Die edition oberkassel in Düsseldorf geht als kleiner Verlag und Beta-Tester des Buchhandelportals vlbTIX den Schritt konsequent weiter, wie Verleger Detlef Knut (Foto) sagt: Er verzichtet diesen Herbst erstmalig auf eine gedruckte Vorschau [mehr…]. Aber er hat eine Idee als Alternative.
Das war Anlass für ein Gespräch mit dem Indie-Verleger:
Sie verzichten in diesem Herbst erstmalig auf eine gedruckte Vorschau. Was ist Ihre Alternative?

Die Buchhändler bekommen dieses Jahr von uns eine Postkarte mit einem QR-Code zugeschickt, über den sie bequem auf unsere digitale Vorschau gelangen können.
Das heißt, die Vorschau ist produziert worden, nur nicht in gedruckter Form?
Ja, sie steht digital zum Download zur Verfügung. Wenn der Buchhändler gerne am Wochenende in den analogen Vorschauen blättert, kann er sich die Vorschau aus dem vlbTIX gerne herunterladen und ausdrucken.
Was war der Grund für Ihren Entschluss, dieses Experiment zu wagen?
Dafür gab es mehrere Gründe. In diversen Gesprächen mit den Buchhändlern, die wir u.a. auf den Regionalveranstaltungen des Börsenvereins hatten, hatte sich herausgestellt, dass sich die Buchhändler uneins sind über den Weg einer Vorschau. Es gibt Buchhändler, die mögen E-Mails, welche, die den Vertreter mögen, und ja, manche mögen auch die gedruckte Vorschau. Es gibt also keinen präferierten Weg, zumindest keinen, von dem wir wissen.
Sie sprechen aber von mehreren Gründen?
Da wäre noch der Umweltaspekt. Da wir nicht wissen, welche und wie viele Buchhändler unsere gedruckte Vorschau angeschaut haben, wollen wir nicht Tausende von Seiten Hochglanzpapier erzeugen, welches auf irgendeinem Stapel gebündelt landet, der vielleicht gar nicht angeschaut wird. Eine Postkarte ist da schon umweltfreundlicher.
Sind es nicht auch die Kosten, die eine Rolle spielen?
Ja, es stimmt: Für uns als Kleinverlag ist damit schließlich auch eine Kostenfrage verbunden. Denn sowohl die Druckkosten als auch die Versandkosten sind trotz gebündeltem Versand nur ein Bruchteil dessen, was ursprünglich ausgegeben wurde. Es gibt aber noch einen Aspekt.
Und der wäre?
MeinVerlag ist auch deshalb entstanden, weil ich persönlich viele Jahre in der IT tätig war und die digitalen Prozesse beherrsche. Auf analog umzustellen war nicht einfach. Nun denken wir, dass wir digital weitermachen können, wie es zeitgemäß (selbst die Finanzämter fordern digitale Erklärungen von uns…) und ressourcenschonend ist. (Was ja nicht heißt, dass wir keine gedruckten Bücher in den Handel bringen, denn E-Book-only war für uns nie eine Option.)
Wir sich die digitale Vorschau durchsetzen?
Zukünftig sehen wir die digitalen Kataloge als den generellen Wegweiser. Ist es nicht schon heute der Fall, dass selbst Buchhändler bei ihrem großen Wettbewerber Amazon nachschlagen, um sich über ein Buch schlau zu machen? Das VLB hatte immer schon eine gute Grundlage für die Recherche gelegt. Im erweiterten vlbTIX stehen nun viele Funktionen für den Buchhändler bereit, die er auf gedruckten Medien gar nicht nachbilden kann. Favorisierte Verlage, favorisierte Bücher, Bestellvorschläge, gar Bestellungen selbst, der Wechsel von Ansprechpartnern in den Verlagen, Mitarbeiter auf besondere Bücher aufmerksam machen, Filialbestellungen zusammenfassen etc.
Bei einer gedruckten Vorschau muss für diese Tätigkeiten immer wieder manuell eingegriffen werden. Das frisst Zeit, die bei der Beratung eines Kunden fehlt. Nicht zu vergessen: Die ehemals gedruckte Vorschau steht auch in der digitalen Vorschau zusätzlich zum Download zur Verfügung. Wenn der Buchhändler gerne am Wochenende in den analogen Vorschauen blättert, kann er sich die Vorschau aus dem vlbTIX gerne herunterladen und ausdrucken.
Und wenn das Experiment nicht aufgeht?
Eine sinkende Resonanz für den Absatz unserer Bücher können wir uns nach dieser Umstellung nicht vorstellen. Aber gut, das wird sich in einem Jahr zeigen. Was eine Rückkehr angeht agieren wir wie James Bond: Sag niemals nie.
Die Edition oberkassel im Internet: www.edition-oberkassel.de