Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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„Ein kulinarisches Experiment“: Wenn der Fischadler zum Koch wird: Eric C. Rath erzählt die vertrackte Geschichte des Sushis und stellt besonders kuriose Zubereitungsarten vor. „Wer sich jenseits der Maguro-Sake-Avocado-Komfortzone über Sushi informieren will, sollte sich an Eric C. Rath halten. Der amerikanische Lebensmittelhistoriker lehrt an der Universität Kansas, ist auf die Erforschung japanischer Essenskultur spezialisiert und hat mit Oishii (zu Deutsch: lecker) eine anschaulich illustrierte Geschichte des Sushis vorgelegt.“
Eric C. Rath, Oishii. The History of Sushi (Reaktion Books)
„Was nicht erlitten wurde, kann erdichtet werden“: Begründung einer poetischen Gemeinschaft: Ronya Othmanns erster Lyrikband Die Verbrechen. „Sehen, was sich nicht begreifen lässt. Begrifflich fassen, was nicht zu sehen ist, weil man es hinter sich lassen musste. Dem Moment des Verlassens verleiht Othmann stets einen Akut: Immer wieder beschwört sie den Eindruck, als habe das angesprochene Du seinen angestammten Platz gerade eben erst verlassen.“
Ronya Othmann, Die Verbrechen. Gedichte (Hanser)
„Mit Ideen muss man zündeln“: Gegenaufklärer unter sich: Der Briefwechsel zwischen Joseph de Maistre und Louis de Bonald. „Die Verarbeitung dieser historischen Schockwellen lässt sich in dem erstmals auf Deutsch erschienenen, von Alexander Pschera sorgfältig edierten und übersetzten Briefwechsel zwischen de Maistre und Bonald verfolgen, wobei der Reiz der insgesamt dreiundzwanzig Briefe nicht zuletzt im beständig zwischen Ironie und Verzweiflung changierenden Ton der beiden Verfasser liegt.“
Louis de Bonald und Joseph de Maistre, Europa auf dem Pulverfass. Briefwechsel 1812–1821 (hrsg. und aus dem Französischen von Alexander Pschera; Matthes & Seitz)
„Ausgraben allein genügt nicht“: Ein junger alter Hase: Albert C. Eibl setzt mit seinem Verlag „Das vergessene Buch“ auf Wiederbelebung in vielfacher Hinsicht. „Das Verlagskonzept, Vergessenes wiederzubeleben, ist nicht neu. Die von Franz Greno und Hans Magnus Enzensberger gegründete ‚Andere Bibliothek‘ ist seit 1985 aktiv, vor fünf Jahren nahm in Berlin der Verlag ‚Das kulturelle Gedächtnis‘ den Betrieb auf. Zu diesem Zeitpunkt war der junge Deutsche in Wien schon drei Jahre im Geschäft, und zwar als Autodidakt. Bücher zu ‚machenu‘, das musste Eibl erst lernen.“
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„Verdichtete Trauer“: In der Hochdruckkammer der Gefühle: Fatma Aydemirs Dschinns ist ein Familienroman von außerordentlicher Intensität. „Fatma Aydemir inszeniert diesen hoch verdichteten Trauer-Augenblick als eine Mischung aus Kammerspiel und Roadnovel. Und sie haucht ihm zugleich epischen Atem ein. Ihr deutsch-türkischer Familienroman, der kurz vor der Jahrtausendwende spielt, ist ein Wunderwerk an Präzision und Einfühlung.“
Fatma Aydemir, Dschinns (Hanser)
„Auf der Höhe seiner Kunst“: Was für ein Fund: der junge Fontane als Übersetzer. „Da ist der Anderen Bibliothek, die sich auf vergessene oder anders besondere Bücher in edler und origineller Ausstattung spezialisiert, ein echter Fund gelungen: Theodor Fontane, von dem es stets hieß, er habe sich erst spät im Leben dem Roman zugewandt, hat sich tatsächlich bereits als junger Mann, gerade mal in seinen Zwanzigern, intensiv mit dem Genre beschäftigt, ja selbst ein komplettes Exemplar produziert, das unverkennbar schon den späteren Autor ahnen lässt – in Gestalt einer Übersetzung aus dem Englischen.“
Catherine Gore, Der Geldverleiher. Ein viktorianischer Roman (aus dem Englischen von Theodor Fontane; herausgegeben und eingeleitet von Iwan-Michelangelo D’Aprile; Die Andere Bibliothek)
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„Ein Teil von gar nichts sein“: Die „Kanakenseite“ und die andere: Fatma Aydemir findet in Dschinns einen eigenen Ton, um von Migration zu erzählen. „Dieses Buch will viel. Fatma Aydemir spricht in ihrem Roman unterschiedliche Aspekte des Migrationsspagats an, arrangierte Ehen, das Trauma der bei den Großeltern in der Türkei zurückgelassenen Gastarbeiterkindern, die Verleugnung der kurdischen Identität, die Einsamkeit der Gastarbeiter-Hausfrauen auf hier 68 Quadratmetern Deutschland, Racial Profiling, Sexualmoral – all diese Dschinns, die Geister, die in den Leben der Familienmitglieder herumspuken. Auch Ungerechtigkeiten, von denen man als Angehöriger der Mehrheitsgesellschaft wenig Ahnung hat. Aber man hat nie das Gefühl, dass die Autorin eine Liste abarbeitet. Sie entwickelt ihre Protagonisten so, dass man ihnen gespannt folgt.“
Fatma Aydemir, Dschinns. Roman (Hanser)