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Heinold fragte im September nach: Old Possums Katzenbuch

Autor des Buches ist der Nobelpreisträger, Lyriker, Dramatiker und Kritiker T. S. (= Thomas Stearns ) Eliot (1888 St. Louis – 1965 London). Er war einer der Leiter des bedeutenden Literaturverlages Faber and Faber in London, in dem er auch seine Gedichte und die Zeitschrift Criterion veröffentlichte.

1939 erschien sein sofort in England sehr populäres Werk Old Possums‘ Book of Practical Cats, das Suhrkamp 1972 mit den englischen Originaltexten und deren Nachdichtungen in deutscher Sprache herausbrachte, mit grafischen Arbeiten des brtischen Autors und Illustrators Nicolas Bentley (1907 – 1978), in späterer Auflage des amerikanischen Autors und Illustrators Edward Gorey (1925 – 2010). Im Ostberliner Verlag Volk und Welt erschien 1979 eine Lizenzausgabe.

Das Eingangsgedicht „The Naming of Cats“ wurde von Erich Kästner übersetzt. Annemarie Seidel (1897- 1959), genannt Mirl, war eine der beiden Damen, die Übersetzungen beisteuerten. 1921/1922 war sie mit Carl Zuckmayer (1896 – 1977) liiert, der seinen Durchbruch 1925 mit der Komödie „Der Fröhliche Weinberg“ erleben sollte. Ihr erster Ehemann wurde Anthony van Hoboken, der das nach ihm benannte Verzeichnis der Werke des Komponisten Joseph Haydn (1732 – 1809) anlegte. In zweiter Ehe war sie mit dem Verleger Peter Suhrkamp (1891 – 1959) verbunden, der während des Exils der Inhaber den S. Fischer Verlag leitete und 1950 mit einigen der Fischer-Autoren seinen eigenen Verlag gründete. Zeitweise lebte er auf der Insel Sylt, wo seine Frau Mirl aus der Ehe mit Hoboken ein Anwesen besaß, das 1953 in den Besitz des Hamburger Verlegerehepaares Axel und Rosemarie Springer überging. Suhrkamp steuerte zwei der Nachdichtungen bei, sein Nachfolger Siegfried Unseld (1924 – 2002), der den Band auch verlegte, eine.

Rudolf Alexander Schröder (1878 – 1962), Mitgründer der Zeitschrift und des Verlages Die Insel, war einer der Autoren, die Suhrkamp von S. Fischer in seinen eigenen Verlag folgten. Suhrkamp brachte ab 1952 seine „Gesammelten Werke“ in acht Bänden heraus. Der vielseitige Schröder war Schriftsteller, Übersetzer, Lyriker, Kirchenlieddichter sowie Architekt und Maler. In „Old Possums Katzenbuch“ ist er mit vier Nachdichtungen vertreten.

Die zweite Frau im Reigen der Übersetzer ist Nora Wydenbruck (= Gräfin Eleonora Friederika Agnes Augusta von Wydenbruck, verehel. Purtscher), geboren 1894 in London, dort gestorben 1959, beerdigt in Possau (Kärnten), Autorin, Übersetzerin und spätexpressionistische Malerin. Sie hat u. a. Werke von R. M Rilke ins Englische und T.S. Eliots Dramen ins Deutsche übertragen.

Zwei der 15 Nachdichtungen stammen von dem Übersetzer und Schriftsteller Friedrich Podszus (1899 – 1971) und eines von Werner Peterich (*1929), der der Sprititus Rector des ganzen Untenehmens war und eine stolze Liste von Übersetzungen aufzuweisen hat. Sein Großvater war der Bildhauer Paul Peterich (1864 – 1937) und sein Vater der Schriftsteller, Journalist und Übersetzer Eckart Peterich (1900 – 1968).

Bleibt noch die Geschichte, wie aus einem Gedichtband ohne eigentliche Handlung das Musical „Cats“ wurde. 1977 hatte der Komponist Andrew Lloyd Webber (*1948) begonnen, Gedichte aus „Old Possum’s Book of Practical Cats“ zu vertonen. Valerie Eliot (1926 – 2012), die Witwe des Dichters, A. L. Webber und der Theater- und Filmregisseur (Sir) Trevor Nunn (*1940) verwirklichten gemeinsam die Idee, eine Handlung zu schaffen und aus dem Stoff ein Musical zu entwickeln.

Hauptfigur wurde die Katze Grzibella aus einem nicht zum Zyklus gehörenden Poem Eliots. Emotionaler Höhepunkt wurde das Stück „Memory“, dessen Text Nunn aus Eliots „Rhapsody on a Windy Night“ entwickelte. Die Weltpremiere fand 1981 am New Theatre London statt – bis 2002 folgten ihr am gleichen Ort 9.000 Aufführungen, während das Musical seinen internationalen Siegeszug antrat.

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