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Umgeblättert heute: „Eine starke Biografie erinnert an den Anwalt Hans Litten“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Wo Gespenster sprechen“: Fatma Aydemir erzählt in ihrem Roman Dschinns von einer Familie, die glaubt, keine Geschichte zu haben. „Das Spiel mit den Leerstellen, die sich langsam mit verstörenden Ge­schichten füllen – wie jenen über das erste Kind, das der damals sechzehn­jährigen Emine weggenommen wurde, und dessen weiteres Schicksal –, be­herrscht Fatma Aydemir meisterhaft.“
    Fatma Aydemir, Dschinns (Hanser Verlag)
  • „Abseits der Rechthaben-Falle“: Slata Roschal und Elina Penner erzählen in ihren Debütromanen 153 Formen des Nichtseins und Nachtbeeren jeweils von russlanddeutscher Migration und religiöser Identitätssuche. „Während man sich bei Penners Nachtbeeren am Ende dann doch fragt, ob die Handlung tatsächlich der Schwere der Probleme angemessen ist, die zuvor in Gestalt Nellis aufgerufen wurden, findet Roschals Roman in seiner überraschenden Struktur und seiner vielstimmigen Prosa eine überzeugende Lösung dafür, wie eine literarisch anspruchsvolle, diskursiv komplexe und zugleich sehr gut lesbare Erzählliteratur heute aussehen kann.“
    Elina Penner, Nachtbeeren (Aufbau Verla)
    Slata Roschal, 153 Formen des Nichtseins (Homunculus Verlag)
  • „Das Schweigen der Familie gebiert Albträume“: Christiane Hofmann begibt sich auf eine lange Wanderung, um Geister der Vergangenheit zu bannen. „Christiane Hoffmanns Bericht von ihrer Fußreise ist eine Art Brief an den toten Vater. Als Adressat – und zeitweilig sogar als eine jener nur aus dem Augenwinkel beobachtbaren Halluzinationen, wie sie auf einsamen Wanderungen entstehen können – ist er in ihrem Buch durchgehend anwesend.“
    Christiane Hoffmann, Alles, was wir nicht erinnern. Zu Fuß auf dem Fluchtweg meines Vaters (C. H. Beck Verlag)

  • „Lieber Freund“: Ein Brief des Schriftstellers Ingo Schulze an einen Freund über das Verzweifeln am Krieg in der Ukraine und die Frage, wie sich die Literatur nun verhält. „Und schon ist gar nichts mehr eindeutig, diese Frage reicht womöglich schon, Dich gegen mich aufzubringen. Ich weiß nämlich gar nicht, ob ich darüber streiten kann. Soll ich Kollegen aus der Ukraine widersprechen, wenn sie eine Flugverbotszone fordern? Aber wie sollte ich diesem Wunsch zustimmen können? Ja, ich bin davon überzeugt, dass eine Eskalation, bevor sie Europa westlich der Ukraine trifft, zuerst und vor allem die Ukraine treffen würde. Und dass es nichts besser machen würde, im Gegenteil. Der Krieg würde nur weiter eskalieren.“
  • „Sagenhafte Fähigkeiten“: Warum degradiert sich die Kunsttheorie eigentlich so oft freiwillig zum Dienstleister der Kunst? „An der Qualität einzelner Beiträge liegt es jedenfalls nicht, dass der Funke nicht so recht überspringt. Die Texte etwa von Herta Wolf zur Fotografie, Michael Lüthy zur Malerei oder Gertrud Koch zum Film stammen nicht nur von ausgewiesenen Experten ihres Fachs, sie bieten tatsächlich auch einen gelungenen Einstieg in aktuelle Diskussionen. Anderen Texten hingegen ist ein altes Problem der Kunsttheorie anzumerken: Allzu oft ist sie eine Apologetin der Kunst, immer bereit, ihren Gegenstand mit Komplexität auszustatten und zu nobilitieren.“
    Georg W. Bertram, Stefan Deines, Daniel Martin Feige (Hrsg.), Die Kunst und die Künste. Ein Kompendium zur Kunsttheorie der Gegenwart (Suhrkamp)
  • „Abgründe wiedererkennen“: Autoren diskutieren vor dem Kanzler über Europa. „Während in Mariupol die Bomben fallen, sitzen am Montag im Berliner Kanzleramt Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus ganz Europa zusammen, mitten in der weitläufigen Empfangshalle mit ihren wuchtig-eleganten Säulen. Ursprünglich sollte es um das Verbindende gehen, die gemeinsame Kultur, das europäische Projekt. Stattdessen entwickelt sich eine Debatte über die Zerbrechlichkeit der europäischen Idee.“

  • „Hitler im Zeugenstand“: Eine starke Biografie erinnert an den Anwalt Hans Litten, der mit allen legalen Mitteln gegen den aufkommenden Nationalsozialismus und dessen brutale Gewalt kämpfte. „Über Hans Litten hat das Trio Knut Bergbauer, Sabine Fröhlich und Stefanie Schüler-Springorum, die die Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung ist, bereits 2008 eine Biografie verfasst. Das Buch liegt jetzt in einer Neufassung vor, trägt aber nicht mehr den früheren holperig wirkenden Titel Denkmalsfigur – Biographische Annäherung an Hans Litten. Es heißt jetzt Hans Litten – Anwalt gegen Hitler. Eine Biographie.
    Bergbauer/ Fröhlich/Schüler-Springorum, Hans Litten – Anwalt gegen Hitler. Eine Biographie (Wallstein)
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