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Frankfurt: Vielfältiges Messe-Rahmenprogramm in der Stadt

Susanne Gaensheimer, Ina Hartwig, Bart Moeyaert,
Sonja Vandenrath

Hunderte von Veranstaltungen finden während der Frankfurter Buchmesse in der Mainmetropole statt. Gestern wurde in einer Pressekonferenz auf das umfangreiche Programm und einige Schwerpunkte hingewiesen.

Da das Kulturamt der Stadt und der Künstlerische Leiter des Organisationskomitees Flandern & die Niederlande dazu ins Museum für Moderne Kunst 1 (MMK) eingeladen hatten, begrüßte Hausherrin Susanne Gaensheimer die Medienvertreter.

„Das MMK zeigt in allen drei Häusern Ausstellungen, die im Kontext der Buchmesse entstanden sind. So ist seit 17. September im MMK 1 Fiona Tan. Geografie der Zeit zu sehen. Tan, Kind chinesisch-australischer Eltern, wurde in Indonesien geboren, wuchs in Australien auf und lebt seit 1988 in Amsterdam. Sie verwendet Film, Fotografie, Installation, Audio und Text. Die Exposition wird bis zum 15. Januar 2017 gezeigt.“

Der niederländische Künstler Willem de Rooij stellt vom 14. Oktober bis zum 8. Januar großformatige Tafeln, gewebte Bilder und ein Sportbekleidungskollektion unter der Überschrift Entitled im MMK 2 aus.

Im MMK 3 ist bis zum 6. November all behind, we’ll go deeper, deep down and she will say: der Turner-Preisträgerin Laure Prouvost zu sehen. Es ist die erste umfassende Einzelschau der Französin in Deutschland – und bereits ein Ausblick auf den Buchmesse-Ehrengast 2017.

Weitere Expositionen finden in der Ausstellungshalle 1A mit der Belgierin Nicole van den Plas, in der Produktions- und Ausstellungplattform basis mit sechs Künstlern aus Flandern, den Niederlanden und Deutschland, im Deutschen Architekturmuseum, im Instituto Cervantes, im Foto Forum Frankfurt, im Haus am Dom, im Portikus und im Städel Museum statt.

Im Deutschen Filmmuseum werden vor allem Literaturverfilmungen aus der Gastregion zu sehen sein.

Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig stellte fest: „Das Rahmenprogramm erstreckt sich weit stärker als 1993 – da waren Flandern und die Niederlande erstmals Ehrengast – in die Stadt. Auch die Medienlandschaft hat sich seitdem enorm verändert, deshalb gibt es neben Ausstellungen, Filmen, Lesungen auch Performances und viele Mischformen. Sie alle zeigen die große kulturelle Vielfalt der Gastregion.“

Bart Moeyaert vom Organisationskomitee begann literarisch: „’Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer’“, zitierte er Antoine de Saint-Exupery. „Über das Holzsammeln habe ich nie nachgedacht, mir ging es um das Meer – es ist das Verbindende zwischen Flandern, den Niederlanden und Deutschland“, fügte er hinzu.
Der flämische Fotograf Stephan Vanfleteren fotografierte zehn berühmte Autoren aus Flandern und den Niederlanden, legte ihre Porträts in einem Mashup übereinander und gestaltete so ein Plakat zur Buchmesse. „Der Betrachter wird von vielen Gesichtern angeschaut. Und kein Autor, kein Genre wird besonders herausgehoben“, erklärte Moeyart.

Er schwärmte vom Gastlandpavillon, der auf 2.300 Quadratmetern Einkehr und Ruhe, Aktivität und neue Erfahrungen bieten wird. Zudem wies Moeyart auf das Live-Event Parade hin – im Atelier, das sich im Pavillon befindet, entsteht eine Zeitschrift.
Außerdem gibt es im Pavillon eine Jukebox, aus der man sich über Kopfhörer Gedichte vorlesen lassen kann.

„Als Organisationsteam haben wir ein ziemlich großes Schiff gebaut und erwarten viele Gäste“, schloss Moeyaert.

Die Leiterin des Fachbereichs Literatur beim Kulturamt Frankfurt, Sonja Vandenrath, informierte über Literatur im Römer, seit 1975 im Buchmesse-Rahmenprogramm und damit älteste literarische Großveranstaltung, und die 2009 ins Leben gerufenen Open Books.
Literatur im Römer präsentiert am Mittwoch und Donnerstag moderierte Gespräche mit insgesamt 16 Autoren.
Bei Open Books stehen 132 Veranstaltungen mit 184 Autoren von 91 Verlagen auf dem Programm, das in diesem Jahr vom 18. bis zum 23. Oktober an zehn verschiedene Orte in der Innenstadt einlädt.
Der Auftakt findet traditionell am Dienstag Abend im Schauspiel Frankfurt statt, auf dem Blauen Sofa werden der am Vortag gekürte Träger des Deutschen Buchpreises, außerdem Marcel Beyer, Sibylle Lewitscharoff und Connie Palmen Platz nehmen und mit ihren Moderatoren Luzia Braun, Alf Mentzer, Barbara Wahlster und Volker Weidermann ins Gespräch kommen.

Zum zweiten Mal sind die Locations Ratskeller und Kapellchen im Römer dabei, erstmals nimmt das Bibelhaus teil – dort werden Bücher rund um das Jubiläum der Reformation im Jahr 2017 vorgestellt. Ebenfalls im zweiten Jahr gibt es das Format Junges Doppel.
Neu ist der Slow Reading Room im zweiten Obergeschoss des Frankfurter Kunstvereins – dort kann man sich in Ruhe hinsetzen und sich Büchern aus den diesjährigen Verlagsprogrammen widmen.

Das neue Büro für überflüssige Worte von Dirk Hülstrunk öffnet am Mittwoch und Freitag im Frankfurter Kunstverein und am Samstag in der Schwanenhalle im Römer. Anschließend werden die abgegebenen Worte in einer Performance des Slam-Poeten und Lautmalers verwertet.

Erstmals wird es im Rahmen von Open Books einen Schwerpunkt Comic geben, der von Jakob Hoffmann am Mittwoch und Donnerstag in der Heusenstamm Galerie präsentiert wird.
Fast alle Veranstaltungen sind bei freiem Eintritt zu besuchen, lediglich für die Eröffnung im Schauspiel, die Open Party am Samstag Abend im Literaturhaus und die musikalische Lyriknacht Teil der Bewegung im Kunstverein ist ein Obolus zu entrichten.

Die Büchertische werden von der Autorenbuchhandlung Marx & Co., der Buchhandlung Land in Sicht, der Buchhandlung Schutt, der Karl Marx Buchhandlung und der Buchhandlung Weltenleser organisiert.
Das gesamte Programm des Lesefestes ist unter www.openbooks-frankfurt.de abrufbar.

JF

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