
Heute ging im Musiksaal des Ullstein Verlags in Berlin die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen in Berlin zu Ende. Bereits gestern war mit großer Mehrheit der Vorstand für die Amtsperiode 2016 bis 2018 wiedergewählt worden: Als Vorsitzende Renate Reichstein (Verlagsgruppe Oetinger) und als Vorstandsmitglieder Angelika Schaack (Hörcompany), Mathias Berg (Titania) und Ralf Rebscher (Magellan). Weitere Themen der Tagung waren die Weiterentwicklung der Plattform www.kinder-jugendbuch-verlage.de sowie der deutsche Gastlandauftritt auf der nächsten Kinderbuchmesse in Bologna.
Zunächst sprach nach dem Bericht des Vorstands Susanne Lange-Wissinger (SWL Consult) zum Thema „Online Sales: Neue Wege vom Verlag zum Kunden in der Digitalen Umbruchsituation“. Sie konstatierte beim Kunden Trends wie Autonomie und Individualisierung, aus denen sich eine differenzierte Zielgruppenansprache ableite. Der Leser bzw. Käufer werde zum aktiven Gestalter der Wertschöpfungskette. Manch Anwesenden regten die Überlegungen dazu an, die eigene Verlagswebsite zu überprüfen.
Angelika Schaack stellte die Auszeichnung BEO (Bücher entern Ohren) vor, die in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen wird – am 25. November in Hamburg. Derzeit arbeitet man an einer langfristigen Sicherung für die Durchführung, zu der auch die Arbeit einer Kinderjury gehört. Ein Film dazu ist hier zu sehen: http://www.kinderhoerbuchpreis.de/beo-2014/beo-filme/
Börsenvereins-Justiziar Dr. Christian Sprang informierte über das Thema Jugendschutz bei E-Books: Mit Erscheinen des neuen VLB soll es in den Metadaten für E-Books ein Pflichtfeld geben, in dem anzugeben ist, ob ein Buch jugendgefährdend ist. Titel der Warengruppen Kinder- und Jugendbücher werden dieses Pflichtfeld nicht haben.
Dr. Jessica Sänger aus der Rechtsabteilung des Börsenvereins gab Auskunft über den Stand der Verhandlungen um die EU-Holzverordnung, die verhindern soll, dass z.B. in den Tropen illegal Holz geschlagen wird. Es sehe stark danach aus, dass Druckerzeugnisse in diesen Bereich aufgenommen werden. Das würde Verlage dazu verpflichten, bei außerhalb der EU produzierten Büchern über das Papier zu informieren und die Lieferkette darstellen zu können.
Renate Reichstein griff die Debatte um Volontäre und den Mindestlohn auf bzw. die Frage, ob ein Volontariat tatsächlich eine Ausbildung ist. Ihr Vorschlag: Die avj erarbeitet in Absprache mit den Mitgliedern und den Jungen Verlagsmenschen einen Ausbildungsplan. Etwa vier Mal im Jahr könnten Fortbildungen stattfinden, zu denen Verlage Volontäre schicken, die am Ende ein Zertifikat erhalten. Die Initiative wurde von der Mehrheit der Anwesenden befürwortet.

Nicolai Goschin (helllicht medien GmbH) und avj-Geschäftsführerin Margit Müller stellten neue Features der Website www.kinder-jugendbuch-verlage.de vor, die im Januar online gegangen ist [mehr…]. Zielsetzung der neuen Plattform ist die Steigerung der Reichweite und die Zukunftsfähigkeit. Das gedruckte „Kinder- und Jugendbuchverlage A-Z“ soll künftig entfallen.
Wenn man einen Verlagsnamen bei Google eingibt, erscheine nun bei 80 Prozent der Mitgliedsverlage die Website www.kinder-jugendbuch-verlage.de an Platz 3 – nach der Verlagswebsite und der Facebookseite, konnte Nicolai Goschin vermelden. Im Schnitt verzeichnet die Seite derzeit 250 Besucher pro Woche, geschätzt sollen dann im ersten Jahr 12.000 echte Besucher auf der Website gewesen sein. Bislang wurde eine durchschnittliche Verweildauer von 4:11 Minuten gemessen.
Ausgebaut werden soll die Möglichkeit, Veranstaltungen darzustellen, außerdem sollen Mitglieder mehr Cover einstellen können sowie Verlagsvorschauen zum Download. Auch eine Stellenbörse soll eingerichtet werden. Über das Bezahlmodell für die Mitglieder wird der Vorstand sich erneut beraten.
Bärbel Becker und Imke Buhre von der Frankfurter Buchmesse gaben einen Ausblick auf den Gastlandauftritt Deutschlands auf der Internationalen Kinderbuchmesse in Bologna. Neu ist seit dem vergangenen Jahr, dass die Messe sich am Wochenende vor den Fachbesuchertagen dem Publikum öffnet. Den Auftritt auf der Messe organisiert die Frankfurter Buchmesse, finanziert durch das Auswärtige Amt. Für den Auftritt in der Stadt ist das Goethe-Institut zuständig.
Auch eine Illustratoren-Ausstellung gehört zum Gasstlandauftritt. Ein Schwerpunkt soll dabei auf Künstlern liegen, die international noch zu entdecken sind. In Italien ist Übersetzungsförderung für das Kinderbuch Schwerpunkt des Programms des Goethe-Instituts Italien und anderswo – ab sofort, konnte Bärbel Becker berichten. Verlage können im Vorfeld und während der Messe z.B. mit dem Logo sichtbar zu machen, dass sie zum Gastlandauftritt gehören.
Die Tagung endete mit einer Abstimmung über den Ort der kommenden avj-Mitgliederversammlung. Dabei setzte sich Berlin gegenüber Frankfurt am Main durch. Die nächste avj-Mitgliederversammlung wird also am 15. und 16. Juni 2016 wieder in Berlin stattfinden.