Home > Auszeichnungen > James Krüss Preis an Frank Cottrell Boyce verliehen

James Krüss Preis an Frank Cottrell Boyce verliehen

»Der Schriftsteller versteckt sein Herz in seinem Buch« – mit diesen Worten begann der britische Autor Frank Cottrell Boycegestern abend in der Internationalen Jugendbibliothek Schloss Blutenburg in München seine kurze Dankesrede auf Deutsch und beendete den deutschen Teil so: »Das Herz spricht nur eine Sprache. Vom Herz vielen Danke.« Er hat nämlich beschlossen, Deutsch zu lernen, als er feststellte, dass keine Bücher von James Krüss auf Englisch aufzutreiben waren.

Christiane Raabe (IJB), Dominik v. König (Stiftung IJB), Kirsten Rickmers-Liebau (Krüss Erbengemeinschaft), Frank Cottrell Boyce, Salah Naoura

Das war für einen Anfänger schon ziemlich gut, und dennoch hat nicht nur er es begrüßt, dass sein Übersetzer Salah Naoura ebenfalls ausgezeichnet wurde. Die beiden bewährten sich dann auch als Vorleser im Doppelpack abwechselnd englisch/deutsch. Denn der jetzt zum zweiten Mal verliehene Preis in Höhe von insgesamt 8.000 € versteht sich als Preis für internationale Kinder- und Jugendliteratur und wird alle zwei Jahre im Gedenken an den Sprachkünstler und Weltbürger James Krüss (1926 – 1997) für das Werk eines lebenden Autors vergeben und im Falle eines fremdsprachigen Autors mit dem Übersetzer geteilt.

Seine wichtigsten Bücher sind Millionen (2004), Meisterwerk (2006) und Der unvergessene Mantel (2012) – letzteres ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2013, alle bei Carlsen erschienen. Der 1959 in der Nähe von Liverpool geborene Boyce ist Vater von sieben Kindern. Er hat als Drehbuchautor begonnen, sich aber seit langem auf Kinderbücher umgestellt, sein siebtes erscheint gerade im Original. Er kombiniert eine ernsthafte Sicht auf die Welt mit einer Leidenschaft für Nonsense und Sprachspiele, und so gelingen ihm immer wieder Sätze wie „Wenn du einen Helden brauchst, musst du selbst einer werden“.

In der Jury unter dem Vorsitz von Roswitha Budeus-Budde (Süddeutsche Zeitung) wirkten Emer O´Sullivan (Universität Lüneburg), Robert Elstner (Stadtbibliothek Leipzig), Michael Schmitt (ZDF/3sat) und Christiane Raabe (IJB). Nach der Begrüßung durch Dr. Dominik von König (Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung IJB) und Bibliotheksdirektorin Dr. Christiane Raabe. Rachel Launay, Direktorin des British Council Germany, richtete einige Worte an das Publikum im rappelvollen Jella-Lepman-Saal der IJB. Sie erklärte, dass ihre Institution nicht nur die britische Kultur in die Welt trage, sondern auch bereit sei, den umgekehrten Weg zu fördern. So kam es in den anschließenden Gesprächen zu der Anregung, mit einer Förderung der Übersetzung von James Krüss ins Englische einen ersten Schritt zu machen.

Zu verdanken ist der neue Preis der James Krüss Erbengemeinschaft, namentlich Kirsten Rickmers-Liebau, die sich energisch und ideenreich um die aktive Pflege des umfangreichen und vielfältigen Werks ihres Onkels kümmert. Rund um dessen 90. Geburtstag im Mai 2016 wird es eine Menge Aktivitäten und auch neue Bücher geben, bei Boje, Carlsen und Oetinger.

Man traf zufriedene Gesichter aus dem Carlsen Verlag, der sowohl Boyce als auch viel von Krüss verlegt: Verlegerin Renate Herre, Pressechefin Katrin Hogrebe, Cheflektorin Anne Bender. Gesichtet wurden auch die Literarischen Agenten Silke Weniger, Eckhard Prahl, Gerd Rumler und Kritiker Nicola Bardola.

Zu seinen Vorbildern zählt Boyce neben Autoren der klassischen Moderne wie Erich Kästner und Tove Jansson auch die Gebrüder Grimm und G. K. Chesterton, den er zum Abschluss sinngemäß zitiert: „Märchen erzählen nicht, dass Drachen existieren. Märchen erzählen den Kindern, dass Drachen besiegt werden können.“
us

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige