
DAMALS – Das Magazin für Geschichte berichtet jeden Monat über spannende Geschichtsthemen. In jeder Ausgabe gibt es zahlreiche Rezensionen von Büchern, Hörbüchern und Filmen. Seit Jahren zeichnet die Redaktion gemeinsam mit einer prominent besetzten Jury zudem die besten historischen Sachbücher des Jahres aus.
Hier fünf der Rezensionen aus dem neuen Heft:
Als Kriminalschriftsteller und Erfinder des Gespanns Sherlock Holmes und Dr. Watson ist Arthur Conan Doyle weltberühmt. Weniger bekannt ist, dass er als Schiffsarzt auf dem Walfangschiff „Hope“ eine Arktis-Reise unternahm und darüber Tagebuch geführt hat. Mit Humor beschreibt Doyle den Alltag an Bord, die nicht selten vergebliche Suche nach Walen und die Konkurrenz der Walfänger untereinander. Eine anregende Lektüre, findet Jörg Stadelbauer.
Arthur Conan Doyle, Heute dreimal ins Polarmeer gefallen. Tagebuch einer arktischen Reise Hrsg. von Jon Lellenberg und Daniel Strashower. (mare)
Künstler, Charismatiker, Genie? In seinem Buch über Hitler untersucht Wolfram Pyta, inwieweit Hitlers Selbstverständnis als Künstler seine Politik beeinflusste. Pyta zeigt, dass Hitler, geschult an Wagners „Gesamtkunstwerken“, seine Auftritte messianisch inszenierte, einen Genie-Kult um seine Person aufbaute und sich in der Nachfolge Friedrichs des Großen als „Genie der Tat“ gerierte. Hitlers Herrschaft kann Pyta allerdings damit nicht vollständig erklären, so Claudia Steur.
Wolfram Pyta, Hitler. Der Künstler als Politiker und Feldherr. Eine Herrschaftsanalyse (Siedler)
Wie kleidete sich die Damenwelt im frühen Griechenland? Ein schöner Bildband gibt Auskunft. Geometrische Muster variantenreiche Schmuckbordüren, verzierte Gewandfibeln, leuchtende Farben und raffinierter Faltenwurf zeigen, dass Frauen auch schon damals hohe Kreativität entfalteten. So elegant fiel das „Delphos-Kleid“ aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., dass man es um 1910 nachahmte! Von Heike Talkenberger
Klaus Junker/Sina Tauchert, Helenas Töchter. Frauen und Mode im frühen Griechenland (Zabern)
Statt Nationalgeschichten zu addieren, stehen Kommunikations- und Interaktionsräume im Mittelpunkt der fünfbändigen Reihe „Geschichte der Welt“. Der dritte Band umfasst die Zeit zwischen 1350 und 1750 und bringt viel Anregendes über die Austauschprozesse in Süd- und Südostasien oder Ozeanien. Europa wird in seinem Bezug zur atlantischen Welt dargestellt. Wie und warum konnte es dort bis 1750 seine Führungsrolle durchsetzen? Von Heike Talkenberger
Wolfgang Reinhard (Hrsg.), Weltreiche und Weltmeere 1350-1750 (Geschichte der Welt, Band 3)} (C.H. Beck)
Klaus Barbie, wegen seiner maßlosen Grausamkeit als Gestapo-Chef von Lyon als „Schlächter von Lyon“ berüchtigt, gelang nach dem Krieg nicht nur die Flucht nach Südamerika, er wurde dort auch noch vom amerikanischen und britischen Geheimdienst angeheuert. Damit nicht genug, war Barbie unter dem Decknamen „Adler“ zeitweise für den Bundesnachrichtendienst tätig, worauf Peter Hammerschmidt in seiner Studie besonders hinweist. Ein verdienstvolles Buch, findet Heike Talkenberger
Peter Hammerschmidt, Deckname Adler. Klaus Barbie und die westlichen Geheimdienste (S. Fischer).