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Leipziger City wird zum Büchermuseum

Während der Buchmesse demonstrieren Läden der Leipziger City wieder ihr besonderes Verhältnis zu Büchern auch, indem sie sie zeigen: 2015 steht das 30. Jubiläum der Anderen Bibliothek im Mittelpunkt, deren schöne Bücher u.a. im Alten Rathaus, bei Breuninger, und in der Commerzbank gezeigt werden.

Die Vitrinen bei Karstadt
(c) Maksym Lobachov

Für Karstadt haben Studenten der Buchwissenschaft dazu die Ausstellung „Anders um die Welt“ (s. Abb.) gebaut, die nicht nur im Fenster, sondern auch im Dritten und Vierten Stock, in den Vitrinen neben der Rolltreppe zu sehen ist. Dort findet auch Freitag, 13. März 15 Uhr ein Gespräch mit dem Verleger der Reihe Christian Döring und Rainer Schmitz statt, der zum Jubiläum mit “Tausend und ein Tag – Morgenländische Erzählungen“ ein Prunkstück der Reihe erstellt hat.

Schöne Exponate der Anderen Bibliothek
(c) Maksym Lobachov

Die Uni Leipzig hat sich zur Messe mit den insgesamt bereits über dreißig Inselplakaten geschmückt, die seit dem Jubiläum von 2012 zu Ehren der Reihe entstanden ist. Normalerweise sieht man im Bücherschrank nur die Rücken der Reihe, die inzwischen auf 1400 Nummern verweisen kann. Die Plakate zeigen die Bücher hingegen von vorn und entfalten so die thematische Vielfalt der Reihe.

So gibt es Plakate zu den vier Jahreszeiten, zu Krieg und Frieden, zu Künsten und Wissenschaften, zu Büchern aus einzelnen Ländern, über die Liebe und über den Tod: das WGT-Plakat „Schwarze Bücher“. Zu sehen sind die Plakate rund um die Uni in der Goethestrasse und Universitätsstrasse, auch im Innenhof des Campus und sogar an der wiedererstandenen Universitätskirche. Die Plakate „Weltkultur“, „Orientalisch“ und das Israel-Plakat „Shalom“ hängen am Augustus-Platz, wo die Legida-Demonstrationen sind.

Die Ausstellung „Jüdische Bücher aus der DDR“ ist direkt am Schauspielhaus in den Fenstern des „Pilot“ zu sehen. Denn 2015 ist Israel Gastland der Messe, und im Schauspielhaus finden dazu die meisten Veranstaltungen statt. Die Ausstellung zeigt, dass trotz einer lange Jahre israelfeindlichen Zensurpolitik sogar überraschend viele Bücher über den Holocaust erscheinen konnte, die engagierte Belletristik-Lektoren wie Jutta Janke bei Volk und Welt und Hubert Witt bei Reclam herausbringen konnten. Eine Augenweide stellen die zahlreichen Bücher mit Bildern des jiddischen Künstlers Anatoli l. Kaplan aus Leningrad dar, dessen bunt gestaltete Werke nicht nur bei Insel, Reclam und Volk und Welt, sondern auch im Buchverlag der Morgen, bei Eulenspiegel, Kiepenheuer, im Kinderbuchverlag, im Union-Verlag und im Verlag der Kunst vorgestellt wurden, also in der DDR einen regelrechten Boom erlebten.

Ein Fenster erinnert daran, dass 1990 wie so viele Bücher des Leselandes auch zahlreiche Titel jüdischer Autoren auf der Müllhalde landeten, was bei Namen wie Sigmund Freud, Joseph Roth, Anna Seghers, Kurt Tucholsky peinliche Vergleiche provozieren mag.

Schon 2013 verwandelte sich die Innenstadt übrigens in ein einzigartiges Freilichtmuseum zu Ehren der Inselbücherei, die ihr hundertstes Jubiläum feierte.

Nicht weniger als 165 Geschäfte und Institutionen machten damals mit, und was dabei herauskam, sieht man, wenn man die Stecknadelknöpfe knickt. Solche Ausstellungen können eigentlich nur in Leipzig stattfinden: Denn dazu braucht man einerseits einen geschlossenen, historisch attraktiven und zugleich übersichtlichen Stadtkern wie er in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln oder München einfach so nicht zu finden ist, andererseits und vor allem aber auch engagierte Geschäfte und Orte, die gerne mitmachen, wenn es um Bücher und „Leipzig liest“ geht und dafür kostbare Schaufensterfläche opfern.

Siegfried Lokatis

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