Der Vorsitzende des Evangelischen Literaturportals Bischof Jan Janssen hat die diesjährige Gewinnerin des Evangelischen Buchpreises bekannt gegeben: Er geht an Helga Bansch für Die Rabenrosa (Jungbrunnen) – „ein Bilderbuch, das Mut zur eigenen Identität macht und einen zuversichtlichen Blick auf das Geschenk der Vielfalt wirft!“
Der Evangelische Buchpreis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird Helga Bansch am 28. September 2016 in der Lambertikirche in Oldenburg überreicht.
Die Begründung der Jury:
Wie kann man für Kinder vom Anderssein erzählen?
Bild und Text dieses meisterhaften Bilderbuches über die Stärke einer Andersartigen stammen aus einer Hand. Die Bilderbuchkünstlerin Helga Bansch setzt ein kleines rosa Ei in ein Nest mit grüngesprenkelten. Umsorgt von zwei aufmerksamen Rabeneltern wachsen nun vier Rabenkinder und ein nacktes rosa Wesen heran. Weil sie immer friert, besorgt der Vater der Federlosen ein rosa Kleid und eine rote Mütze, und die Rabenmutter nennt sie „unsere kleine Rosa“. Alle anderen Tiere wundern sich, haben Mitleid oder geben Tipps, wie aus dem eigenartigen nackten Geschöpf noch ein richtiger Rabe werden könnte. Eltern und Geschwister bleiben gelassen und bilden den soliden Boden, auf dem sich Rabenrosa ihrer Identität versichern kann. Helga Bansch erzählt konsequent aus der Ich-Perspektive und lässt Kinder und Vorlesende teilhaben an Rosas Bemühungen, so zu werden wie ihre Geschwister. Und an ihrem Realitätssinn: Ich bin anders!
Herausragend sind die Bilder: In wechselnden Formaten, mit Elementen der Bildgeschichte und der Collage und aus waghalsigen Perspektiven zeigt die Illustratorin wie Rabenrosa ganz selbstverständlich ihren Platz im Leben der großen schwarzen Vögel einnimmt. Die Entscheidung für die reduzierte Farbpalette der Erdtöne und das bewusst gesetzte Rot der Protagonistin rücken Rosa ins Zentrum und laden ein zur Identifikation. Zu entdecken gibt es eine Bilderbuchfigur, die selbstbewusst und eigen Lebensfreude und Mut verkörpert. „Ich freue mich auf morgen“, lautet der programmatische letzte Satz.
Der Evangelische Buchpreis wird seit 1979 vom Dachverband evangelischer öffentlicher Büchereien, dem Ev. Literaturportal, verliehen. Gesucht werden Bücher, „die anregen über uns selbst, unser Miteinander und unser Leben mit Gott neu nachzudenken“. Für 2016 haben Leserinnen und Leser 99 Titel vorgeschlagen.