
Günther Fourier wird heute 85 Jahre alt. Jürgen Bernecker, der 13 Jahre (erst als Verkaufsleiter und dann als sein Geschäftsführer) mit ihm zusammen gearbeitet hat, gratuliert ihm hier – und beschreibt damit gleichzeitig ein spannendes Kapitel Buchhandelsgeschichte:
Mit leiser Wehmut schauen die, die wie ich schon lange im Modernen Antiquariat tätig sind oder waren, auf die Zeit zurück, als Günter Fourier bei Löwit, dann mit Günter Fertig zusammen und schließlich mit dem eigenen Fourier Verlag eine der wichtigsten Persönlichkeiten dieser Branche war.
Er war ein willkommener Geschäftspartner bei einer Vielzahl von Verlagen, die mit ihm gern per Handschlag Geschäfte machten, diese aber eher verschämt im Hintergrund abwickelten. Er war aber auch ein wichtiger Anbieter für die Buchhandlungen, die aus einer große Auswahl an reduzierten Büchern zu kaufen wünschten, die kleinen spezialisierten Läden, die mittleren und großen Marktteilnehmer des Sortiments. Ganz wichtig war er auch für die großen und kleinen Versandhändler und nicht zuletzt für die Kaufhäuser, die damals im Modernen Antiquariat ganz stark waren und regelmäßig Aktionen veranstalteten. Für alle diese Abnehmer hatte Günter Fourier in seinem Großantiquariat eine breite Palette an günstigen Titeln, auch und sogar besonders sehr anspruchsvolle Bücher. Ergänzt hatte er dann sein Programm durch zahlreiche Reprints aus den Bereichen der Judaika, alter Esoterik und Titel verschiedener Wissenschaftsgebiete, die er in Zusammenarbeit mit DDR-Verlagen realisierte, was ihm günstige Preise ermöglichte. Die hohe Zeit des Modernen Antiquariats ist damit untrennbar mit dem Namen Günter Fourier und dem Fourier Verlag verbunden.
Als er 2002 seinen Verlag verkaufte, dämmerte bereits ein schwieriger werdendes Umfeld am Horizont. Ich könnte mir vorstellen, daß er froh war, einige der neueren Entwicklungen nicht mehr mitmachen zu müssen: Zunächst die Konzentration auf wenige große Ketten und damit einhergehend der Verlust guter Reste, die unmittelbar an die Handvoll großen Abnehmer direkt gingen. Der Aufstieg von Amazon und des Internethandels, der die Existenz vieler Kunden bedroht. Die vorsichtigere Planung von Verlagen bei Neuerscheinungen, die die Zahl der Reste schrumpfen ließ. Der Trend zum elektronischen Buch, bei dem es nun mal keine Reste gibt. Diese unmittelbaren Erfahrungen sind ihm erspart geblieben.
Nach einem für ihn schweren Jahr durch den Verlust seiner Frau Hannelore, kann und muß er jetzt alleine vorwärts schauen. Sein Sohn Boris hilft ihm tatkräftig dabei.
Er ist aber, wie ich weiß, mit einigen Menschen aus der Verlagsbranche in Kontakt, verfolgt die Entwicklungen der Branche aus der Distanz und hat jetzt hoffentlich wieder soviel Lebensmut entwickelt, daß er noch möglichst viele weitere Jahre vor sich hat. Die dazu nötige Gesundheit wünschen wir ihm heute von ganzen Herzen!
J. B.
Wer auch gratulieren möchte:
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