
Mit einer Rede des spanischen Autors Javier Marías (Foto) wurde gestern Abend das 15. internationale literaturfestival berlin (ilb) eröffnet. Bis zum 19. September werden das Haus der Berliner Festspiele und weitere Veranstaltungsorte wieder zum Treffpunkt von Literaten aus aller Welt. Insgesamt werden über 200 Autoren aus 51 Ländern erwartet.
Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele, hob in seiner Begrüßung die Herzlichkeit und Verbindlichkeit des Festivals und die Vielseitig der vorgestellten Literatur hervor. Und Festivalleiter Ulrich Schreiber, der jedes Jahr für das ilb 350.000 Euro aus dem Hauptstadtkulturfonds bekommt, wünschte sich endlich ein „Budget, das einem der „weltweit bedeutendsten Festivals“ angemessen ist.
Unter der Überschrift „Beginnen wir mit dem Anfang“ sprach Javier Marías über die Wahrheit von Realität und Fiktion. „Wenn man etwas erzählt oder in die Fiktion überführt, was tatsächlich stattgefunden hat, klingt es nur dann annehmbar und wahrscheinlich, wenn es den Filter der Vorstellung durchlaufen hat, wenn man imstande ist, es zu erzählen, als hätte es sich in Wirklichkeit gar nicht zugetragen.“ Heute Abend ist Javier Marías noch einma zu erleben. Dann findet die Premiere des Romans So fängt das Schlimme an statt (S. Fischer).
Später am Abend zog es gestern zahlreiche Besucher noch einmal in den großen Saal, als der diesjährige Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels Navid Kermani sein neues Buch Ungläubiges Staunen (C.H. Beck) vorstellte.
Bereits am Vormittag hatte der britische Autor Frank Cottrell Boyce, James Krüss –Preisträger 2015, das Festival in der Sparte Internationale Kinder- und Jugendliteratur eröffnet und seine Fluchtgeschichte Der unvergessene Mantel (The unforgotten Coat) als internationale Premiere vorgestellt. Die deutsche Ausgabe ist in der Übersetzung von Salah Naoura im Carlsen Verlag erschienen.
In diesem Jahr steht das Schicksal der Flüchtlinge und Asylsuchenden in Europa im Fokus des ilb, das sich schon von Anfang an auch als politisches Festival versteht. Den ganzen Tag über gab es an verschiedenen Orten der Stadt unter dem Motto „Berlin liest“ Leseperformances. Im Foyer des Hauses der Berliner Festspiele lasen Mitarbeiter des ilb das ganze Buch Neue Heimat von Marina Naprushkina (Europa Verlag Berlin). Die weißrussische Künstlerin und Aktivistin, die seit über 10 Jahren in Berlin lebt, erzählt darin Episoden aus ihrer Arbeit als Flüchtlingshelferin.
Flüchtlinge und Asylsuchende haben zu allen Veranstaltungen des ilb freien Eintritt.
Begleitend erscheint wieder ein Katalog mit ausführlichen Biografien der eingeladenen Autoren. Das diesjährige Motto lautet „Refugees“. Internationale Autoren antworten auf die Frage: Mit welchen Worten und Bildern kann das Schicksal der Flüchtlinge und Asylsuchenden noch eindringlicher ins Licht gerückt werden? Der Katalog, hg. von Claudia Jürgens und Ulrich Schreiber erscheint im Verlag Vorwerk 8.
Im selben Verlag ist die „Berliner Anthologie“ Woher ich nicht zurückkehren werde erschienen. 22 Autorinnen und Autoren aus 15 Ländern setzen sich literarisch mit dem Schicksal von Flüchtlingen und Asylsuchenden auseinander.
Für den Büchertisch im Haus der Berliner Festspiele sorgt in diesem Jahr die Buchhandlung Uslar & Rai.
ml