In den Feuilletons der großen Zeitschriften ist es das zentrale Thema: „Wie oft kann man eine Großveranstaltung absagen, bevor sie in ihrer Existenz bedroht ist?“ (FAZ). In den Themen der Kulturzeit (3sat) ging es gestern auch um die Absage der Leipziger Buchmesse.

Oliver Zille, Direktor der Leipziger Messe betone noch einmal: „Man muss sich schon sehr zusammennehmen. Es ist sehr deprimierend. Wir haben bis zum heutigen Tag eine ganze Reihe von Verlagen, die sagen: ‚Wir schätzen die Lage anders ein, wir hätten das mit euch durchgezogen‘. Wir haben keine eindeutige Sachlage. Die Gesellschaft ist in Bezug auf Corona sehr zerrissen und so ergeht es uns hier auch. Kein guter Zeitpunkt, keine gute Stimmung.“

Große Verlage, sagten bereits früh ihre Teilnahme ab. „Das Risiko war zu groß.“ Dazu sagt Thomas Rathnow, CEO Penguin Random House Verlagsgruppe: „Für uns ist das extrem bedauerlich, dass diese Entscheidung getroffen wurde. Ich glaube zum jetzigen Zeitpunkt aber auch nicht anders getroffen werden konnte. Wir hatten als Verlagsgruppe insgesamt über 60 Veranstaltungen geplant, Teams haben über Monate daran gearbeitet, eine große Wiederbegegung von Publikum und AutorInnen zu ermöglichen. Wir hatten angesichts der pandemischen Lage aber große Schwierigkeiten, unseren Messestand – in der üblichen Weise mit der notwendigen Logistik – zu realisieren.“

Kleinere, unabhängige Verlage haben ganz andere Probleme. Was die Absage für sie bedeutet, erklärt Verleger Stefan Weidle: „Das sind große Einbußen. Wir haben z.B. ein Buch unserer portugiesischen Autorin und auch die Auflage so kalkuliert, dass wir eine Lesereise mit ihr machen. Es wäre sehr wichtig gewesen, dass diese Autorin also auf der Messe in den Dialog mit ihren LeserInnen treten kann. Wir haben entsprechend nur die Hälfte der Auflage verkauft und werden wohl auch die andere Hälfte nicht mehr verkaufen.“

Chefredakteur des Börsenblatts Torsten Casimir sagt: „Es war die ganz richtige und ganz traurige Entscheidung, die Leipziger Messe abzusagen. Es gibt keinen Buchmenschen der nicht relativ bedrückt durch die letzten Tage gegangen ist. Es hätte aber nicht mehr funktioniert. Es wären nicht genug Aussteller gekommen, es hätte eine kritische Masse nicht ergeben. Dann wird es gespenstisch (…) wenn sie in eine leere Halle gehen und da stellen zehn Unternehmen aus, dann ist das einfach nicht mehr sinnvoll.“
Auf die Frage der Moderatorin, ob er das Ende der Messe nicht auch mit herbeigeschrieben habe, antwortet er: „Ich sage mal vorweg: Die emotionale Lage in Leipzig ist extrem angespannt. Deshalb habe ich Verständnis für diese Reaktionen. Doch das was ich am Montag geschrieben habe, waren recherchierte Sachverhalte. Es gab diese Absagen der großen Verlagshäuser (…). Die Diskussion, wie muss eigentlich eine Buchmesse der Zukunft aussehen, die hat spätestens heute begonnen. An diesem eigentlich traurigen Tag. Wie wollen wir es denn eigenlich zukünftig machen? Aber ich bin mir schon sicher, wir werden uns nächstes Jahr alle in Leipzig sehen!“