Der mit insgesamt 35.000 Euro dotierte Internationale Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt [mehr…] geht in diesem Jahr an Amos Oz und seine Übersetzerin Mirjam Pressler. Das Preisträger-Duo wird für den Roman Judas ausgezeichnet, der 2015 im Suhrkamp Verlag erschienen ist.
Die Jury begründet ihre Wahl wie folgt: „Amos Oz gelingt es meisterhaft, in seinem Roman die großen Fragen und Konflikte der Religions- und Zeitgeschichte im Nahen Osten zu erzählen. Er verschränkt Antike und Gegenwart und stellt den Konflikt zwischen Judentum und Christentum der modernen jüdisch-palästinensischen Realität gegenüber. Der Autor reflektiert mittels seiner drei Roman-Figuren – des weltfremden, unentschlossenen Schmuel Asch, des greisen Zynikers Gershom Wald und dessen verwitweter Schwiegertochter Atalja Abrabanel – souverän sein politisch-historisches Wissen und schafft dadurch ein unkonventionelles Stück Weltliteratur. Der Roman Judas stellt die Frage nach dem Verhältnis von Judentum und Christentum anhand der biblischen Judas-Figur neu. Er verknüpft die Problematik des Verrats mit den realpolitischen Geschehnissen in der Gründungsphase des Staates Israel und im andauernden Nahostkonflikt. Das Geheimnis des Buches ist die Darstellung der Stimmungen zwischen den Konfliktparteien, gespiegelt in den Gesprächen zwischen den drei Protagonisten. Mirjam Pressler gelingt mit der deutschen Übersetzung eine feine Nuancierung des Atmosphärischen, das dieses kluge und mehrschichtig konstruierte Werk durchwirkt und trägt.“
Der Jury 2015 gehören an: die Übersetzerin und Islamwissenschaftlerin Leila Chammaa, der Autor und ehemalige Verleger Michael Krüger, der Schriftsteller und Publizist Marko Martin, die Sinologin und Redakteurin Sabine Peschel, der Literaturkritiker und Kulturjournalist Jörg Plath, die Literaturkritikerin und Journalistin Iris Radisch sowie die Schriftstellerin und Essayistin Sabine Scholl.
Die Preisverleihung findet am 8. Juli im Rahmen der Langen Nacht der Shortlist im Haus der Kulturen der Welt statt. Alle Nominierten werden in gemeinsamen Diskussionen und Lesungen das Erzählspektrum der sechs diesjährigen Shortlist-Titel vorstellen und sich aktuellen Fragen rund um transnationales Erzählen und Übersetzen widmen.
Der Internationale Literaturpreis ist mit 25.000 Euro für den Autor und 10.000 Euro für den Übersetzer dotiert und wird seit 2009 vom Haus der Kulturen der Welt und der Stiftung Elementarteilchen (Hamburg) verliehen.







