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Bücher sagen Willkommen: erste Lern- und Leseecke in Frankfurt

Alexander Skipis, Karin Plötz und
Daniela Bleue an der ersten Lern- und Leseecke

Heute Nachmittag konnte im Lernzentrum des Vereins Arbeits- und Erziehungshilfe im Frankfurter Stadtteil Gallus die erste Lern- und Leseecke übergeben werden.

2000 Euro waren bei der ersten Aktion von den Mitarbeitern des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und seiner Betriebe gespendet worden. Seit dem Wochenende läuft die Aktion, die von LitCam (Frankfurt Book Fair Literacy Campaign) umgesetzt wird, deutschlandweit in den Buchhandlungen.

„Wir unterstützen diese Aktion ausdrücklich“, bedankte sich Rüdiger Niemann, Koordinator der Frankfurter Erstaufnahmeeinrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Daniela Bleuel, Leiterin des Lernzentrums, das es seit Juni 2014 gibt, berichtete über die Arbeit der Einrichtung, in der zwischen 30 und 60 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren betreut werden. „In erster Linie steht Deutsch auf dem Stundenplan, Mathematik, Kunst, Landeskunde und Ausflüge, um die Stadt kennen zu lernen, folgen.“

Die großen Unterschiede im Bildungsstand der Jugendlichen und die hohe Fluktuation der minderjährigen Flüchtlinge seien große Herausforderungen. Die Quote der Analphabeten liege bei den minderjährigen Flüchtlingen unter zehn Prozent, alle seien motiviert, um schnell zu lernen. Die bereits bestehende Bibliothek werde gern genutzt, die Bücher in den Unterricht mit einbezogen. „Wir freuen uns sehr über die Erweiterung um 60 Bücher“, äußerte Bleuel.

„Deutsch ist wichtig, damit sich die Jugendlichen verständigen. Die Sprache ist die Basis für den Schulbesuch und eine mögliche spätere Ausbildung“, unterstrich auch Karin Plötz, Direktorin LitCam. „Wir möchten dort Bücher hinbringen, wo es schon Strukturen gibt, und wollen dabei gutes Material anbieten.“ Eine von Experten zusammengestellte Liste von Büchern leiste da erste gute Dienste. Es gehe allerdings nicht nur um Lernmaterial, sondern auch um Lesestoff. Gefragt seien dabei zweisprachige Ausgaben, die es den jungen Menschen aus Somalia, Afghanistan, Syrien und Eritrea erleichtern, den Inhalt zu erfassen. Begehrt seien auch Lexika. „Die Frankfurter Buchmesse ist uns ein guter Partner, denn sie hat Kontakte zu den Verlegern aus aller Welt“, betonte Plötz. Das Frankfurter Pilotprojekt ermögliche es, Erfahrungen zu sammeln, die Empfehlungslisten zu prüfen, auf die Bedürfnisse der Flüchtlinge einzugehen.

„Die Buchbranche nimmt die Verantwortung für Flüchtlinge wahr. Was sie tun kann? Natürlich Bücher zur Verfügung stellen, denn eine freie Gesellschaft kann nur mit Büchern funktionieren“, stellte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, fest. Dabei gehe es allerdings nicht darum, die Lager leer zu räumen, sondern ausgewählte Bücher für Flüchtlinge zu finanzieren.

Skipis appellierte an die politischen Entscheider, endlich die Frage zu beantworten, ob die extrem erfolgreiche deutsche Gesellschaft bereit sei zu teilen. Bisher drückten sich sowohl deutsche als auch europäische Politiker um diese Frage herum.

Die zweite Lern- und Leseecke soll am 27. September in einem Erstaufnahmelager für Flüchtlinge – Kinder, Jugendliche und Erwachsene – in Hamm eingerichtet werden, weitere Standorte sind deutschlandweit geplant.

JF

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