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„Literatur bedeutet Grenzüberschreitung“ – über 80 Autoren reisen zum Literaturfest München

Albert Ostermaier

Die Veranstalter und Kuratoren des sechsten Literaturfests München haben heute das Programm 2015 auf einer Pressekonferenz im Münchner Literaturhaus vorgestellt. Vom 18. November bis zum 6. Dezember werden über 80 Autorinnen und Autoren aus aller Welt zu Gast in München sein. Kurator des Autorenforums ist der Schriftsteller Albert Ostermaier (Foto). Das vollständige Programm findet sich ab sofort unter www.literaturfest-muenchen.de.

Flucht und Überleben, aber auch Neuanfang in Krisenzeiten sind zentrale Themen des diesjährigen 6. Münchner Literaturfests. „Wichtige Stimmen aus aller Welt kommen zu Wort und fordern uns auf zur Auseinandersetzung. Wir wollen nicht nur über Flüchtlinge, sondern auch mit ihnen reden“, sagte Dr. Hans-Georg Küppers. Als Albert Ostermaier zum Kurator des Autorenforums ernannt wurde, hat er mit seiner spontanen Reaktion „Da muss ich erst mal groß denken“ dem Münchner Kulturreferent einen Schrecken eingejagt – der sich in Wohlgefallen verwandelt hat, weil das zu einer erheblichen finanziellen Unterstützung durch die Kulturstiftung des Bundes geführt hat.

Unter dem Titel front:text versammelt Ostermaier Autoren, Musiker, Fotografen, Politiker und Wissenschaftler sowie Flüchtlinge und in München lebende Exilanten zu Lesungen, Diskussionen, Spoken Word Acts und einem internationalen Fußball-Freundschaftsspiel. Ostermaier sagte spontan dazu: „Wer sich in kurzen Hosen begegnet, kann nicht den großen Max spielen.“ Alaa al-Aswani, Bas Böttcher, Jenny Erpenbeck, Navid Kermani, Martin Mosebach, Salman Rushdie, Shumona Sinha, Zeruya Shalev, Najem Wali und Dima Wannous werden unter den Gästen sein.

Bereits im Vorfeld des Festivals reisen deutsche Autorinnen und Autoren in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut in Krisengebiete, um darüber zu schreiben. „Mein Ziel ist es, dass die verschiedenen Begegnungen andere Perspektiven jenseits unserer medialen Wahrnehmung und Klischeeverhärtungen eröffnen. Ich möchte eine engagierte Literatur an den Schnittstellen der Gegenwart zeigen“, sagt Albert Ostermaier über sein Programm, in dem eben auch gespielt, gefeiert und getanzt wird: „Nicht nur Blicke, sondern Blickwechsel. Und das Stärkste ist das Lachen.“

Die zweite Säule neben dem Literaturfest ist die 56. Münchner Bücherschau. Kurator Dr. Thomas Kraft hat vier kanadische Autoren eingeladen – Kenneth Bonert, Mariko Tamaki, Madeleine Thien (die soeben mit dem Liberaturpreis ausgezeichnet wurde [mehr…]) und Kim Thúy –, deren Lebenswege und Geschichten von einschneidenden Migrationserfahrungen geprägt sind. Außerdem kommt der senegalesische Autor Abasse Ndione, dessen Buch Die Piroge die Reise in einem Flüchtlingsschiff beschreibt. Weiterer Höhepunkt ist der Auftritt von Zeruya Shalev, die ihr neues Buch Schmerz präsentieren wird.

Michael Then, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V., kommentierte das Angebot für Kinder und Jugendliche mit den Worten: „Lesen ist gefährlich – die Kinder stellen ständig Fragen und sind bald schlauer als Papa.“ Das von Edith Offermann zusammengestellte Programm wird mit prominenten Namen wie Franz Hohler, Paul Maar, Daniel Napp und Ursula Poznanski wieder Tausende junger Leser anziehen.

Als dritte Säule veranstaltet das Literaturhaus München ein hochkarätig besetztes Festprogramm mit Umberto Eco, Anne Enright, Drago Jančar, Tanja Kinkel, Adolf Muschg, Rüdiger Safranski und Feridun Zaimoglu. „Alle Bücher, die wir vorstellen, beschäftigen sich – so verschieden sie sind – mit dem Überleben: in politisch schwierigen Zeiten, in der Familie, in einer beschleunigten Wirtschaftswelt“, betonte Literaturhausleiter Dr. Reinhard G. Wittmann. München leuchtet – anders.

Ulrich Störiko-Blume

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