Dieter Lattmann (Foto) ist beileibe kein Funktionär, auch wenn er Bedeutendes zum Funktionieren gebracht hat: die Künstlersozialkasse. Der Verlagsbuchhändler, Ex-SPD-Bundestagsabgeordnete und Schriftsteller feierte am 15. Februar seinen 90. Geburtstag. Der von ihm mitbegründete VS – Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller – hatte am Montagabend in den großen Saal des Münchner Literaturhauses zur Geburtstagsfeier eingeladen.

Dem Jubilar gratulierten Eva Leipprand (VS-Vorsitzende), Siegmund Ehrmann (Vorsitzender des Bundestags-Ausschusses für Kultur und Medien), Josef Haslinger (Präsident des deutschen PEN-Zentrums), Gert Heidenreich (Schriftsteller) und Thomas Kraft (Vorsitzender des VS Bayern).
Sehr persönlich beschrieb Gert Heidenreich, dass Dieter Lattmann nicht nur den Schriftstellern als Kollektiv, sondern auch einzeln geholfen habe. Ihm selbst z. B., der als Redakteur im Bayerischen Rundfunk von seinem Chef kurzerhand Sendeverbot bekam. Ein Anruf bei Lattmann („komm heute Nachmittag mal vorbei“) – und dieser hatte die einschlägige Presse mobilisiert, und somit wurde der Skandal öffentlich. Im Publikum wurden u.a. gesichtet die Schriftsteller-Kollegen Asta Scheib, Root Leeb, Tanja Kinkel, Uwe Timm, Johano Strasser, Imre Török, der VG Wort-Geschäftsführer Rainer Just und die frühere Übersetzer-Vorsitzende Gerlinde Schirmer-Rauwolf.
Dass heute 180.000 selbstständige Kreative über die KSK eine ähnliche Kranken- und Altersversicherung wie Angestellte bekommen, ist in erster Linie dem unermüdlichen Einsatz von Dieter Lattmann zu verdanken, der von 1972 bis 1980 nicht nur für seinen Allgäuer Wahlkreis im Bundestag saß, sondern auch für den „imaginären Wahlkreis der Schriftsteller, der ihn in die Pflicht forderte“.
Dieter Lattmann pflegte ein spezielles Verhältnis zum Realisator-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Als frischgebackener Bundeskanzler kam Schmidt gelegentlich zu ihm und fragte „Na, Genosse, mal ehrlich: Wie war ich heute im Bundestag?“. Und er bekam die ehrliche Antwort: „Du musst das Format des Bundeskanzlers noch ausfüllen“. In einer solchen Beziehung kann man etwas bewirken; immer, wenn Lattmann den Mantra-Satz „Herr Bundeskanzler, ich danke Dir, dass Du Dich um die Künstler kümmerst“ zu ihm sagte, wusste der, dass etwas zu unternehmen war. „Wie, die Monika (Wulf-Mathies, damals im Bundeskanzleramt) blockiert das? – Die werde ich mir kaufen.“
Dieter Lattmann hat 17 Bücher geschrieben, stets „mit wunderbar weichem Bleistift auf wunderbar weißem Papier“ (und am nächsten Morgen in den Computer übertragen). Das Manuskript seines „voraussichtlich letzten“ Buches mit dem Titel Es will Abend werden ist fertig und wird im Herbst bei Kösel erscheinen. Dem VS-Ehrenvorsitzenden Dieter Lattmann kann man wahrlich bescheinigen, dass er das Format des politischen Schriftstellers vorbildlich ausfüllt.
Ulrich Störiko-Blume







