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„Das Buch ist eine Wundertüte“

Katharina Hagena: „Das Buch ist eine Wundertüte: Es streift die Kulturgeschichte und die Physiologie, versammelt Betrachtungen zur Literatur mit autobiografischen Elementen. Und nebenbei ist es wahrscheinlich auch die erste Lyrik-Anthologie zum Thema Gesang, wobei ich eine große Befriedigung und Freude aus dem Übersetzen der englischen Gedichte gezogen habe. Und letztlich ist es auch eine Ermutigungsschrift.“ (c) Henrik Spohler

Literaturwissenschaftlerin Katharina Hagena richtet ihren Blick in ihrem Buch Herzkraft (Arche) auf die Musik, Physiologie, Soziologie, Kulturgeschichte und das, was mit uns geschieht, wenn wir anfangen zu singen. Anlass für Fragen:

BuchMarkt: Worum geht es in dem Buch Herzkraft?

Katharina Hagena: Es geht ums Singen. Darum, was Singen auslöst – sowohl in den Singenden als auch in denen, die dem Gesang lauschen. Ich greife aber nur die Aspekte des Singens auf, die mich selbst interessieren und bewegen. Das führt vom Singen in der Literatur bis zum Singen in der Dusche, vom Singen gegen ein politisches Regime bis zum Singen gegen die Reiseübelkeit, vom pausenlos dahinströmenden Vogelgesang bis zur Atemlehre einer meiner Großtanten. Ich versuche zu erklären, warum Singen und Schreiben eigentlich dasselbe sind, und warum man beim Singen das Hören lernt. Und natürlich konnte ich nicht nicht über das Schweigen schreiben.

Handelt das Buch also ausschließlich vom Singen?

Beim Singen geht es immer um alles.

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Wie entstand denn die Idee, darüber überhaupt ein Buch zu schreiben?
Eigentlich habe ich schon in meinem Roman Vom Schlafen und Verschwinden viel über Gesang und Atem geschrieben. Ich beschäftige mich schon lange mit beidem. Vielleicht hat aber der erste Lockdown und das damit einhergehende Chorverbot dazu geführt, dass ich in Ermangelung von mehrstimmigem Gesang ein möglichst vielstimmiges Buch darüber schreiben musste.

Welchen Bezug haben Sie zum Singen?

Ich bin Amateurin im wahrsten Sinne des Wortes. Singen macht mich froh. Und damit stärker. Ich komme aus einer sangesfreudigen Familie und habe inzwischen eine eigene sangesfreudige Familie. Ich singe gern in Chören und kleinen Ensembles.

Was macht das Singen denn aus Ihrer Sicht so besonders?

Singen, wenn es denn klappt, kommt dem Fliegen schon sehr nahe, finde ich. Die Stimme schwebt über dem Luftstrom des Atems, und die Töne füllen einen ganzen Raum. Das ist beglückend und heilsam.

Könnten also einfach ausgesprochene Worte auf keinen Fall so intensiv wirken?

Ganz viel kann so intensiv wirken und natürlich auch ein gesprochener Text, zum Beispiel von Shakespeare oder Ingeborg Bachmann (sogar ein nicht gesprochener vermag das). Tanzen kann es, Bildende Kunst, Literatur, jede Art von Musik, und alles, was mit Liebe zu tun hat. Ich finde aber, Singen ist die einfachste, schnellste und unkomplizierteste Art, einen Zugang in diese Gefühlswelt zu erlangen. Wir haben unsere Stimme und Hunderte von Liedern immer bei uns, können aber mit Glück vielleicht nur drei Shakespearemonologe aufsagen.

Welche Reaktionen erhoffen Sie sich, und wen möchten Sie mit dem Buch ansprechen?

Alle. Aber falls eine Person nach der Lektüre dieses Buchs Lust verspürt, zu singen und es vielleicht sogar tut, wäre das wohl das Schönste.

Und der Buchhändler, mit welchem Argument kann der das Buch im Laden ideal verkaufen?

Was Buchhändler*innen können, das können natürlich nur Buchhändler*innen. Aber wenn mich Leute fragen, sage ich, es ist eine Wundertüte: Es streift die Kulturgeschichte und die Physiologie, versammelt Betrachtungen zur Literatur mit autobiografischen Elementen. Und nebenbei ist es wahrscheinlich auch die erste Lyrik-Anthologie zum Thema Gesang, wobei ich eine große Befriedigung und Freude aus dem Übersetzen der englischen Gedichte gezogen habe. Und letztlich ist es auch eine Ermutigungsschrift. Langer Rede, kurzer Sinn: Das Verkaufsargument wäre wohl im Sinne der Horazschen Forderung: Entweder könnte es nützen oder unterhalten. Und im Idealfall beides.

Diese 3 Wörter beschreiben das Buch ideal:

Herzkraft für alle!

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