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Umgeblättert heute: „Wimmelbildgroßartigkeit“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Auch der Kaktus will versucht sein“: Aparte Moleküle: Michael Pollan erzählt von psychoaktiven Pflanzen, die es zu großen Auftritten in unserer Kulturgeschichte brachten. „Unmöglich eigentlich, als Leser nicht neugierig zu werden, wie sich ein Trip wohl anfühlt. Das hat der Kaktus dem Mohn wie dem Kaffee doch voraus.“
    Michael Pollan, Kaffee – Mohn – Kaktus“. Eine Kulturgeschichte psychoaktiver Pflanzen (aus dem Englischen von Thomas Gunkel;  Kunstmann)
  • „War Luther eine durch und durch typographische Existenz?“: Vor der Druckerpresse sind alle gleich: Thomas Kaufmann erzählt die Frühphase der Reformation als Mediengeschichte. „In seinem neuen Buch unternimmt der ausgewiesene Reformationshistoriker und Luther-Biograph Thomas Kaufmann den Versuch, die Geschichte der frühen Reformation – zwischen Wittenberger Thesenanschlag 1517 und den Bauernkriegen 1525/26 – anhand wichtiger Druckschriften Luthers und einiger anderer Autoren als Mediengeschichte zu erzählen. In gewisser Weise handelt es sich um die kondensierte Fassung seiner grundgelehrten, aber schwer lesbaren dreibändigen Reformationsgeschichte.“
    Thomas Kaufmann, Die Druckmacher. Wie die Generation Luther die erste Medienrevolution entfesselte (C. H. Beck Verlag)
  • „Gift und Galle? Mehr davon!“: Ein Buch, das sich den Terror positiven Denkens vorknöpft, ist von vornherein sympathisch. Aus diesem hätte Juliane Marie Schreiber aber mehr machen können. „Der als solcher ja nur gutzuheißende missionarische Drang, aus den Glücksverheißungen des Alltagslebens wie überhaupt aus dem Optimismus die Luft herauszulassen, lässt das Buch eintönig erscheinen. Einerseits hätte die Schwärze, mit der die Ge­danken ausgemalt werden, einige Ab­schattierungen vertragen können; an­dererseits ist sie dann so schwarz dann doch nicht.“
    Juliane Marie Schreiber, Ich möchte lieber nicht. Eine Rebellion gegen den Terrordes Positiven (Piper Verlag)
  • „Ankommen in Österreich“: Elyas Jamalzadeh schildert, wie er als Flüchtling nach Europa kam. „Sein Bericht ist eine Erinnerung daran, über den Zahlen von Geflüchteten nicht die einzelnen Schicksale zu vergessen.“
    Elyas Jamalzadeh, Freitag ist ein guter Tag zum Flüchten (Zsolnay Verlag)

Kinder- & Jugendliteratur

  • „2,17 Meter für den Reichtum eines Augenblicks“:Denn was für eine unglaubliche Kraft, ja eigentlich unvorstellbare Vielfalt in einem Augenblick liegen kann, das zeigt das wunderbare Buch Eine winzige kleine Sekunde von Rébecca Dautremer (aus dem Französischen von Andrea Spingler. Insel Verlag, 2022. 35 Seiten, 54 Euro). Wobei der Begriff Buch es nicht wirklich umschreibt, was man da in der Hand hält und vor sich ausbreitet. Denn Eine winzige kleine Sekunde ist ein Riesenleporello, das gut und gerne fast durch ein ganzes Kinderzimmer führt, wenn man es komplett ausklappt, und das einen dann völlig packt in seiner Wimmelbildgroßartigkeit.“
  • „Was die Skizzen erzählen“: Ein Mädchen, dem vom Vater Selbstbestimmung verweigert wird, ein Junge, der nur mit seinen Bildern das Leben ertragen kann. „Mit dem Buch Ohne dich ist der niederländischen Autorin Erna Sassen ein auf mehreren Ebenen besonderes Jugendbuch gelungen. Schon die Ausstattung mit einem künstlerischen Cover, das die Zeichnung eines Mädchens mit einer Ziege zeigt, und die aufwendigen, farbigen Schnittverzierungen fallen aus dem Rahmen üblicher Jugendbücher. Beginnt man dann zu lesen, zieht einen die minimalistische Sprache (von Rolf Erdorf brillant ins Deutsche übersetzt), die sich im Laufe der Geschichte immer wieder wie ein Aufschrei des fünfzehnjährigen Icherzählers Joshua liest, sofort in ihren Bann.“

    Erna Sassen, Ohne dich (aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf; mit Illustrationen von Martijn van der Linden; Verlag Freies Geistesleben)

  • „Überleben lernen“: Zwei Jugendliche in Seenot. „Chris Vick erzählt knapp und dicht, nie gefällig oder gar gefühlig. Dass er das Meer kennt und liebt, lässt sich in jeder Schilderung spüren, vom tödlichen Sturm bis zur bleiernen Flaute.“
    Chris Vick, Allein auf dem Meer (aus dem Englischen von Wieland Freund und Andrea Wandel; Beltz & Gelberg)
  • „Die Ingwerplätzchen sind weg“: Kate und ihre Maus ermitteln im Arktis-Express. „Die Auflösung gegen Ende des Romans ist so fantastisch skurril, wie es sich für ein Buch über einen Dampfzug zu einem rosafarbenen Zielbahnhof in der Arktis gehört. Der Roman wird vom Verlag zwar als Detektivgeschichte angekündigt – und gewiss, die Zutaten für eine solche sind ja auch vorhanden. Doch im Vordergrund stehen eindeutig der humorvolle Erzählstil, die absonderlichen, verrückten Figuren und die völlig unvorhersehbaren Wendungen.“

    Hannah Peck, Ein Fall für Kate. Mit Volldampf in ein Abenteuer voller Schnurhaare, Schneebesen und Schabernack! (aus dem Englischen von Sylke Hachmeister; Carlsen)

  • „Papa atmet Wellen“: Gedichte über Hoffnung und ein munteres Hallo. „In ihren Gedichtband mit lauter Tierzeichnungen versehen. Die zuweilen scherenschnittartig vereinfachten Tiere vermitteln hier eine Atmosphäre der Ruhe und Ausgeglichenheit. Dabei lassen sich die Gedichte auch lesen, ohne an Tiere zu denken.“
    Milja Praagman, Zusammen (aus dem Niederländischen von Eva Schweikart; Verlag Freies Geistesleben)
  • „Osterspaziergang unter Bäumen“:

    Bärbel Oftring, Im Wald. Alles Wissenswerte über unsere heimischen Wälder (mit Illustrationen von Maria Mähler und Christine Henkel; Carlsen)
    Roland Bock, Jetzt verstehe ich die Bäume (mit Illustrationen von Johannes Reiner und Fotos von Fred Britzger; ArsEdition)
    Elisabeth Etz, Nini Spagl, Ein Baum kommt selten allein (Leykam Verlag)
    Jan Paul Schutten, Medy Oberendorff, Wunderwelt Wald (aus dem Niederländischen von Verena Kiefer; Gerstenberg)

     

Frankfurter Rundschau

  • „Die kleinen Sklavinnen und Sklaven von Youtube“: Delphine de Vigan setzt ihre Chronik der modernen europäischen Lebensweise mit einem verstörenden Roman fort. „Die Autorin warnt nicht, appelliert nicht, sondern erzählt ihre Geschichte in der Zukunft des Jahres 2031 einfach weiter. Das ist so grandios wie verstörend.“
    Delphine de Vigan, Die Kinder sind Könige (a. d. Franz. v. Doris Heinemann; Dumont)
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