
„Aufhören zuzuhören? Das geht nicht. Das Buch ist gut, aber das Hörbuch ist ‚phantástisch‘.“ So urteilt die fünfköpfige Kinderjury des Deutschen Hörbuchpreises über die Hörspielfassung Die unendliche Geschichte, die damit die Liste der diesjährigen Preisträger komplettiert. Nach mehr als zweistündiger Beratung durch die hörerfahrenen Juroren ging die 6-CD-Fassung von Silberfisch als Sieger hervor.
„Das war die engste und schwierigste Entscheidung, die eine Kinderjury je getroffen hat“, sagt Henrike Wenschkewitz, Projektmanagerin beim Verein Deutscher Hörbuchpreis. Zweieinhalb Stunden hätten die sehr engagierten Juroren Luisa (11), Felix (10), Nele (11), Fynn (9) und Lynn (11) beraten und sich dann doch gegen den Fast-Sieger Miles & Niles vom Hörverlag entschieden – nachdem bereits der dritte Nominierte Keiner hält Don Carlo auf ausgeschieden war (erschienen bei Silberfisch).

Geschäftsführerin Esther Roos erklärt: „Der zweite Favorit war die sehr lebendige Lesung Miles & Niles von Christoph-Maria Herbst. Es standen sich also zwei Toptitel ganz unterschiedlicher Art gegenüber – einmal die fulminante Lesung und auf der anderen Seite ein ungewöhlich intensiv produziertes Hörspiel.“ Umso mehr können sich Herbst und Hörverlag trotz des zweiten Platzes über den langen „Kampf“ freuen – bedeutet es doch, dass hier ebenfalls ein ausgezeichnetes Hörbuch geschaffen wurde, das allein mit den Mitteln der Lesung das berühmte „Kino im Kopf“ entstehen lässt.
Schlussendlich setzte sich eine monumentale Hörfunkproduktion durch, die übrigens erst durch den Verlag selbst initiiert wurde. Johannes Stricker, Chef von Hörbuch Hamburg und dem Kinderlabel Silberfisch, hatte in Gesprächen mit dem WDR für eine Neufassung geworben, die sich möglichst nah an der Buchvorlage orientiert. Das Hörspiel von Ende 2014 ist die erste „akustische Neuverfilmung“ seit der deutlich kürzeren Fassung des Bayerischen Rundfunks im Jahre 1981 – von der visuellen, aber wenig werkgetreuen Hollywood-Version von 1984 gar nicht zu reden.
Den Inhalt kennt sicher jeder Fantasy-Fan: Bastian Bux entdeckt beim Antiquar ein Buch mit dem geheimnisvollen Titel Die unendliche Geschichte. Es erzählt vom Reich Phantásien, das durch die Krankheit seiner Kindlichen Kaiserin bedroht ist. Bastian, der das Buch förmlich verschlingt, wird bald selbst Akteur dieser Geschichte: Mit dem Jungen Atréju und dem Glücksdrachen Fuchur begibt er sich auf eine abenteuerliche Reise, um Phantásien vor dem Nichts zu retten.
„Dieser Preis hat für uns eine ganz besondere Bedeutung“, erklärt Dörte Brunotte, Programmleiterin bei Silberfisch. „Denn es ist eine sehr große Ehre, dass gerade die Kinderjury die Unendliche Geschichte ausgezeichnet hat. Letztendlich steht und fällt jedes unserer Hörbücher mit der Frage, ob die Kinder es gerne hören. Insofern gilt mein Dank zuallererst der Jury. Gleich danach muss der WDR – und hier besonders Ulla Illerhaus – erwähnt werden, die sich auf das Wagnis einer kompletten Neuinszenierung eingelassen haben. Aber das Ergebnis zeigt, dass Engagement gegenüber dem Stoff und künstlerischer Mut belohnt werden.“
Die zwei Erzählebenen des Romans spiegeln sich in der Bearbeitung von Ulla Illerhaus und in der Inszenierung von Regisseurin Petra Feldhoff wider – beide werden deshalb mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. Während die Welt des Dachbodens, auf dem Bastian Bux das berühmte Buch liest, in Stereoton aufgenommen wurde, lässt opulenter 5.1-Surround-Sound (im Radio) die Hörer in der Welt Phantásiens eintauchen. Auch auf den sechs Audio-CDs von Silberfisch ist – trotz „normalem“ Stereo – in der Inszenierung der Unterschied zu hören.
Schon die Nominierungsjury war begeistert von dem fast fünfstündigen Hörspiel: „Bastian, Atréju und Fuchur werden auf mitreißende Art zum Leben erweckt. Ein besonderes Hörerlebnis für die ganze Familie.“ Doch Luisa, Felix, Nele, Fynn und Lynn setzen noch eins drauf: „Eintauchen und dranbleiben – das fällt hier nicht schwer, denn dieses Hörspiel ist etwas ganz Besonderes. So viele gute Sprecher, faszinierende Geräusche und die Musik, die von einem richtigen Orchester eingespielt wurde, ziehen einen sofort in den Bann, und man erlebt die Abenteuer direkt mit. Das Hörspiel gefällt Mädchen wie Jungen – und sogar die Eltern haben Spaß daran. Aufhören zuzuhören? Das geht nicht. Das Buch ist gut, aber das Hörbuch ist ‚phantástisch‘.“
Mehr als 50 Schauspieler waren an der Produktion beteiligt, darunter Anna Thalbach und Hans Kremer als Erzähler, Mechthild Großmann als Schildkröte Morla, Jürgen Thormann als Zentaur, Laura Maire in einer Doppelrolle als Irrlicht und Mondenkind. Heimliche Stars sind jedoch Benny Hogenacker als Bastian Balthasar Bux und Finn Oleg Schlüter als Atréju. Im Interview mit der WDR-Zeitschrift PRINT schwärmte Finn: „Das war schon richtig cool, mit so vielen bekannten Schauspielern solche Szenen zu spielen, vor allem aber, wie die mit uns umgegangen sind – wie ganz normale Kollegen.“
Nach der Bekanntgabe der Gewinner in den Erwachsenen-Kategorien vor einer Woche ([mehr…]) bekommt jetzt also das „beste Kinderhörbuch“ seine verdiente Aufmerksamkeit. Buchhändler, die für ihre Kunden im wahrsten Sinne „ausgezeichnete Qualität“ suchen und sich von den bewerteten Titeln der diesjährigen Hörbuchpreis-Runde – zum Beispiel für einen Aktionstisch – Anregungen holen wollen, können die veröffentlichte Shortlist der Nominierungsjury hier abrufen: [mehr…]
Alle Gewinner in sieben Kategorien werden in der Gala zum Deutschen Hörbuchpreis am 8. März im WDR-Funkhaus in Köln gekürt. Die Preisverleihung wird live im Radio übertragen (ab 20.05 Uhr auf WDR 5, hr2-kultur, NDR Kultur, SWR2 und Antenne Saar) sowie am 10. März im Fernsehen gesendet (ab 23.25 Uhr im WDR).
rw