Im Juni kündigte der Club Bertelsmann die Schließung des Unternehmens bis Ende 2015 an. Die Geschäftspartner reichten im August Klage dagegen ein [mehr…]. Jetzt wollen sie mit der Klage vor dem Landgericht Düsseldorf erreichen, dass das Geschäft weitere zwölf Jahre fortgeführt wird.
„Aus unserer Sicht ist eine Laufzeit für weitere zwölf Jahre das Mindeste, was aus solch einem unkündbaren Vertrag folgt. Denn im Vertrauen auf diesen Vertrag haben wir auch in den vergangenen Jahren noch umfangreich – durchschnittlich etwa 50 Prozent unseres Erlöses – in das Buchclub-Geschäft investiert“, sagt Guido Gebhard, Sprecher der Kläger.
Die konkretisierten Forderungen resultieren aus „ausdrücklich vereinbarten Unkündbarkeit der unbefristeten Verträge“, weshalb eine Kündigung derselben unrechtmäßig sei. [mehr…]
Es ist umstritten, ob der Club dazu gezwungen werden kann, sein unrentables Buchclubgescäft fortzuführen. Die Frage wird sein, ob der Bertelsmann für die Defizite zur Verantwortung gezogen werdne kann oder nicht – die Kläger sprechen jedenfalls von „Missmanagement“. Angeblich habe Gunter Thielen, der frühere Bertelsmann CEO, zu wenig in die Clubs investiert.
Für die Managementfehler und mangelnde Investitionen wurden neue Belege aus den vergangenen zehn Jahren vorgelegt. Die Quellen, aus denen die Belege für Aussagen des Bertelsmann-Managements stammen, seien unter anderem Protokolle von Vollversammlungen.
„Die neuen Belege zeigen einmal mehr, dass die Darstellung von Bertelsmann, der Club sei seit Jahren ein Minusgeschäft und die jüngsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Folge externer Faktoren, ein völlig falsches Bild zeichnet“, so Gebhard. „Gewinne aus dem Club wurden nicht wieder in das Clubgeschäft gesteckt; das Management selbst hat wiederholt Fehler, mangelnde Investitionen und viel zu häufige Wechsel in der Buchclub-Führung zugegeben. Trotzdem hat der Club bis vor wenigen Jahren noch Geld verdient.“
Desweiteren sind die Geschäftspartner der Ansicht, dass der Club mit einer Million Bestandskunden durchaus wieder profitabel gemacht hätte werden können.
Der Hintergrund:
Am 17. Juni 2014 hatte Bertelsmann bekannt gegeben, den Buchclub mit etwa einer Million Kunden aufzulösen und alle Filialen zu schließen. 250.000 Buchclub-Mitglieder sind Kunden unterschiedlicher Buchhändler und Medienvertriebsunternehmer aus ganz Deutschland und wurden Bertelsmann lediglich zur Belieferung mit Verlagserzeugnissen überlassen. Die Verträge, die diese Überlassung regeln, sind unkündbar. Diese „zweistufige“ Konstruktion gibt es seit der Gründung des Clubs. Stellvertretend für alle Vertriebspartner haben drei Unternehmen am 25. August 2014 gegen die Schließung Klage eingereicht.
Bertelsmann sieht dem Geschehen gelassen entgegen, teilte das Unternehmen Buchmarkt.de mit. „Unsere Gesprächsangebote sind wegen Vorbedingungen der Verpächter nicht angenommen worden“, heißt es da; und „wir sehen den Verzicht auf Kündigung im Vertrag als nichtig an.“