Home > News > Gerstenberg-Verlegerin Daniela Filthaut solidarisiert sich mit ihren mutigen russischen Kolleginnen und Kollegen

Gerstenberg-Verlegerin Daniela Filthaut solidarisiert sich mit ihren mutigen russischen Kolleginnen und Kollegen

Daniela Filthaut

Gerstenberg-Verlegerin Daniela Filthaut solidarisiert sich mit den russischen Kolleginnen und Kollegen, die einen offenen Brief an Putin veröffentlicht haben. In diesem Zusammenhang wünscht sie sich, dass den mutigen Kulturschaffenden auch weiterhin eine Bühne auf  internationalen Buchmessen geboten wird. Sie sagt:

„Einige russische VerlegerInnen, AutorInnen und IllustratorInnen haben sich vorgestern in einem offenen Brief, veröffentlicht auf Echo Moskau, dem einzigen noch unabhängigen Rundfunksender, an die russische Regierung gewandt. Dieser Brief erreichte uns gestern und ist inzwischen viral in den sozialen Medien. Wir bewundern den Mut unserer russischen VerlagskollegInnen und ihrer KünstlerInnen.

Ihnen gilt wie unseren ukrainischen VerlagskollegInnen und ihren KünstlerInnen unsere Solidarität. Unsere Verlagsbranche ist international. Die Arbeit an Büchern verbindet! In unserem Programm finden sich großartige Titel ukrainischer und russischer KünstlerInnen. Die Entscheidung der Bologna Book Fair und der Frankfurter Buchmesse, Russland von der Teilnahme auszuschließen, halte ich diesem Zusammenhang für falsch. Lassen Sie uns Brücken erhalten und nicht einreißen!“

Die Internationale Kinderbuchmesse in Bologna soll in gut zwei Wochen als Präsenzmesse stattfinden. Die Veranstalter*innen hatten gestern erklärt:

„The Bologna Children’s Book Fair and its associated brands wish to express their condemnation of Russian aggressions in Ukraine. BCBF can confirm that, with immediate effect, the cooperation with all the Russian state institutions in charge of the organization of the Russian collective stand in the forthcoming fair is suspended.

BCBF, BolognaBookPlus and Bologna Licensing Trade Fair have been, and continue to support, the Ukrainian Publishers‘ Association and will continue to promote their books, illustrators and writers in their absence at this year’s event.

Books across all ages remain a bridge between cultures and never before has the publishing industry, for children and everyone, been more important.“

Auch der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Juergen Boos, hat gestern den russischen Angriff auf die Ukraine aufs Schärfste verurteilt. In einem Statement sagte er: Vor dem Hintergrund des völkerrechtswidrigen Einmarsches der russischen Föderation in die Ukraine hält die Frankfurter Buchmesse jede Zusammenarbeit mit den staatlichen russischen Institutionen, die für den russischen Gemeinschaftsstand auf der Frankfurter Buchmesse verantwortlich sind, für ausgeschlossen. Die Frankfurter Buchmesse sichert den ukrainischen Verlegerverbänden ihre volle und uneingeschränkte Unterstützung zu.“

Update: Zur Einordnung hat die Frankfurter Buchmesse ein FAQ ergänzt:

„Ist der russische Nationalstand ein Gemeinschaftsstand russischer Verlage?
Bei dem Stand handelt es sich nicht um einen Gemeinschaftsstand, an dem viele russische Verlage ausstellen. Es war in der Vergangenheit ein rein staatlicher Stand, der Veranstaltungen für die russische Gemeinschaft im Rhein-Main-Gebiet durchgeführt hat.

Richtet sich der Ausschluss auch an russische Autor*innen und Verlage?
Die Maßnahme wendet sich nicht gegen russische Autorinnen und Autoren und die Zugänglichkeit von deren Buchproduktion.

Einzelstände von russischen Verlagen wird die Frankfurter Buchmesse weiterhin zulassen, auch wenn diese Zulassung angesichts der verhängten Sanktionsmaßnahmen eher eine theoretische Möglichkeit sein wird (eingeschränkter Zahlungsverkehr, Einschränkungen des Flugverkehrs etc.).

Warum schließt die Frankfurter Buchmesse den russischen Nationalstand aus?
Der militärische Überfall Russlands auf das unabhängige und souveräne Nachbarland hat das Ziel, die Ukraine von der Landkarte zu löschen. Dies ist ein unvergleichlicher Vorgang in der jüngeren europäischen Geschichte und er bedarf einer klaren eindeutigen Haltung.

Hinter dem Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine steht ein Angriff auf die Grundrechte, wie sie in der Deklaration der Menschenrechte festgehalten sind. Er geht aktuell einher mit der Unterdrückung und verstärkten Verfolgung oppositioneller Stimmen in der Russischen Föderation. Derzeit geraten die bislang noch verbliebenen Reste einer liberalen Öffentlichkeit in der Russischen Föderation massiv unter Druck, unterliegen massiven Einschränkungen in ihrer Berichterstattung und erhalten zum Teil Publikationsverbote.

Damit liegt ein sachlich gerechtfertigter Grund vor, der nach Überzeugung der Frankfurter Buchmesse auch der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts mit ihren hohen Anforderungen an die Gewährung von Meinungsfreiheit standhält. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass sich die Maßnahme nicht gegen russische Autorinnen und Autoren und die Zugänglichkeit von deren Buchproduktion wendet.

Die Maßnahmen der Frankfurter Buchmesse finden sich im Einklang mit denen anderer internationaler Buchmessen und auswärtiger Kulturvermittler und sind damit ein gemeinsames, internationales Signal an die Regierenden in der Russischen Föderation.

Warum lässt die Frankfurter Buchmesse, abseits dessen, Nationalstände aus allen Ländern zu?
Einer der Grundpfeiler der Frankfurter Buchmesse ist ihre Internationalität. Dahinter steht der Leitgedanke, die Frankfurter Buchmesse als sicheren Hafen für Autor*innen und Verlage aus der ganzen Welt zu erhalten: Wir wollen diese große Veranstaltung zu einem Zielort machen, an welchem aufgenommene Dialoge weitergeführt werden können. Die Frankfurter Buchmesse fördert den kulturellen und intellektuellen Austausch zwischen allen Ländern, weil dieser Austausch und die persönlichen Kontakte auf lange Sicht ein konfliktfreieres Miteinander unterstützen.

Durch ihre Präsenz auf einer internationalen Großveranstaltung wie der Frankfurter Buchmesse müssen sich auch autokratische Staaten der Kritik einer politisch gebildeten und aktiven Öffentlichkeit stellen. Die Zusammenarbeit mit Organisator*innen von Nationalständen ist eingebettet in intensive, bilaterale Beratungsangebote, Workshops und Seminare. Alle diese Maßnahmen dienen, ebenso wie unsere Beteiligungen an internationalen Buchmessen, vor allem dazu, den Austausch mit der Zivilbevölkerung zu pflegen, die deutsche Buchkultur zu präsentieren und Anlaufstelle für demokratische Bewegungen vor Ort zu sein.“

Anzeige
Anzeige

Eine Antwort

  1. Bravo Daniela – Bravo! Nicht alle in Russland unterstützen die unglaubliche und menschenverachtende Politik dieses machtgeilen „Herrschers“ Putin. Gerade auch die Kolleginnen und Kollegen aus den Kinder- und Jugendbuchverlagen die wir von den Buchmessen kennen sind klar denkende, aufgeklärte Menschen, die mit ihrem offenen Brief in Russland für sich gerade ein auch großes persönliches Risiko eingehen. Und auch mich erreichen E-Mails und Nachrichten dieser Kolleginnen und Kollegen die klar sagen, wir sind nicht an Putin’s Seite. Diese jetzt hier zusätzlich „zu bestrafen“ halte ich auch für den falschen Weg. „Die Brücken nicht einreißen“ – das hast Du fein formuliert. Natürlich halten wir zur Ukraine in dieser unfassbaren und extrem traurigen Situation in einem „aufgeklärten“ Europa des 21. Jahrhunderts. Aber auch die Menschen, die sich in Russland gegen den (Größen-) Wahnsinn von Putin wehren haben ebenfalls unseren allergrößten Respekt verdient. Möge dieser unsinnige Krieg schnellstmöglich enden.
    Bodo (Horn-Rumold)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige