Robert Fockens Leidenschaft gilt der Geschichte. Die Zeit Karls des Großen in Hessen, Westfalen, Bayern oder Hamburg: Weichenstellung für das spätere Deutschland. Über seinen neuen Roman Arnulf – Der Herr der Elbe (acabus) sagt er: „Der Leser sitzt beim Werden der deutschen Lande immer in der ersten Reihe!“ Anlass für Fragen:

buchmarkt.de: Lieber Herr Focken, mit Arnulf – Der Herr der Elbe erscheint bereits der vierte Teil deiner Reihe um Arnulf, den fiktiven Hundertschaftsführer Karls des Großen. Worum geht es in dem Buch?
Robert Focken: Mal wieder um das pralle, wilde Leben im frühen Mittelalter! Unser Held errichtet mit seiner Frau und den drei erwachsenen Kindern eine eigene Herrschaft jenseits der Nordgrenze des Frankenreichs. Mit dem König hat Arnulf sich verfeindet – er muss sich einen Platz zwischen Holsten und Stormarn, zwischen Abodriten und Dänen erkämpfen. Am Ende aber holt ihn der rächende Arm Karls vor den Toren der just gegründeten hamarburg (Hamburg) ein…
Wie kam Arnulf dazu, Heerführer in Karls Reihen zu werden?
Arnulf floh ursprünglich wegen eines Brauthändels aus dem Hessengau nach Frankfurt, wo er vom Heerzug König Karls aufgesogen wurde. Der rüstete zum ersten Großfeldzug gegen die Sachsen. Als Holzhauer konnte Arnulf mit der Axt umgehen: Das nutzt dem eher heißblütigen Jungkrieger beim Überleben auf den Schlachtfeldern. Er erwirbt den Respekt des Königs und verliebt sich ausgerechnet in die Schwester des Westfalen-Herzogs Widukind – dem Erzfeind Karls. Um diese Frau an sich zu binden und den Herzog abzuwehren, muss Arnulf sich mehr als einmal weiterentwickeln!

Arnulfs Heldenreise begleitet also die historischen Umwälzungen der Zeit?
Ja, wer die Bücher liest, hat drei Jahre Geschichtsunterricht gespart! Karl bekam ja den Beinamen „der Große“, weil er ein Erobererkönig par excellence war. Eine Kraftnatur, die strategische Weitsicht mit dem Management-Geschick eines Konzernlenkers verband! Er prügelte die Sachsen ins Reich, zähmte die Elbslawen und christianisierte alle miteinander auf mitunter blutige Weise. Karl sah sich in der Nachfolge König Davids als Errichter eines Gottesreichs. Dass sich später nationale Volksstaaten aus der Ursuppe Mitteleuropas erheben würden, hätte ihn durchaus verblüfft! Es reicht doch, Christ zu sein, hätte er wohl gesagt.
Welche großen Gegner Karls tauchen neben Widukind in der Reihe noch auf?
Zum Beispiel der Bayern-Herzog Tassilo. Mit seiner listig aktivistischen Frau Leutberga gehörte er zur Fundamental-Opposition im Reich – kein Scherz, es war mit den Bayern damals so ähnlich wie heute! Um Tassilo zu stürzen, muss Arnulf allerdings einen hochbrisanten „Undercover“-Einsatz in Regensburg, Tassilos Festung, überstehen. Südlich der Alpen hatte Karl kurz zuvor bereits die Langobarden mit ihrem König Desiderius niedergerungen, weil sie dem Papst gefährlich wurden – und weil dieser Papst dann in der Schuld des Frankenkönigs stand! Daraus folgt Karls Kaiserkrönung in Rom, der Deal des Jahrhunderts, oder besser des Jahrtausends, wie die Leser nach und nach erfahren werden. Auch Einhard, Karls intellektueller Königsberater, mischt in Rom mit: Er klaut nebenbei Reliquien für seinen Grundbesitz in Seligenstadt am Main. Ja, das machte man damals so!
Im neuen Roman errichtet Arnulf die hamarburg, also die Urzelle Hamburgs. Die Stadtgründung wird ja im Allgemeinen Karl dem Großen zugeschrieben?
Das ist halbwegs richtig. Wie auch bei den vorherigen Arnulf-Bänden arbeitete ich so nah an den geschichtlichen Fakten wie möglich und nutzte so viel Fantasie wie nötig. Vermutlich errichteten fränkische Besatzungstruppen um das Jahr 800 herum eine erste Burg, die Hammaburg (der korrekte Name), an der Alstermündung. Karl hatte beschlossen, Nordelbien zu annektieren und so zwangsverfrachtete [deportierte] er Tausende der Trutzigen nordliuiti ins Altreich, um sie gefügig zu machen. Kein Wunder, dass sie sich im Roman schließlich mit dem Karls-Gegner Arnulf verbünden; diesem „Eindringling“ treten sie anfangs noch in einer blutigen Schlacht bei Bornhöved, unweit des heutigen Neumünster, gegenüber. Immer wieder wechselten die Allianzen. Nordelbien glich einem brodelnden Völkerkessel, auf dem ein enormer Druck war!
Wie weit soll die Reise noch gehen?
Weit! Meine Vision ist es, das deutsche Mittelalter in einer einzigen Romanreihe abzubilden. Etwa bis zur Zeit der Habsburger (Ende d. 13. Jh.), die dann das Spätmittelalter einläuten. Meine Romanfiguren werden die mehr oder weniger knackigen Nachkommen Arnulfs sein, die die herrschenden Königs- und Kaisergeschlechter im Stil einer Rose begleiten, die sich um den Stock windet – jahrelang, jahrhundertelang. Der Leser sitzt also beim Werden der deutschen Lande immer in der ersten Reihe!
Fazit: Schöne Abenteuer und spannende Typen gibt es also auch bei uns!?
Mehr als genug, ja! Und wenn wir diese Typen lebensnah und kurzweilig schildern, mit Mut und Leidenschaft, mit Blut und Schweiß, Angst und Tränen, wer braucht dann noch Netflix? 😊
Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch im Laden gut verkaufen?
„Arnulf – Der Herr der Elbe ist ein Historienspektakel mit Niveau! Im Großen erleben wir Karl den Großen, der mit heidnischen Sachsen, Dänen und Slawen um die Elblande kämpft. Hamburg wird gegründet und Holstein ist im Werden. In der Nahaufnahme finden sich die Leserinnen und Leser auf Karls Hof wieder, erleben die blutigen Intrigen um den homosexuellen Thronfolger und sind hautnah an einer Familie, die dem mächtigsten König seiner Zeit trotzt. Und selbst „Me too“ ist ein Thema, denn es geht auch um einen Schändungsprozess, der ein Reich in den Abgrund reißt.
Diese 3 Wörter beschreiben das Buch ideal:
Spannend, kraftvoll, aber mit viel Empathie. Ein Geschichtsdrama mit Biss, würde ich sagen.
Welche Leserschaft soll damit angesprochen werden?
Das Buch richtet sich an Leserinnen und Leser, die „große“ Geschichte verpackt in menschliche Schicksale lesen möchten. Solche, die historisch fundierte Romane mit Zeitkolorit und Niveau schätzen. Sozusagen für „Fans“ von Bernard Cornwell, Simon Scarrow oder David Gilman.