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„Diesen Pflanzen gehört die Zukunft!“

Marisa Becker: „Das Buch richtet sich an alle, die ein bisschen Experimentierfreude in der Küche mitbringen und Lust auf Zukunft haben“

Marisa Becker liefert gemeinsam mit ihrem Vater Peter Becker in ihrem Buch 111 ungenutzte Pflanzen, die man gegessen haben muss (Emons) 111 Konsumchancen, um unserer Gesellschaft eine vielfältige Ernährung zu bieten und gleichzeitig die Agrobiodiversität und den fairen Handel zu fördern. Frei nach dem Motto: Es muss nicht immer Kartoffel sein! Anlass für Fragen an die Autorin:

BuchMarkt: Bereits der Titel Ihres Buches  111 ungenutzte Pflanzen die man gegessen haben muss verrät, worum es geht. Aber wieso gehört diesen Lebensmitteln die Zukunft?

Marisa Becker: Das hat unterschiedliche Gründe. Wir stehen als Weltgemeinschaft im Moment vor ganz unterschiedlichen Problemen, die aber alle miteinander zusammenhängen. Einmal wäre da der Klimawandel, der in Zukunft dafür sorgen wird, dass auch bei uns Ernten ausfallen. Wenn das Klima sich verändert, dann müssen wir neue Pflanzen finden, die wir als Lebensmittel anbauen können. Gleichzeitig beobachten wir eine sinkende Artenvielfalt, ja sogar ein Artensterben, das rasend schnell voranschreitet. Die Erde ist aber ein ausgeklügeltes Ökosystem, in welchem jede Art gebraucht wird. Und dann wäre da noch unser Wirtschaftssystem, das immer noch von kolonialen, ungerechten Strukturen bestimmt ist. Weiße Menschen im globalen Norden verdienen sich auf dem Rücken von BIPOC im globalen Süden eine goldene Nase. Das muss sich ändern. 

Durch Klick aufs Cover geht es zum Buch

Die 111 Pflanzen, die mein Vater und ich in unserem Buch vorstellen, bieten Ansatzpunkte, um diese Probleme anzugehen: Entweder, weil sie für unsere Landwirtschaft interessant sind, wenn sich das Klima verändert. Oder weil sie das Potential haben, den Menschen in den jeweiligen Herkunftsländern als Einkommen durch fairen Handel zu dienen. Außerdem spielen alle diese Pflanzen auf unserem Speiseplan quasi keine Rolle: Nur 30 der insgesamt rund 50.000 essbaren Pflanzen konsumieren wir regelmäßig. Das ist zu wenig! Deshalb glauben wir fest daran, dass diesen 111 Pflanzen die Zukunft gehört. 

Wie ist das Buch aufgebaut – beschreiben Sie jede einzelne Pflanze?

Das Buch ist alphabetisch aufgebaut und zu jeder Pflanze gibt es ein Portrait, bestehend aus Bild und Text. Was genau man zu jeder Pflanze erfährt, das variiert ein wenig. Bei Pflanzen, die man selbst sammeln kann, findet man in der Regel mehr Infos zu ihrem Aussehen, als bei solchen, die man im Supermarkt kaufen kann. Uns ging es darum, jeweils das Besondere der Pflanzen herauszustellen. Und auch, warum diese Pflanze für uns zu den 111 Pflanzen der Zukunft gehört. 

Peter Becker: Der Gesundheitsberater für Ernährung, Wildkräuter-Dozent und Pilz-Coach möchte mit seinen Büchern ungenutzte Ressourcen erschließen, die Ernährungswende fördern und sich der extensiven Warenkunde widmen

Wie entstand die Idee, über das alles ein Buch zu schreiben?

Tatsächlich hatte ich mich ursprünglich mit einer anderen Idee bei emons gemeldet. Im Dialog mit dem Verlag und meinem Papa, der schon etliche Bücher geschrieben hat und ein echter Experte auf seinem Gebiet ist, entstand dann die Idee, unsere Themen zu verbinden: Ich arbeite viel zu Umwelt, Klimawandel und sozialer Gerechtigkeit, mein Papa ist ein absoluter Pflanzen-Kenner. 

Also war Ihnen direkt klar, dass Sie Ihr Buch in der Emons-Reihe „111 …“ veröffentlichen möchten?

Ja, weil ich die Reihe selbst gerne mag und die Aufteilung in kleine Häppchen sehr angenehm finde. So können auch Menschen mit wenig Zeit (wie ich!) ein Buch ganz ohne Druck durcharbeiten. Außerdem mag ich die Reihe zu den Orten sehr gerne und habe mich dadurch schon oft inspirieren lassen. 

An wen richtet sich das Buch?

Das Buch richtet sich an alle, die ein bisschen Experimentierfreude in der Küche mitbringen und Lust auf Zukunft haben. 

Glauben Sie denn, dass die Menschen nicht genug für die Zukunft tun und eventuell sogar zu faul sind, sich mit genau diesen alternativen Lebensmitteln zu beschäftigen?

Ich finde es schwierig, Menschen zu unterstellen, dass sie zu faul sind. Wenn ich eins gelernt habe in den letzten Jahren, dann dass es höchst unterschiedliche Lebensrealitäten gibt. Nachhaltig leben und sich damit auseinanderzusetzen hat viel mit freien Kapazitäten und Bildung zu tun. Es ist ein Privileg, jede Kaufentscheidung aktiv hinterfragen zu können – überhaupt die Wahl zu haben, weil man über die finanziellen Mittel verfügt, ist ein Privileg. Auch für einige Lebensmittel, die wir in unserem Buch vorstellen, muss man Zeit einplanen, um sie sich zu organisieren. Auch das ist wieder eine Frage von Kapazitäten. Insofern würde ich Ihre Frage verneinen. 

Da uns das von Anfang an bewusst war, haben wir aber ganz gezielt auch solche Pflanzen aufgenommen, die man kostenlos  und vor unserer Tür findet. Darunter Spitzwegerich, Indisches Springkraut oder auch Brennnessel. 

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass unsere Auswahl sehr besonders ist. Insofern wird garantiert jeder und jede neue Impulse mitnehmen. Und das ist doch der Grund, warum man ein Buch kauft, oder? 

Mit welchen 3 Wörtern würden Sie persönlich das Buch beschreiben?

Bunt, aufregend und zukunftsweisend

 

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