
Die KrimiZEIT-Bestenliste Juli 2015 aus der Wochenzeitung DIE ZEIT. Hier können Sie die Liste downloaden (download(07-KrimiZEIT_Bestenliste_Juli_2015.pdf)) und als Plakat ausdrucken:
An der Spitze der KrimiZEIT-Bestenliste Juli 2015 finden Sie weiter auf
Platz 1: Havarie von Merle Kröger
In ihrem vierten Kriminalroman Havarie lässt die Dokumentarfilmerin und Autorin Merle Kröger (Deutscher Krimipreis und KrimiZEIT-Jahresbestenliste 2013 für Grenzfall) vier Schiffe beinahe miteinander kollidieren: einen Frachter, ein Seenotrettungsboot, ein Kreuzfahrtschiff und ein Schlauchboot voller algerischer Flüchtlinge. Handlungsstränge und Lebenslinien von Flüchtlingen, Seeleuten, Kreuzfahrtgästen kreuzen sich an diesem Punkt im Meer vor der Küste Spaniens.
Eine Sammlung mit Rezensionen finden Sie auf Krögers Homepage: http://merlekroeger.de/de/5/reviews/havarie
„Havarie ist der Roman der Stunde.“ (Thekla Dannenberg, Freitag)
„Eine Hoffnung zieht sich durch Havarie. Dass man sich immer entscheiden kann, dass moralisches Handeln möglich ist – auch in einer manch einem angesichts der Nachrichtenlage dystopisch erscheinenden Gegenwart.“ (Elmar Krekeler, Die WELT)
Neu auf der KrimiZEIT-Bestenliste Juli finden Sie diesmal noch weitere fünf Titel, zwei amerikanische, einen südafrikanischen, einen italienischen und einen französischen:
Platz 3: Das Kartell von Don Winslow (original 2015:The Cartel)
Auf Die Tage der Toten musste etwas folgen. Der in dem Bestseller und großen Historien-Epos über einen Zeitraum von dreißig Jahren beschriebene Krieg der USA gegen die Drogen war 2004, als Don Winslow die Story mit der Festnahme des Drogenbosses Adán Barrera enden ließ, nicht vorbei. In dem Sequel Das Kartell ist Barrera wieder frei, sein Intimfeind, der Drogenfahnder Art Keller wird reaktiviert und in den noch sehr viel brutaleren Kampf der mexikanischen Kartelle untereinander verwickelt. Es geht um die Macht in Mexiko und die Beherrschung des Weltmarktes Drogen.
Von den Mitgliedern der Jury wurde Das Kartell kontrovers aufgenommen:
„Winslow tanzt nicht über den Daten, den Geschichten. Er schleppt sich drüber. Vom Flirren der Perspektivwechsel ist nichts mehr übrig. Die Klischeedichte ist enorm. Die Erzählmechanik knirscht, die Figuren bleiben fad und sagen Dinge, die sie nicht ernst meinen können. Von den Opfern, den unschuldigen, keine Spur.“ (Elmar Krekeler, Die WELT)
„Nach einigen umstrittenen (Vergeltung) und läppischen (Missing New York) Romanen markiert Das Kartell eine triumphale Rückkehr – eine düstere, aber hellsichtige Dokumentation des Grauens.“ (Marcus Müntefering, Spiegel online)
Platz 6: Kreidemädchen von Carol O‘Connell (original 2012: Chalk Girl)
Im literarischen Werk der 1947 geborenen Autorin Carol O’Connell scheinen immer wieder ihre Ursprünge als Malerin surrealistischer Bilder durch. Ihre soziopathische Superpolizistin und Serienheldin Kathy Mallory ist als Figur eine geniale und erratische Vorläuferin skandinavischer Heroinen.
„Wie Carol O’Connell ihren Stoff ausbreitet, das ist von einer Könnerschaft und Eleganz, die ihresgleichen sucht: Aus einem bizarren, fast surrealen Einstieg entwickelt sie die Geschichte eines ungemein tragischen Verbrechens, voller Trauer, Scham und Schuld.“ (Thekla Dannenberg, Perlentaucher)
„Carol O’Connell, (…) heute eine der besten lebenden Kriminalschriftstellerinnen des anglophonen Raums, gehört zur raren Spezies jener Autorinnen wie Fred Vargas und Sara Gran, die auf dem stabilen Gerüst schlichter Detektiv/Copnovel-Plots wahre Feuerwerke der Imagination zu zünden verstehen, in denen das brillant Märchenhafte und Poetische, das der Kriminalliteratur seit Poes Tagen eignet, wieder aufglüht, als gäbe es nur dieses Heute.“ (Tobias Gohlis, DIE ZEIT)
Platz 7: Leichtes Opfer von Roger Smith (original 2013: Sacrifices)
Die literarische Skepsis des Roger Smith (*1960) gegen eine gemeinsame prosperierende Zukunft aller Menschen in Südafrika findet Gestalt in einem sanften gutmeinenden gebildeten Weißen und einer ebenso gutmeinenden gebildeten oder bildungsfreudigen Schwarzen. Mike Lane vertuscht den Mord, den sein verwöhnter Sohn begangen hat, indem er die Tat Louise Solomons drogenabhängigen Bruder Lyndall anhängt. Nach dem Tod ihres Bruders revidiert die Neunzehnjährige ihre harmonische Sicht der Klassenverhältnisse und entzieht sich dem wohlwollenden Paternalismus des weißen Mannes.
Platz 8: 54 von Wu Ming (original 2002: 54)
Wu Ming ist chinesisch und steht für „Ohne Namen“. Diesen Nom de Plume gab sich ein Autorenkollektiv aus Bologna, das mit dem historischen Anti-Roman zu den blutigen Folgen der Reformation Q berühmt geworden war und anschließend kollektiv Selbstmord begangen hatte. Jetzt liefert Wu Ming, fünfköpfig geworden, mit 54 eine schalkhafte Antigeschichte zum Jahr 1954. Stalin ist tot, Tito macht sich als Chef der Blockfreien mausig, die Geheimdienste wollen das verhindern. MI6 gewinnt Cary Grant, der ein wenig durchhängt, als Agenten. Er soll den jungen Tito als Partisanenführer in einem Film verkörpern. Doch bevor es zum ersten Shot kommt, tauchen russische Agenten an Jugoslawiens Küsten auf, Lucky Luciano spielt sein eigenes Spiel und ein Junge aus Bologna wird zum Helden. Quod erat demonstrandum: Geschichte kann man gemacht werden.
„Das italienische Autorenkollektiv Wu Ming (…) bürstet die Geschichte gegen den Strich und spürt ihr utopisches Potenzial jenseits der offiziellen Lügen und Anmaßungen auf, in der Sprache der Vielen, den ‚Gedanken aller Menschen aller Zeiten und Länder‘, wie der Dichter Walt Whitman in seinem ‚Song of myself‘ schrieb. (…) Das ist so gut gelungen, weil die Autoren keiner surrealistischen Zuspitzung aus dem Weg gehen und auch noch die kleinste Stimme, die Sprache der nebensächlichsten Person ernst nehmen, (…) und weil Wu Ming darauf vertraut, dass das Gespräch selbst in der Niederlage nicht verstummen wird.“ (Lore Kleinert)
Platz 10: Die sieben Leben des Arthur Bowman von Antonin Varenne (original 2014: Trois mille chevaux vapeur)
Der fünfte Roman des 1973 geborenen französischen Autors Antonin Varenne spielt die Idee durch, dass ein englischer Soldat in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf drei Kontinenten – in Birma, England und dem Wilden Westen – leben konnte. Ein solcher Soldat und Kämpfer ist Arthur Bowman, der nur dann die Albträume aus der Gefangenschaft in Birma loswerden kann, wenn er einen Mörder findet, der seine Opfer mit den gleichen Narben zeichnet, wie sie Bowman trägt.
„Varennes Lebensdarstellung eines Mannes, der an seiner Stärke zu zerbrechen droht, ist fantastisch recherchiert und in einer großartigen nüchternen Sprache geschrieben. (…) Ein großartiger Sommerschmöker.“ (Tobias Gohlis)
Zum Download: download(07-KrimiZEIT_Bestenliste_Juli_2015.pdf)







