Home > News > Ideenfabrik in Frankfurt: Fortsetzung erwünscht

Ideenfabrik in Frankfurt: Fortsetzung erwünscht

Kyra Dreher, Rolf Nüthen

Zu einer Ideenfabrik hatten die Börsenverein-Arbeitskreise kleinerer unabhängiger Verlage (AkV) und unabhängiger Sortimenter (AkS) am Samstag, 21. Februar, in den mediacampus Frankfurt eingeladen.

Etwa 40 Vertreter aus Buchhandlungen und kleineren Verlagen bundesweit und aus der Schweiz waren gekommen und diskutierten in drei Gruppen zu den Themen Regionale Veranstaltungen, Novitäten und Datenqualität/Informationsaustausch.

Dr. Kyra Dreher, Geschäftsführerin des Sortimenter-Ausschusses, und Rolf Nüthen, Geschäftsführer des Verleger-Ausschusses, begrüßten die Teilnehmer. „Es ist ein Experiment: Wir wollen zusammenhocken und miteinander diskutieren“, sagte Nüthen. Die Form entspreche der geplanten neuen Vereinsstruktur, die spartenübergreifende Interessengruppierungen, wie auf dem Branchenparlament im November 2014 [mehr…] vorgestellt, als sinnvoller erachtet als eine starre Spartentrennung.

„Wir wollen in dieser Veranstaltung unseren gegenwärtigen Stand ausloten und die künftigen Vorhaben skizzieren“, ergänzte Dreher.
Sie wies außerdem darauf hin, dass sich in den Gesprächen der vergangenen Wochen herauskristallisiert habe, dass man ein Organ benötige, um politische Forderungen zu postulieren – beispielsweise könnte das ein Sprecherrat übernehmen. „Die Reform des Branchenverbands wird sukzessive erfolgen und ist kein Schritt von heute auf morgen“, erklärte Dreher. So könnten auf den Buchtagen erste Interessengruppierungen etabliert werden, während die Fachausschüsse daneben weiter bestehen. Eine Entscheidung darüber, was effektiver ist, könnte später erfolgen.
„Es ist keine Abschaffung der Sparten geplant, aber die Entwicklung hin zu einem modernen Branchenverband“, setzte Nüthen hinzu. Interessengruppierungen, von den Mitgliedern gegründet, könnten verschiedene Sparten zusammenbringen – diese Veranstaltung sei der Auftakt dazu.

Dreher informierte außerdem über den von der Kurt Wolff Stiftung initiierten Preis für Buchhandlungen und kündigte für Ende Februar entsprechende detaillierte Bewerbungsmöglichkeiten an.

Buchhändlerin Iris Hunscheid und Verleger Armin Gmeiner moderierten die Diskussionsrunde regionale Veranstaltungen. Netzwerke seien hier sinnvoll, das zeige beispielsweise die Initiative by local, die eine positive Grundstimmung erzeuge.
Doch wie kommen Verlage und Buchhandlungen aus der Region zusammen? Buchhändler könnten über die Vorschauen interessante Bücher finden und Kontakte zu den Verlagen knüpfen. Auch gute Pressearbeit der Verlage mache auf Regionalia aufmerksam. Nicht zu vergessen seien die regionalen Rundfunksender, bemerkte Holger Stricker, der gute Erfahrungen mit diesen oft kleinen Stationen gemacht hatte.
Die Kooperation mit ortsansässigen Vereinen sei ebenfalls eine Möglichkeit, die stärker in Betracht gezogen werden müsse.
Der Verkauf bei Veranstaltungen funktioniere in größeren Städten weniger gut als in ländlichen Gebieten, stellte die Gruppe fest. Und: Erfolgreiche Lesungen sprechen sich herum. Viele Verlage unterstützen Veranstaltungen der Buchhändler mit Werbemitteln – Anfragen lohnen immer.
Der Börsenverein könnte die Pressearbeit der Buchhandlungen mit Beispieltexten unterstützen, wünschten sich die Sortimenter, denn nicht jeder Buchhändler sei ein erfahrener PR-Profi.
Andererseits könnten die Verlage die Öffentlichkeitsarbeit mit freigegebenen, honorarfreien Fotos und kurzen Texten zum Buchinhalt und zum Autor fördern.
Beklagt wird zwar die Informationsflut, aber auch der Mangel an wichtigen Mitteilungen. Es komme auf die richtige und abgestimmte Kommunikation zwischen Verlagen und Buchhandlungen an: Gute Kommunikation ist wichtig fürs Geschäft, unterstrich Iris Hunscheid. „Der Austausch untereinander ebenfalls“, fügte Stricker hinzu.
Verlagsvertreter sollten nicht nur Novitäten anbieten, sondern auch über geplante Veranstaltungen und Lesereisen informieren. Darin seien kleine Verlage übrigens besser als große.
Präsentationen kleiner Spezialverlage in den Buchhandlungen seien schwierig, aber nicht unmöglich.

Der Vorteil kleinerer Verlage liege darin, dass sie die Werbung individuell mit den Buchhändlern abstimmen können. Und sie könnten sich in einem entsprechenden Umfeld in Kooperationen präsentieren.
Lokale Buchmessen erleben gegenwärtig einen Aufschwung – auch Buchhändler sollten diese Messen nutzen. Nicht zuletzt sollten Verlage Buchhändler in ihre Betriebe einladen – Erfahrungen zeigen, dass solche Termine nachhaltig und persönliche Kontakte für beide Seiten förderlich sind.

Die Buchhändlerinnen Irene Nehen und Kathrin Lutz sowie Verlegerin Britta Blottner moderierten die Diskussion über Novitäten. Während einige Buchhändler gut mit Verlagsvorschauen arbeiten können und kaum Vertreterbesuche wünschen, legen andere Sortimenter Wert darauf, dass Vertreter sie informieren. „Wenn Vertreter 15 oder mehr Verlage im Portfolio haben, fallen Verlage wie der unsere hinten runter“, äußerte Dietrich zu Klampen, der sich in einer Doppelrolle als Verleger und zugleich Buchhändler sieht. „Kleine Verlage sind uns aber wichtig“, unterstrich Buchhändlerin Sabeth Vilmar.

Vertreter hätten oft absurd große Reisegebiete, stünden unter Druck und litten unter Zeitmangel, stellten die Disputanten fest. Wenn kein Vertreter käme, müsse man selbst den schriftlichen Kontakt zum Verlag aufnehmen, auch die Konditionen sollten immer wieder neu verhandelt werden, meinten einige Sortimenter. Ein ständiger Vertreterwechsel trüge nicht dazu bei, die Buchhandlungen und ihre Sortimente kennen zu lernen.
Ohne Vertreterbesuche werde gezielter und weniger eingekauft – leider erfahre man auch weniger. Irene Nehen präferierte Einkaufstage, da könne man sich sinnvoll und effizient über Novitäten informieren und bestellen.
Eindeutig ist die Meinung zu den Vorschauen: Die sollten im Format A4 vorgelegt werden, übersichtlich und informativ sowie ohne zu viele Sonderseiten mit wenig Gehalt sein. Auf ganzseitige Werbeanzeigen sollte verzichtet werden. „Man muss zwischen Endkunden- und Buchhandelsinformationen unterscheiden“, forderte zu Klampen. Kurze Übersetzerporträts und Hinweise auf prägnante Titel werden ebenfalls von den Sortimentern geschätzt. Und bitte kein schwarzer Untergrund und kein Hochglanzpapier: Die Vorschau ist ein Arbeitsmittel, Notizen darin sind wichtig. Einzelkataloge seien überflüssig, ein Gesamtkatalog erfülle alle Anforderungen, Doppelungen müssten vermieden werden. „Der Verlag sollte allerdings auch anmerken dürfen, was er für ein Buch getan hat und warum er gerade dieses Buch besonders herausstellt“, bemerkte zu Klampen.

Auch die Backlists der Verlage seien für die Buchhändler wertvoll.

Ob eine elektronische Vorschau der gedruckten den Rang abläuft, muss sich erst noch herausstellen – überzeugt sind die Gesprächsteilnehmer davon jedenfalls noch nicht. „Außerdem kann sich ein kleiner Verlag eine vollständige elektronische Titelpräsentation nicht leisten“, wandte zu Klampen ein.
Über Newsletter der Verlage war man geteilter Meinung, die meisten Sortimenter lehnen sie eher ab. Vermehrt würden jedoch gute Blogs gelesen.

„Vorschau, Vertreter, Website, Blog, Facebook, Twitter, PR – früher hatten wir einen Fluss, und wir schickten unser Kommunikationsschiff hinaus. Heute haben wir viele kleine Rinnsale, viele kleine Bötchen. Und manche werden durch große kackende Elstern auch noch versenkt“, entwarf zu Klampen ein humorvolles Bild der schwierigen Situation für kleinere Verlage. Es sei nicht leicht, das richtige Mittel zu finden, denn alles könne man ohnehin nicht bewältigen.

Verleger Wolfgang Hertling und Buchhändler Uwe Sigismund leiteten das Gespräch zu Datenqualität und Informationsaustausch. Mit VLB und buchhandel.de befinde man sich auf zwei Großbaustellen, stellten sie vorab fest. Da gebe es noch viel zu tun – so die einhellige Meinung der Gruppe. Die Sortimenter appellierten an die Verlage, die Verschlagwortung zu beachten, Schlagworte seien äußerst wichtig, um Bücher zu finden. Klar gestellt wurde: Amazon ist nicht besser informiert, die Plattform vermittle allerdings den Anschein, dass sie alles besser und eher wisse als die Sortimenter.

Fazit der Ideenfabrik: Viele hatten das Gefühl, dass dieser Samstag etwas gebracht habe. Die Gespräche sollten auf jeden Fall fortgesetzt werden. „Zum Abendessen waren trotzdem nur etwa die Hälfte aller Teilnehmer noch da, mehr Sortimenter als Verleger. Die Buchhändler sind offenbar die geselligeren Branchenteilnehmer“, meinte ein Pressekollege scherzhaft.

JF

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige