
Am 22. Juni ist plötzlich und unerwartet Dorit Engelhardt im Alter von 39 Jahren gestorben. Seit Herbst 2011 war sie Lektorin im Hanser Kinder- und Jugendbuch. Zuvor hatte sie (nach einem Studium der Französischen Philologie, Philosophie und Neueren Geschichte) acht Jahre im Lektorat des Berlin Verlags, überwiegend für Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher, gearbeitet.
Ulrich Störiko-Blume erinnert hier an eine „ziemlich beste Lektorin“:
Es ist eine Kunst, leise zu sprechen, und dabei sehr deutlich zu sein. Dorit Engelhardt hat diese Kunst beherrscht, sie hat sie gelebt. Sie war keine stille, sie war eine leise Frau. Außer beim Lachen, da konnte sie es durchaus krachen lassen. Und beim Debattieren: je leiser ihre Stimme, desto wacher ihr Verstand und desto schärfer ihre Argumentation.
Sie war eine sanfte, aber auch eine energische Frau. Eine Lektorin wie Dorit ist hochdosierte, gebündelte, lebendige Energie. Der liebevolle Laserstrahl ihres Lektorats hat die Bücher im Detail geformt. Der Weitblick ihres Lese-Radars ließ sie die richtigen Bücher finden.
Die Wirkungsweise einer solchen Lektorin kann man eigentlich nur quantenphysikalisch erklären: Sie denkt mit dem Kopf des Verlages und erspürt die Intention des Autors – sie kennt des Autors Denkweise und verfolgt intuitiv die Interessen des Verlags. Sie ist bisweilen Autor und Verlag zugleich, eine Energieumwandlungszentrale. Dazu passt, dass sie auch eine leidenschaftliche und ausgezeichnete Übersetzerin war, vor allem aus dem geliebten Französischen (Pozzo di Borgo: Ziemlich beste Freunde).
Sie hat sich energisch für jung-erwachsene Stimmen wie John Corey Whaley (Hier könnte das Ende der Welt sein, Das zweite Leben des Travis Coates) eingesetzt, sie hat lesergruppenübergreifende große Erfolge wie Raquel J. Palacios Wunder betreut, sie hat bei Kinderbüchern wie Krümel und Pfefferminz für pfiffige deutsche Fassungen gesorgt und bei gestandenen Autorinnen wie Elisabeth Zöller mit ihrer Mischung aus Zuversicht, Heiterkeit und Scharfblick freundschaftlichen Respekt erworben.
Und nun fehlt sie auf einmal, unfassbar. Sie fehlt ihrer Familie, ihrem Freund, ihren Freunden, ihren Autoren, Übersetzern und Illustratoren, dem Hanser Verlag, den ausländischen Verlagen, den Agenten. Sie fehlt.
Adieu, ziemlich beste Lektorin.







