Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
![]()
„Er war Staatsfeind und Wohltäter in einem“: Alfred Hornung zeichnet das Leben Al Capones nach und erklärt, warum der Gangster bis heute einen festen Platz im kollektiven Gedächtnis Amerikas hat. „Die Darstellung verrät den Amerikanisten, mit Verweisen auf Literatur und kulturgeschichtlichen Kontextualisierungen ebenso wie mit der nüchternen Sprache. Weitgehend ausgeblendet bleibt die Organisation des Syndikats, das Capone, der nie ein Bankkonto besaß, zu einem anderen Rockefeller aufsteigen ließ. Mit der Analyse der mafiösen Geschäftspraxis hätte Hornung die Ganoven-Ikone noch weiter der Legendenbildung entziehen können. Vor allem die abschließend behandelten Filme Brian de Palmas haben Al Capone ins Mythische überhöht.“
Alfred Hornung, Al Capone. Der amerikanischeTraum und dasorganisierte Verbrechen (WBG/Theiss Verlag)
„Und dann erzählen sie uns, wie lieb sie uns haben“: Ein schwarzer Musiker sucht seinen Platz: William Melvin Kelleys Roman Ein Tropfen Geduld. „Jetzt ist Kelleys zweiter Roman in einer Übersetzung von Kathrin Razum erschienen. Und auch hier hat der Hoffmann und Campe Verlag ein kleines Juwel gehoben. (…) William Melvin Kelley hat einen locker rhythmisierten, mitreißenden Text über einen großen Musiker geschrieben, der nie einen Platz in der amerikanischen Gesellschaft hatte – weder in der schwarzen Community von New Marsails noch im Künstlermilieu von Harlem.“
William Melvin Kelley, Ein Tropfen Geduld. Roman (aus dem amerikanischen Englisch von Kathrin Razum; Hoffmann und Campe)
„IQ-Tests? Überbewertet!“: Der Philosoph und Kognitionswissenschaftler Paul Thagard erörtert am Beispiel von Tieren, Menschen und Maschinen, was eigentlich Intelligenz ist. „Paul Thagard ist Philosoph und Kognitionswissenschaftler, Mitglied der Royal Society in Kanada und ehemaliger Professor an der Universität Waterloo. Geschrieben hat er nun einen munteren Band mit dem Ziel, einzuordnen und greifbar zu machen, worum es sich bei Intelligenz handelt. Dies ausdrücklich vor dem Hintergrund, dass neben Menschen nicht nur Tiere darüber verfügen, sondern auch Computer zunehmend Fähigkeiten erlangen, die wir als intelligent auszeichnen.“
Paul Thagard, Bots and Beasts. What Makes Machines, Animals, and People Smart? (The MIT Press)
![]()
„‚Vollkommen ausradiert'“: Seit dem 19. Jahrhundert treten schwarze
Künstlerinnen in Deutschland auf. Die Historikerin Kira Thurman hat ihre Geschichten recherchiert. Ein Interview.
Kira Thurman, Singing Like Germans. Black Musicians in the Land of Bach, Beethoven, and Brahms (Cornell University Press)
„Im falschen Bewusstsein“: Der Mediziner Martin Bleif will in seinem Buch Das Tier in uns beweisen, dass uns Menschlichkeit in den Genen liegt und scheitert grandios. „Ob das Buch seinen Zweck erreichen wird, der Biologie ihr Recht zu geben und zugleich dem Biologismus den Weg zu vertreten? Wer sich durch Bücher dieses Umfangs kämpft, pflegt von vornherein schon keiner der Verbohrten zu sein, die Bleif widerlegen will. Die dürfte schon die bloße Form abschrecken. Als Diskurs aber überzeugt das Buch nicht.“
Martin Bleif, Das Tier in uns. Die biologischen Wurzeln der Menschlichkeit (Klett-Cotta)
![]()
„Einmal Vorbild und zurück“: Über Jahrzehnte inspirierte Michael Rutschky eine Schule der intellektuellen Selbstbildung. Marc Degens wagt den Rückblick auf eine seltsame Beziehung. „In seinen besten Momenten ist es ein aus tiefer Verunsicherung hervorgegangener Essay über verletzte Eitelkeit, das eigene Schreiben und den Kulturbetrieb, der sich zunehmend über Facebook und Twitter über sich selbst verständigt. Degens’ Text wird zu einem Protokoll der Verstörung, nachdem er in Rutschkys Tagebuch jene ihn selbst betreffenden Stellen gelesen hat, ängstlich zunächst, dann zornig.“
Marc Degens, Selfie ohne Selbst (Berenberg)







