
Jannis Plastargias
Vor etwa zwei Jahren trafen sich Betriebswirt und Vertriebler Daniel Bräuer und Autor, Herausgeber und Kulturaktivist Jannis Plastargias in Frankfurt und sprachen darüber, einen eigenen Verlag zu gründen. Ein Jahr später setzten sie diese Idee zusammen mit Hersteller Nikk Schmitz um.
Der astikos Verlag (in Gründung) legte vor wenigen Tagen nach fünf E-Book-Veröffentlichungen sein erstes Printprodukt vor: Kalter Cappuccino von Levend Seyhan.
Auf den Namen – astikos heißt im Griechischen so viel wie städtisch – kamen die drei Gründer über das lateinische urbanus, das ihnen zu wenig zeitgemäß erschien. Warum also nicht griechisch, Plastargias hatte schließlich hellenische Wurzeln.
„Und wir wollten eine risikoarme Rechtsform und haben nach Recherchen und Kontakten zu ähnlichen Verlagen die Genossenschaft gewählt“, erklärte Jannis Plastargias weiter. Inzwischen ist er nicht mehr im Vorstand, dafür gehört Katharina Eichler diesem Gremium an. Der Grund ist simpel: „Ich wollte mehr Geschlechtergerechtigkeit im Vorstand“, sagte Plastargias.
Zur Genossenschaft gehören außerdem Jaqueline Hoffmann, Katharina Faußner, Julia Engelhardt, Nina Rubach, Kathrin Fleischmann und Carolin Nestler – also insgesamt zehn Menschen. Alle arbeiten neben astikos in der Buchbranche.
Die Verlagsgenossenschaft möchte „etwas Anderes als das Übliche“ machen, wie Plastargias erklärte. Urbane Themen stehen im Mittelpunkt – dabei spielt das Genre keine Rolle.
Ein eigenes Verlagsgebäude gibt es nicht: „Wir skypen jeden Sonntag, haben ja alle noch einen Brotberuf, der Verlag läuft nebenbei in unseren Wohnorten in München, Leipzig, Berlin und Frankfurt“, erläuterte Plastargias. Er sieht es als Vorteil, dass jedes Genossenschaftsmitglied spezielle Fähigkeiten aus Herstellung, Marketing, Vertrieb, Öffentlichkeitsarbeit, Verlagswesen, Buchhandel mit- und einbringt. „Wir wollen gerne weiter wachsen, aber die Mitgliederzahl sollte überschaubar bleiben“, bemerkte der Mitgründer.
Der Verlag arbeitet projektbezogen, die Namen der Beteiligten stehen dann auch in den Büchern. Außerdem helfen externe Mitarbeiter – nicht alles kann der kleine Verlag selbst schultern.
Die Regel „digital first“ bedeutet, dass ein Buch, über das übrigens demokratisch abgestimmt wird, zuerst als elektronische Ausgabe erscheint, später – bei entsprechender Nachfrage – folgt auch der Print. Klar ist bereits, dass zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse Rauschgefühle von Jannis Plastargias als gedruckte Ausgabe erscheinen wird.
Autor Levend Seyhan hält nun sein zweites Buch in den Händen, nach seinem Roman sind es jetzt kurze Erzählungen. „Ich habe insgesamt über 30 Geschichten eingeschickt, 18 davon wurden ausgewählt. Ich durfte mitdiskutieren – das ist schon etwas Besonderes und in großen Verlagshäusern undenkbar. Und man spürt, dass astikos die Autoren wertschätzt“, kommentierte der Autor seine Beziehungen zur Genossenschaft.
Kein reales Verlagsgebäude, aber ein virtuelles Haus, in dem alles zusammenläuft. Keine Hierarchie, sondern einzelne Projektverantwortung. Kein starres Programm, sondern demokratische Abstimmung über Manuskripte. Keine festgelegte Anzahl jährlicher Veröffentlichungen, sondern ebenfalls abgestimmte digitale und analoge Bücher.
Ein Experiment, zweifellos. Ob es gelingt und trägt, wird sich zeigen.
JF