
Nach dem Paukenschlag vor wenigen Tagen folgt ein neuer: Felicitas von Lovenberg übernimmt zum 15. März 2016 die verlegerische Geschäftsführung des Piper Verlags. Sie folgt auf Marcel Hartges, der den Verlag Ende Januar verlassen wird, aber bei der Bekanntgabe seiner Ablösung schon nicht mehr dabei war.
Damit hat der Verlag, der seit 20 Jahren Teil der Bonnier-Gruppe ist und zu den wichtigsten Publikumsverlagen in Deutschland gehört, eine nicht nur überraschende Nachfolge für Marcel Hartges gefunden, sondern auch eine Lösung, die wohl überall Anklang finden wird. Denn mit Felicitas von Lovenberg steht künftig nicht nur eine Frau an der Spitze des Verlages (was viele erwartet hatten), sondern auch eine durchsetzungsstarke und kenntnisreiche Literaturkennerin, die mehrfach bewiesen hat, dass sie Literatur nicht nur liebt, sondern auch erstklassig verkaufen kann.
Und sie kann führen – was sie auch bei der FAZ bewiesen hat: Sie war nicht ohne Grund im Gespräch für den Herausgeberposten bei der FAZ. Unter Frank Schirrmacher war sie zur Literaturchefin aufgestiegen und nach seinem plötzlichem Tod als dessen Nachfolgerin gehandelt worden.
Christian Schumacher-Gebler, dem Geschäftsführer der deutschen Bonnier-Gruppe, ist damit ein Coup gelungen, den wohl niemand auf dem Zettel hatte, für den es aber im Rückblick einige Indizien gab: „Ich freue mich sehr, dass Felicitas von Lovenberg die verlegerische Verantwortung für Piper übernimmt. Wir gewinnen mit ihr eine der profiliertesten Kennerinnen der deutschen wie der internationalen Literaturszene. Felicitas von Lovenberg bringt eine langjährige Expertise in der Auswahl von Titeln mit und ist vertraut mit Autoren unterschiedlichster Ausrichtung.“
Felicitas von Lovenberg: „Piper ist für mich einer der modernsten und spannendsten Verlage Deutschlands, der aufgrund seiner Vielfalt an Autoren und Themen ein sehr interessantes Entwicklungspotenzial besitzt. Ich freue mich darauf, die Zukunft dieses großartigen Hauses mitgestalten zu können.“
Die Entscheidung für Piper muss bereits im Herbst gefallen sein, als sie dem Spiegel sagte, dass sie spätestens im Januar aus der Redaktion ausscheiden und nach München ziehen wolle – aus „privaten Gründen“. Ob ihr Vorgänger Marcel Hartges das damals schon gespürt hat? Oder sah er eine Last von seinen Schultern fallen? Bei der Verabschiedung von Wolfgang Balk am 1. Dezember vergangenen Jahres als Verleger des dtv wirkte er entspannter als je zuvor.
Wäre von Lovensbergs Berufung zur FAZ-Herausgeberin eine Revolution gewesen, weil es damit erstmals eine Frau in dieses erlauchte Gremium geschafft hätte, so galt das sichtlich nicht für die Bonnier-Gruppe, die schon seit der Berufung von Dr. Siv Bublitz zur Ullstein-Verlegerin erfolgreich die Zeichen der Zeit erkannt hat. Und trotzdem sagt uns gerade eine jüngere Kollegin: „Wahnsinn! Die hatten wir wirklich alle nicht auf dem Zettel. Eine echt mutige Entscheidung!“
Und jetzt weiß die Branche, wie der angekündigte Neuanfang aussieht [mehr…].