
Claudia Baumhöver, zur Zeit auf der London Book Fair, wird nach der offiziellen Mitteilung vom Montag, dass sie die Nachfolge von Wolfgang Balk als dtv-Verlegerin antreten wird [mehr…], mit Anfragen jeglicher Art überschüttet. Sie fühlt sich „überwältigt von der positiven Resonanz von vielen Seiten“. Dennoch fand sie die Zeit, mit BuchMarkt zu sprechen.
„Von keinem anderen Angebot hätte ich mich verführen lassen“, sagt Claudia Baumhöver, und man hört förmlich ihr Strahlen durch das Telefon. „Auch in den 20 Jahren Arbeit im Hörbuch habe ich mich immer als Verlegerin verstanden. Als solche kann ich demnächst in einem der schönsten Verlage wirken. Ich freue mich unglaublich auf die Autoren, auf die Zusammenarbeit mit den Menschen im Verlag und mit den Gesellschaftern.“
Die Gründung des DHV – Der Hörverlag fand in einer ganz ähnlichen Verlagskooperation statt, wie seinerzeit Heinz Friedrich den dtv – Deutscher Taschenbuchverlag in die Welt gesetzt hat. Claudia Baumhöver bejaht diese Parallelität und nennt das: „Kräfte, Rechte, Geld und Ideen bündeln“.
Der dtv hat sich als Gemeinschaftsunternehmen mehrerer Verlage bewährt, wenn auch heute mit weniger Gesellschaftern als bei seiner Gründung. Und schon länger ist klar: dtv ist ein Vollverlag, nicht mehr nur der konzernfreie Verlag für die Taschenbuch-Verwertung. Große Anerkennung zollt Claudia Baumhöver ihren Vorgängern Heinz Friedrich für die erfolgreiche Gründung beim Erkennen der Chancen für die damals neue Buchform Taschenbuch und Wolfgang Balk für die Einführung der Dreigliedrigkeit Hardcover/Paperback/Taschenbuch in allen Verlagsbereichen.
„Taschenbuch und Paperback zusammengenommen, gibt es keine Krise – und überhaupt keinen Grund für einen Abgesang auf das Taschenbuch“, analysiert Claudia Baumhöver, um zugleich zu bemerken, dass wir uns mitten in den fundamentalsten Veränderungen seit Gutenberg befinden. Ihre Antennen sind ausgefahren, um den Verlag auf die permanenten Paradigmenwechsel einzustellen, die zu erwarten sind. „Aber der Mensch ist analog, und er bleibt mit all seinen Grundbedürfnissen unser bester Verbündeter. Es geht immer um Liebe, Tod, Macht …“
Hoch zufrieden gibt Claudia Baumhöver zu verstehen, dass sie mit der Bestellung von Robert Wildgruber als Nachfolger in der Leitung des Hörverlags ihr „Kind“ in den besten Händen weiß. Hier ist also mit einer harmonischen Übergabe zu rechnen. Die gegenwärtigen und die zukünftigen Aufgaben auf der Londoner Buchmesse rufen. Und gerade an diesem internationalen Treffpunkt wird Claudia Baumhöver „bewusst, wie fundamental wichtig die Preisbindung für Bücher ist und bleibt – als Voraussetzung für den Zugang zu Inhalten und für die kulturelle Vielfalt“.
Die Fragen stellte Ulrich Störiko-Blume







