Die Resonanz aus den Schulen war so groß, dass die Veranstaltung gleich zwei Mal hintereinander angeboten wurde. Im Deutschen Historischen Museum in Berlin präsentierte der Ravensburger Buchverlag heute zwei Neuerscheinungen zum Thema „70 Jahre Kriegsende“.

Rund 300 Schülerinnen und Schüler aus 6. bis 10. Klassen verfolgten die Lesungen und Diskussionen mit großem Interesse. Sie sei wohl die einzige im Saal, die den Zweiten Weltkrieg noch miterlebt hat, vermutete die 87-jährige Schriftstellerin Gudrun Pausewang. Sie stellte ihren neuen Roman Der einhändig Briefträger vor, in dem sie vom Alltag des jungen Briefträgers Johann erzählt, dem als Soldat ein Granatsplitter die linke Hand abgerissen hat, und der nun Tag für Tag mehr „schwarze Briefe“ mit Todesnachrichten austragen muss. Mit dem Buch habe sie zeigen wollen, wie bitter man den Krieg nicht nur an der Front, sondern auch in der Heimat gespürt hat, so Gudrun Pausewang. Die Zuhörer erfuhren, dass auch ihr Vater in Russland ums Leben gekommen ist und zu Hause ein „schwarzer Brief“ ankam. „Helft mit Kriege zu verhindern!“, appellierte sie an die Jungen und Mädchen.
Die Hamburger Journalistin und Autorin Barbara Warning stellte erstmals ihr komplexes Sachbuch Kindheit in Trümmern vor, in dem sie Zeitzeugen zu Wort kommen lässt, die den Zweiten Weltkrieg als Kinder erlebt haben. Die Erinnerung an die Schrecken des Krieges seien wichtig, denn auch heute könnten längst nicht alle Menschen in Frieden leben, so Barbara Warning. „Ich will euch zeigen, welche Auswirkungen der Krieg auf eure Großeltern hatte, die damals so alt waren wie ihr jetzt seid.“ Die Geschichte von Ursula Heller, die 1933 in Ostpreußen geboren wurde, bei der Vertreibung von ihren Eltern getrennt wurde und sich mit zwölf Jahren alleine mit ihren beiden jüngeren Geschwistern durchschlagen musste, bewegte das Publikum und lieferte ebenso wie Gudrun Pausewangs Roman viel Gesprächsstoff für die anschließende Diskussion mit Zehntklässlern der LiteraturInitiative Berlin.
Sie, die so genannte dritte Generation, seien anderen Nationen viel mehr verbunden als es ihre Großeltern noch waren, das mache die Wahrscheinlichkeit eines Krieges geringer. „Nur durch einen respektvollen Umgang mit anderen Kulturen können Kriege verhindert werden“, waren sich die Jugendlichen einig. Gudrun Pausewang riet denn auch, alle Möglichkeiten des Schüleraustausches zu nutzen und auch im Schulalltag Verantwortung zu übernehmen, um Diskriminierungen zu verhindern.
ml