
DAMALS – Das Magazin für Geschichte berichtet jeden Monat über spannende Geschichtsthemen. In jeder Ausgabe gibt es zahlreiche Rezensionen von Büchern, Hörbüchern und Filmen. Seit Jahren zeichnet die Redaktion gemeinsam mit einer prominent besetzten Jury zudem die besten historischen Sachbücher des Jahres aus.
Hier fünf der Rezensionen aus dem neuen Heft:
Höchst aufschlussreich findet Thomas Schnalke die Biographie von Rebecca Messbarger über Anna Morandi. Signora Anna machte im 18. Jahrhundert Furore mit ihren anatomisch genauen Wachsmodellen. Im Zeichen der Aufklärung sollte das Wissen über den menschlichen Körper Allgemeingut werden; hierzu leistete die Anatomin und Wachskünstlerin in Bologna und darüber hinaus einen wichtigen Beitrag.
Rebecca Messbarger, Signora Anna, Anatomin der Aufklärung. Eine Kulturgeschichte aus Bologna (Die Andere Bibliothek)
Hitler ist immer wieder das Thema umfänglicher Publikationen. Peter Longerich sieht Hitler als starken und entschlossenen Diktator, bei dem die Fäden zusammen liefen. Zentrales Herrschaftsmerkmal sei das Durchbrechen vorhandener Strukturen gewesen; Terror, Propaganda und Kontrolle wichtige Machtinstrumente. Longerich bietet, so Claudia Steur, eine eher konventionelle, aber gut lesbare Studie, auch zur Gesamtgeschichte des Nationalsozialismus.
Peter Longerich, Hitler. Biographie (Siedler)
72 Tage dauerte die „Pariser Kommune“, jener bewaffnete Aufstand zum Sturz des Pariser Stadtrats durch revolutionäre Handwerker und Arbeiter, und deren anschließende Regierung. Thankmar von Münchhausen hat ein gut lesbares, anschauliches Buch über die Ereignisse verfasst, die als „erste Diktatur des Proletariats“ in die Geschichte eingingen. Von Heike Talkenberger
Thankmar von Münchhausen, 72 Tage. Die Pariser Kommune 1871 – die erste „Diktatur des Proletariats“ (Deutsche Verlags-Anstalt)
Einen Schatz für Freunde historischer Spiele präsentiert Ernst Strouhal. 63 Spiele aus Europa, Nordamerika und Japan aus dem 18. bis 20. Jahrhundert hat er zusammengetragen. Die Grundlage der Spielpläne sind historische Landkarten. Spiele sind auch Spiegel ihrer Zeit: Ob koloniale Interessen und Expeditionen, Tourismus oder neue Verkehrsmittel, alles das findet man hier. Von Heike Talkenberger
Ernst Strouhal, Die Welt im Spiel. Atlas der spielbaren Landkarten (Brandstätter)
Die Umbruchszeit 1944 bis 1947 erlebten viele Menschen in Polen voller Angst, wie der polnische Historiker Marcin Zaremba in seinem neuen Buch zeigt. Das Panorama reicht von der Unsicherheit über die Zukunft des eigenen Landes über die Angst vor Rotarmisten und dem sowjetischen Geheimdienst bis hin zum Schrecken der allgegenwärtigen Plünderer und Banditen. Die Pogrome gegen Juden ordnet Zaremba als Reaktion auf diese „große Angst“ ein. Von Heike Talkenberger
Marcin Zaremba, Die große Angst. Polen 1944−1947: Leben im Ausnahmezustand (Schöningh)