Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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- „Der Blick vom Bücherturm“: Wolfgang Beck, der lesende Verleger, wird achtzig. „Der Verleger Wolfgang Beck, der im öffentlichen Auftreten vom Gelehrten, der er mit anderem Namen hätte werden können, den Habitus der Zurückhaltung bewahrt, hat den entscheidenden Anteil am Aufstieg seiner vormaligen Abteilung zum wichtigsten deutschen Verlag für Gegenstände aus den Geisteswissenschaften. Mit bestimmtem Urteil hat er das Haus geführt, informiert und orientiert, kurz gesagt: als Leser.“
- „Und was kommt nach Erdogan?“: Ohne den strengen Nationalismus könnte dieses Land sein Potential entfalten: Maurus Reinkowski lotet hundert Jahre türkische Politik aus. „Maurus Reinkowskis „Geschichte der Türkei“ ist eine politische Geschichte der Türkei, in der das Handeln der politischen Akteure und das Staatshandeln im Vordergrund stehen. Ausführungen zur Wirtschaft kommen wenige vor, sozialgeschichtliche Beschreibungen und Analysen sowie Kulturgeschichte, die über den Bereich von Religion und politischer Kultur hinausgeht, fehlen. Aber das ist die Absicht des Autors, der auf diese Weise seine Stärken als Islamwissenschaftler ausspielen kann.“
Maurus Reinkowski, Geschichte der Türkei. Von Atatürk bis zur Gegenwart (C. H. Beck Verlag) - „Als die Kinos aus allen Nähten platzten“: Joseph Garncarz präsentiert neue Erkenntnisse über die Filmkultur zur Zeit des Nationalsozialismus. „Garncarz’ These lautet nun: Was in den Kinos erfolgreich war, ja auch, was für die Kinos produziert wurde, folgte gar nicht so sehr staatlichen Vorgaben, sondern reagierte auf die Vorlieben des Publikums und bediente sie.“
Joseph Garncarz, Begeisterte Zuschauer. Die Macht des Kinopublikums in der NS-Diktatur (Herbert von Halem Verlag) - „All der Wahnsinn geht schon irgendwann vorbei“: Was die Touristen lieben, ist den Bewohnern lediglich Ausdruck von Ödnis: Angela Lehners melancholisch-abgründige Jugendgeschichte 2001. „Angela Lehner schildert den kalten Nebel, in dem sich das Mädchen gefangen fühlt, sparsam und eindringlich – ein seelischer Ausnahmezustand, der mit der in Julias Augen öden Umgebung korreliert, die alle Touristen in Entzückensschreie ausbrechen lässt. (…) Wie schon in ihrem ersten Roman, Vater unser aus dem Jahr 2018, ist die Idylle ein einziger Abgrund aus Scheinheiligkeit und Grausamkeit.“
Angela Lehner, 2001 (Hanser Berlin Verlag)
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- „Flaschen auf Thronen“: Stephan Malinowski stellt sein Buch Die Hohenzollern und die Nazis (Propyläen) vor. Ein intellektueller Gewinn. „Malinowski, der bei seinem Auftritt in Jens Bisky vom „Hamburger Institut für Sozialforschung“ einen brillanten Moderator und in dem Zeithistoriker Magnus Brechtken einen präsidialen Sekundanten fand, legt wert auf begriffliche Genauigkeit.“
- „Parteilos“: Was bewirkt so eine Wahl, alle vier Jahre wieder inszeniert, in dieser Welt? Eine Erinnerung an Simone Weil und ein Plädoyer für die Philosophie. Von Durs Grünbein
- „Große Begabungen“: Zum 80. Geburtstag des Verlegers Wolfgang Beck. „Andere großartige Sachbuch-Erfolge sind seit dem innerfamiliären Wechsel an der Verlagsspitze hinzugekommen, doch die Backlist des Hauses bleibt die Wolfgang-Beck-List. Dass dies den immer noch jungen Altverleger, natürlich in aller Bescheidenheit, ein bisschen freut, sei heute, an seinem 80. Geburtstag, einfach einmal unterstellt.“
- „Sie nannten ihn Geist“: Ein Roman erzählt die Geschichte des Somaliers Mahmoud Mattan. 1952 war er der letzte Mensch, der in Cardiff gehängt wurde. „Die Autorin Nadifa Mohamed (…) bleibt auch mit ihrem dritten Roman in Thema und Machart bei ihrem Metier – der semi-biografischen Lebenserzählung mit somalischen Protagonisten, auf Basis von Recherchen, Archivarbeit und journalistischen Interviews. Ihr literarisches Ziel: Die Grenze zwischen Fakten und Fiktion zum Verschwinden zu bringen.“
Nadifa Mohamed, Der Geist von Tiger Bay (aus dem Englischen von Susann Urban; C. H. Beck) - „Buchmesse in 3G“: Die Frankfurter Buchmesse hat ihr Hygienekonzept vorgestellt. Demnach darf auf die Messe nur, wer geimpft, genesen oder getestet ist. Auf dem Messegelände gilt eine Abstandsregel von 1,5 Meter. In allen Innenbereichen muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Die Messe erwartet in diesem Jahr 15 000 Aussteller, maximal 25 000 Personen dürfen sich pro Tag auf dem Messegelände befinden.
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- „Die ganze Wahrheit“: Eva Menasses großer, kluger Roman Dunkelblum über Österreich und uns alle. „Menasse erkennt den Witz noch in der tiefsten Finsternis, das Absurde im Schrecken, und sie interessiert sich für die vielen kleinen individuellen Entscheidungen, aus denen Geschichte wird, Geschichten auf Leben und Tod werden.“
Eva Menasse, Dunkelblum (Kiepenheuer & Witsch)