„Jugendbücher? Wozu eigentlich, wenn Jugendliche gar nicht lesen?!“ – dieses Thema einer von Bastei Lübbe veranstalteten Podiumsdiskussion lockte heute Abend rund 100 Besucher ins Foyer des Verlags in Köln-Mühlheim. So dramatisch sei die Lage aber doch nicht, sagte Mathias Siebel, Gesamtleiter der Jugendbuchprogramme Baumhaus, Boje und One, bei seiner Begrüßung – wenngleich Veränderungen festzustellen seien.

Über die diskutierten Katja Dahmen, Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Buchhandlung Fischer in Jülich, Stephan Grünewald, Mitbegründer des rheingold-Instituts und Autor, Bloggerin Sara Bow – www.sarabow.de – und Jürgen Winzer, Chefredakteur des Jugendmagazins Popcorn, unter der Moderation von Margarete von Schwarzkopf.
Einig waren sich alle in der Einschätzung, dass Jugendbücher auch weiterhin als physische Bücher gelesen werden – zu groß sei die Sehnsucht nach einer Rückzugsmöglichkeit, dem Abtauchen in Lesewelten, in denen nicht ständig E-Mails oder WhatsApp-Nachrichten aufploppen. Sara Bow, die sowohl einen Beauty- und Fashionblog sowie einen YouTubekanal anbietet als auch den Blog Bows & Books und den Kanal Sara Bow Books, berichtete, dass sie ihre Follower des Beauty-Kanals immer wieder auf den Buchkanal aufmerksam mache – und häufig dankbare Kommentare für ihre Buchtipps erhalte.
Jürgen Winzer hatte mit der jungen Bloggerin die Konkurrenz zu seinem Printprodukt direkt neben sich sitzen. „Die heutige Jugend ist nicht mehr reaktiv, sondern aktiv“, so seine Einschätzung. Er versuche weiterhin, Buchtipps in der Popcorn zu bringen, was vor allem gut funktioniere, wenn es sich um verfilmte Titel handele. Denn Bücher könne man sich nicht so gut als Poster an die Wand hängen wie die Stars aus den Verfilmungen.
Katja Dahmen wiederum freute sich, dass Verfilmungen den Hunger nach weiteren Büchern mit ähnlichen Themen wecken – auch bei Nichtlesern. „Wenn man dann so viele Leute im Laden hat, kann man auch zeigen, was man alles kann.“ Zugleich sollte man Jungs, die angeblich nicht lesen wollten, unbedingt Sachbücher in die Hände geben.
Stephan Grünewald ging auf die Lebenswelten von Jugendlichen heute ein und konstatierte „eine Tendenz zur Schrankwand“ sowie eine „Generation Biedermeier“. In Zeiten der Brüchigkeit sei die Sehnsucht nach Beständigkeit gewachsen, was sich u.a. in der hohen Nachfrage nach Geschichten mit zahlreichen Fortsetzungen ausdrücke.
Ein Abend, an dem viele Themen angesprochen wurden und der zeigte, dass der Gesprächsbedarf über das Jugendbuch und seine Zielgruppe längst nicht gesättigt ist. Unter den Zuschauern waren u.a. Lesementoren, Lehrer und Bibliothekare, die anschließend im Foyer bei einem Glas Wein noch lebhaft weiterdiskutierten.