es am Festtag ein Symposion mit vier Vorträgen. Neben Bernd-Ulrich Hergemöller, der etwa 300 Beiträge veröffentlicht hat – darunter zahlreiche zur Goldenen Bulle, sprachen Prof. Dr. Bernd Schneidmüller, Prof. Dr. Michael Stolleis in Vertretung des erkrankten Prof. Dr. Karl Härter sowie Dr. Michael Matthäus. Alle Beiträge werden später veröffentlicht.

Den „außerordentlichen Rang des Dokuments“ stellte Frankfurts Kulturdezernent Prof. Dr. Felix Semmelroth heraus. „Die Spur der Goldenen Bulle zieht sich über die Jahrhunderte vom Kaiseredikt bis zum Länderfinanzausgleich“, stellte Semmelroth fest.

Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhardt, Vorsitzender des deutschen Nationalkomitees für das seit 1992 geführte UNESCO-Register „Gedächtnis der Welt“, ordnete die Goldene Bulle in das 300 Dokumente umfassende Verzeichnis ein und forderte auf, sich mit diesem Erbe näher zu beschäftigen. Eine Aufnahme konnte nur erfolgen, weil sich Österreich und Deutschland gemeinsam bewarben. Zwei Ausfertigungen der Goldenen Bulle befinden sich im Österreichischen Staatsarchiv.

Deutschland ist im Memory of the World mit 17 Einträgen vertreten, darunter sind die Gutenberg-Bibel, Goethes literarischer Nachlass, die Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm, das Nibelungenlied.

2013 wurden außerdem die Himmelsscheibe von Nebra, das Lorscher Arzneibuch das Manifest der Kommunistischen Partei und Das Kapital. Erster Band von Karl Marx ins Weltdokumentenerbe aufgenommen.

Nach Übergabe der Urkunde führte Kabarettist Michael Quast eine Szene vor, wie so eine Königswahl nach den Regeln der Goldenen Bulle in Frankfurt abgelaufen sein könnte. Sehr ernst schien es dabei nicht zugegangen zu sein – jedenfalls nicht nach der Interpretation von Quast.

Zur Aufnahme der Goldenen Bulle ins Weltdokumentenerbe ist eine CD erschienen. Sie bietet die Möglichkeit, im Frankfurter Exemplar der Goldenen Bulle zu Blättern und zu ihrer Rezeptionsgeschichte nachzulesen.

JF

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