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Gohlis‘ Top Ten-Lieblingskrimis 2017

Krimikritiker Tobias Gohlis stellt zum Jahresende seine zehn Krimi-Favoriten des Jahres vor, in alphabetischer Ordnung

  • Oliver Bottini, Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens (DuMont)
    Rumänien, Mecklenburg. Globale Agrarkonzerne greifen nach Land. In „Prenzlin“, in Westrumänien. Beschiss, Bestechung, Mord allerorten. Im Strudel: zersprengte Familien, schuldig gewordene Polizisten, Männer mit Traumata. Europa heute: kein stiller Winkel ohne Tote. Episch und stark.
  • Graeme Macrae Burnet, Sein blutiges Projekt (Europaverlag)
    Culduie, schottische Westküste 1869. Roddy Macrae, 17, hat drei Nachbarn erschlagen. Burnet hat dazu „Dokumente“ erstellt. Zeugenaussagen, Gutachten. Roddys Bericht zeugt von Qual und Ohnmacht der Pächter. Dann die Tat. Das Urteil fällen die Leser, ergriffen von der nüchternen Schönheit des Textes.
  • John le Carré, Das Vermächtnis der Spione (Ullstein)
    Europa. Die Kinder der Agenten erheben Anklage. Hektische Vernehmungen, Vertuschungen bei MI 6. Peter Guillam gibt preis: die Vorgeschichte zum Spion, der aus der Kälte kam. Wie eine junge Frau und andere im Kalten Krieg verheizt wurden. Für höhere Zwecke? Altmeister le Carré als Dekonstrukteur. Brillant.
  • Jerome Charyn, Winterwarnung (Diaphanes)
    Washington, D.C., 1989. Isaac Sidel ist neuer Präsident der USA. Ohne Macht: Sein Stab sabotiert ihn, der Wahnsinnige will die Armut abschaffen. West -Kapitalisten und russische Gangster auf MordkurSeiten Sidel wehrt sich mit Charisma und Gauner – Intuition. Band 12 der größten Kriminalsaga Amerikas.
  • Liza Cody, Miss Terry (Ariadne im Argumentverlag)
    London. Als im Müllcontainer die Leiche eines farbigen Neugeborenen gefunden wird, bekommt Lehrerin Nita Tehri den weißen britischen Überlegenheitsdünkel zu spüren: Sie hat dunkle Haut und muss die Mörderin sein. Nitas Glaube an Integration durch Anpassung bröselt. Sie lernt sich zu wehren. Famos.
  • Tom Franklin, Smonk (Pulp Master)
    Old Texas, Alabama 1911. E.O. Smonk: Frauenbeschäler, Killer, Zwerg und multimorbid, stellt sich der Anklage. Nietet alle männlichen Zuschauer um. Old Texas wird Stadt der Witwen. Evavangeline, 15, Hure, mordet mit und ohne Tequila. Rough South bizarr: Religion und Tollwut werden eins.
  • Monika Geier, Alles so hell da vorn (Ariadne im Argumentverlag)
    Rheinland-Pfalz. Manga, verlorene 18, Prostituierte seit sie denken kann, erschießt einen Freier in Polizeiuniform. Halbtags – Kriminalkommmissarin Boll nimmt SoKos oder Vorgesetzte nur am Rande wahr, aber das, was wichtig ist. Rätselhaft, superstraight, irre gut. Geier ist Spitze.
  • Carsten Jensen, Der erste Stein (Knaus)
    Afghanistan. Zug 3, dänische Infanterie, in Friedensmission. Der Zugführer verrät sie, die Krieger schalten in Rachemodus. Und stolpern in alle Fallen: die der Taliban, die der Entmenschlichung. In fettloser Prosa, mit genauer Lagekenntnis, reißt Jensen uns in einen Malstrom aus Krieg und Kriegsverbrechen.
  • Andreas Pflüger, Niemals (Suhrkamp)
    Berlin, Avignon, Marokko. Zweiter Fall der Jenny-Aaron-Saga. Erzfeind Holm hat sie blind gemacht. Und der Superagentin zwei Milliarden Beutegeld sowie den Namen des Mörders ihres Vaters hinterlassen. Das Erbe annehmen heißt, den beinahe allmächtigen „Broker“ töten. Allerfeinste Action.
  • Gary Victor, Suff und Sühne (litradukt)
    Port-au-Prince. Inspektor Azémar auf Entzug. Doch die Tochter des UN-Generals in seiner Absteige ist keine Halluzination. Er soll ihren Vater liquidiert haben. Sie schießt, Azémar flieht, die Security legt sie um. Startschuss für Höllentrip drei durch Haitis Gegenwart. Albtraum real. Victor ist seine Stimme.

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