Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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„Er wollte gar nicht jedermanns Liebling sein“: Niemand wusste, dass der große Schauspiel-Star da noch Tagebuch geführt hatte: Erstmals erscheinen Manfred Krugs Notate aus den Jahren 1996/97. „Krug starb 2016, seine Frau Ottilie vier Jahre später, im Nachlass der Eltern fanden die Kinder die Tagebücher und beauftragten zusammen mit ihrer unehelichen Halbschwester die langjährige Vertraute mit der Edition, der nach diesem Auftaktband zumindest noch zwei weitere Lieferungen mit Einträgen von 1998 bis 2003 folgen sollen.“
Manfred Krug, „Ich sammle mein Leben zusammen“. Tagebücher 1996 –1997 (hrsg. und mit Nachwort von Krista Maria Schädlich; Kanon Verlag)
„Mit dem Knüppel kritisieren“: Eine Schriftstellerin kämpft mit Verve und ohne Rücksicht auf Verluste für ihre Überzeugung eines anderen Indiens: Arundathi Roys aktuelle Essays. „Die Essays lassen sich bis in Einzelheiten auf die aktuelle nationale Politik ein, weshalb es wichtig gewesen wäre, die politische Entwicklung seit 2021 bis zum heutigen Zeitpunkt fortzuschreiben, etwa in einem Nachwort. Auch irritieren die vielen Wiederholungen, die entstanden sind, weil Roys Reden vor unterschiedlichen Zuhörerkreisen ähnliche Themen behandeln.“
Arundhati Roy, Azadi heißt Freiheit. Essays (aus dem Englischen von Jan Wilm; S. Fischer)
„In den Fluchten von Echoräumen“: Jürgen Partenheimer antwortet mit Bildern auf Gedichte von Frauen. Der Mainzer Kleinverlag Golden Luft hat daraus ein zauberhaft schönes Buch gemacht. „Partenheimer konzentriert sich auf eine minimalistische Formensprache, klar getuschte Flächen, feine Bleistiftlinien, Momente in Aquarell. Leergelassenen Raum. Das lädt zu offener Betrachtung, vielleicht Meditation ein.“
Jürgen Partenheimer, One Hundred Poets. Sechzehn Gedichte (Nachwort von John Burnside; Golden Luft Verlag)
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„Ein Angriff auf die Zeit“: Lässt sich das Vergehen aller Dinge so aufhalten? Jon Fosses lyrischer Roman Ich ist ein anderer. „Doch scheint Jon Fosse mit diesem Kammerspiel in (buchstäblich, Dialoge ausgenommen) Fließtext etwas weitaus Größeres zu gelingen als eine Variation auf ein bekanntes Thema aus dem Norden: Es gibt nicht viele literarische Werke, die über eine Suche nach der verlorenen Zeit tatsächlich noch etwas Vernünftiges sagen könnten.“
Jon Fosse, Ich ist ein anderer. Heptalogie III – V. (aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel; Rowohlt)
„Die mit den Stürmen kämpfen“: Einar Kárason erzählt von einer Bootsbesatzung in der entfesselten Natur. „Kárasons Thema ist (ja auch) die existenzielle Grenzsituation, das Verschmelzen einer Gruppe von Männern zu einer Art Organismus aus Haut und Knochen, Verstand und Mut, der sich der Gewalt einer entfesselten Natur entgegenstemmt.“
Einar Kárason, Sturmvögel. Roman (aus dem Isländischen von Kristof Magnusson; btb)
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„‚Wir sind ja nicht gerade eine wissensgetriebene Gesellschaft“'“: Der Soziologe Armin Nassehi im Gespräch über Expertentum und Gewohnheit in Klima- und Corona-Fragen – und ein Freiheitsverständnis, das darin besteht, auf keinen anderen Rücksicht nehmen zu wollen.
Armin Nassehi, Unbehagen. Theorie der überforderten Gesellschaft (C. H. Beck)