Home > Bücher in den Medien > Umgeblättert heute: „Mit den Mitteln der Literatur, die Ereignisse in all ihrer Ambivalenz zeichnen“

Umgeblättert heute: „Mit den Mitteln der Literatur, die Ereignisse in all ihrer Ambivalenz zeichnen“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

  • „Lebensgefährliche Erinnerung“: Ihr Wuhan-Tagebuch machte Fang Fang in der Welt berühmt und brachte China gegen sie auf. Ihr Roman Weiches Begräbnis stellt sich gegen verklärende Geschichtsschreibung. „Wie Fang Fang die Vergangenheit aus vielen Puzzleteilen zu einem neuen Bild zusammensetzt und dabei Protagonisten und Leser auf unterschiedlichen Wissensniveaus hält, ist kunstvoll gemacht. Vor allem aber gelingt es ihr mit den Mitteln der Literatur, die Ereignisse in all ihrer Ambivalenz zu zeichnen.“
    Fang Fang, Weiches Begräbnis (Hoffmann und Campe)
  • „Ich bin ein Glücklicher, der aus der Zukunft zurückkehrt“: Furchtlosigkeit wuchs um uns: Türkische Liebeslyrik aus der Zeit vor Erdogan von Cemal Süreya, Edip Cansever und Turgut Uyar. „Die drei Lyriker waren miteinander befreundet. Sie erlebten die Nachwehen des Osmanischen Reichs und die Anfangsphase der türkischen Republik, die Studentenproteste der sechziger Jahre und drei Militärputsche. Sie starben, kurz bevor die Islamisten in Gestalt von Erdogans AKP das politische Ruder übernahmen.“
    Edip Cansever, Cemal Süreya, Turgut Uyar, So träume und verschwinde ich. Liebesgedichte (btb)
  • „Steht die Einheit in der Literatur noch aus?“: Michael Hametner ist schockiert angesichts der Deutschen Wechseljahre und rüstet rhetorisch auf. „Hametner wirft Journalisten, Kuratoren, Jurys und Institutionen von damals bis heute Arroganz und Unwissenheit vor, und er kommt zu dem Schluss, dass ostdeutsche Literatur und Kunst noch immer marginalisiert würden, teils auch bewusst verächtlich gemacht und stigmatisiert, wobei die Sicht auf politische Gesinnung und persönliche Schuld die Sicht auf Ästhetik verdeckt habe oder weiterhin verdecke.“
    Michael Hametner, Deutsche Wechseljahre. Nachdenken über Literatur und Bildende Kunst (Mitteldeutscher Verlag)

  • „Die bösen und die eigenen Träume“: Der Schriftsteller Ousmane Diarra über sein Land Mali, das politische Vakuum, das islamistische Extremisten für sich nutzen, und was Literatur, Kunst und Feste dagegen ausrichten können.
  • „Der Jüngste von dreien“: Ein Roman entdeckt den Autor Peter Brasch wieder. „Peter Brasch, der nicht nur in Italien so gut wie unbekannt ist, hat es Zangrando angetan. Bei Youtube ist er auf ihn gestoßen, in einem Schnipsel aus einer Fernsehdiskussion im Jahr 1991 über das Theater in Ost und West. (…) Im Archiv der Akademie der Künste Berlin hat er ihm nachgespürt. Briefe zwischen Peter Brasch und seinem zehn Jahre älteren, berühmteren Bruder Thomas Brasch sind in das Buch hineinmontiert, Auszüge aus dem Roman schön hausen (1999), aus Gedichten und Märchen.“
    Stefano Zangrando, Kleiner Bruder. Leben, Lieben und Werke des Peter B. (Eulenspiegel Verlag)
  • „Vom sanften Gebot“: Ein Rückblick auf die goldenen Zeiten der Kritik: Texte des Dichters und Schwärmers Peter Hamm über Literatur. „Der Band bietet keinen großen Ausblick und auch nicht sonderlich viel Gegenwart, sondern überwiegend den Blick zurück, als die Literaturkritik sich noch nicht vollständig dem saisonalen Druck der Verlage unterworfen hatte und in der Zeit noch Platz war für anlasslose Großessays.“
    Peter Hamm, Die Welt verdient keinen Weltuntergang. Aufsätze und Kritiken (Wallstein)

  • „Das tote Kind, das falsche Kind“: Tief in der Erde, Christa von Bernuths Roman nach dem Fall Ursula Herrmann. „Tief in der Erde ist der erste Kriminalroman der Autorin, der sich mit einem wahren Fall beschäftigt. Sie tut das mit Dezenz, dem nötigen Fingerspitzengefühl und mit Geschick, indem sie öfter die Erzähler-Perspektive wechselt, eine Journalistin einführt, die über den Prozess berichtete und sich später mit dem Bruder des Opfers trifft, indem sie aber auch einfach die naheliegenden Fragen anspricht.“
    Christa von Bernuth, Tief in der Erde (Goldmann)
  • „Der tägliche Neuanfang“: Autor Orkun Ertener geht in Was bisher geschah einem dramatischen Gedächtnisverlust nach. „Dem Kölner Drehbuchschreiber (…) ist mit seinem zweiten Roman ein wunderbar lebenskluges Buch über den Selbstfindungsprozess von zwei jungen Menschen gelungen, die sich erst vorsichtig hineintasten müssen in diese Welt.“
    Orkun Ertener, Was bisher geschah – und was niemals geschehen darf (Fischer Scherz)
  • „Auf dass Gefangene zu Wort kommen“: Erfahrungsberichte aus dem Dresdner Knast in einem Buch. Anmerkungen des Herausgebers Ulfrid Kleinert: „Zum Schluss sei – drittens – die Dramaturgie genannt, die dem Buch zugrunde liegt. Sie läuft auf die Erkenntnis hinaus, dass große geschlossene Gefängnisse eine gewaltige Fehlinvestition vergangener Jahrhunderte sind, aber viele kleine, regional verankerte und auf Beziehungsstrukturen aufbauende Projekte dazu helfen können, das Resozialisierungsziel des Justizvollzugs eher zu erreichen.“
    Ulfrid Kleinert/ Lydia Hartwig (Hg.), Ein deutsches Gefängnis im 21. Jahrhundert (Notschriften-Verlag)
Anzeige
Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige