
Die Berger Bücherstube im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim schließt [mehr…]. „Ich habe die Entscheidung selbst getroffen, auch wenn mir das nicht leicht gefallen ist“, sagt Inhaberin Monika Steinkopf. Sang- und klanglos soll das seit 1978 bestehende Geschäft jedoch nicht aus dem Blickfeld der Bürger verschwinden.
Steinkopf überlegte sich deshalb ein kleines Programm, dass vom 20. März bis zum 31. März drei „Abschiedsveranstaltungen“ enthält.
So fand am 20. März, dem Weltgeschichtentag, ein besonderer Erzählnachmittag mit Gudrun Rathke statt, die seit vielen Jahren mit der Berger Bücherstube verbunden ist. Die Kunden durften sich Geschichten wünschen, die sie in der Buchhandlung zwischen zwei Buchdeckeln gefunden haben. Bereits in der Woche vor dem Erzählnachmittag konnten sich große und kleine Besucher ihre Wunschtitel aussuchen und mit einem kleinen Stein ihre Favoriten kennzeichnen.
Am 27. März breitete Monika Steinkopf ihre Schätze aus der Stadtschreiberei aus. Noch einmal waren die Fotos der Stadtschreiber von Renate von Mangoldt in den Schaufenstern zu sehen. Außerdem konnten einzelne Poetische Blätter der Stadtschreiber zum Sonderpreis erworben werden.
Viele sind an diesem Abend in die Bücherstube gekommen, alle kennen die Inhaberin persönlich, drücken ihr Bedauern über den Entschluss, die Stube zu schließen, aus. Die Frage, was nun mit dem Laden passiert, schwebt noch unbeantwortet im Raum.
„Vor 36 Jahren wurde die Buchhandlung eröffnet. Die Regale waren ähnlich bestückt wie heute“, sagt Steinkopf. Die Regale sind merklich ausgedünnt, wirken aber nicht leer durch geschickte Verteilung restlicher Bestände. „Ohne die Hilfe von Kolleginnen wie Helma Fischer aus Offenbach, Erika Riedel aus Tübingen und Angelika Kunkel aus Wetzlar hätte ich das alles nicht geschafft“, ist Steinkopf dankbar für die Unterstützung.
Doch nicht nur von ehemaligen Buchhändlerinnen erfährt sie Solidarität, auch Kunden zeigen ihr, dass sie Steinkopf Arbeit schätzen: Viele Blumensträuße schmücken den Raum, eine Kundin hat für diesen Abend selbst gebackenes Gebäck mitgebracht.
Steinkopf steht hinter den Mappen mit den Originalen zu den Poetischen Blättern, mit Briefen und Dokumenten der Stadtschreiber. Erzählt so manche Anekdote, die Stadtschreiber gingen immer ein und aus in ihrem Laden.
Anschließend konnten die Besucher noch zwei alte Filme sehen, darum hatte sich die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim gekümmert: Gezeigt wurde zunächst Der Stadtschreiber, gedreht 1975. Im Mittelpunkt steht der erste Amtsinhaber Wolfgang Koeppen. Dann wurde noch Die Schelme von Bergen, entstanden zum 30-jährigen Stadtschreiberjubiläum 2003, aufgeführt. Robert Gernhardt, Stadtschreiber 1991/92, liest dabei, durch Bergen wandernd, sein Gedicht Die Ballade vom Berger Fratzenstein und seinen fatalen Folgen.
Ihr schönstes Erlebnis mit Kunden fällt Monika Steinkopf nach kurzem Nachdenken ein: „Eine Familie mit drei Kindern, die oft hier in der Buchhandlung waren, zog von Bergen an den Bodensee. Irgendwann vor Weihnachten stand die Mutter wieder hier bei mir im Laden und sagte: ‚Meine Tochter wünscht sich keine Puppenstube, sondern eine Bücherstube, die genauso aussieht wie die hier in Bergen’. Die ist dann gemeinsam tatsächlich entstanden, die Tochter hat wohl sehr lange damit gespielt.“
Am 31. März ist das Bücherstuben-Café nochmals von 9 Uhr bis 13 Uhr und von 15 Uhr bis 18.30 Uhr geöffnet. Der Kuchen an diesem Tag wird von den Frauen des Obst- und Gartenbauvereins geliefert, als Gegenleistung erhalten sie den Bollerwagen, der 36 Jahre lang vor der Tür der Buchhandlung stand und viele Zwecke erfüllte: Er war Reklame und Aushängeschild, Auslage für Sonderangebote und Ablage für den Imbiss bei Veranstaltungen.
Monika Steinkopf schließt am 8. April um 13 Uhr.
Dann will sich die in Bergen wohnende Buchhändlerin eine Auszeit gönnen. Ganz von den Büchern lassen wird 76-Jährige nicht: „Ich habe schon einige Ideen“, sagt sie. Verraten will sie dazu noch nichts: „Erst einmal muss hier alles über die Bühne gehen.“ Schön wäre es, wenn der Laden, für den noch bis Juni ein Mietvertrag besteht, weiter kulturell genutzt werden könnte, wünscht sich Monika Steinkopf.
JF







