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Die SWR-Bestenliste für den Mai ist da!

Renommierte Literaturkritiker*innen nennen monatlich – in freier Auswahl – vier Buch-Neuerscheinungen, denen sie möglichst viele Leser*innen wünschen, und geben ihnen Punkte (15, 10, 6, 3).

1. Reinhard Kaiser-Mühlecker: Wilderer (S. Fischer Verlag)

  • Ein junger Bauer, der in einer Kulturlandschaft im Umbruch um den Anschluss an die Gegenwart kämpft. Ein Leben, das man sich nicht ausgesucht, sondern in das man alternativlos hineingeboren wurde. Und eine Aussicht auf ein Happy End, das nicht kommen wird. „Wilderer“ ist ein heilloser Heimatroman.

2. Ferenc Barnás: Bis ans Ende unserer Leben Übersetzt aus dem Ungarischen von Eva Zador (Schöffling & Co Verlag)

  • Ein Schriftsteller sorgt mit seinem neuen Roman für Verstimmungen innerhalb der Großfamilie. Als dann die beiden Eltern sterben, tun sich überraschende Erkenntnisse auf. Ein opulenter Roman aus dem Ungarn der Gegenwart, der komplexe Eigeninteressen mit historischen Linien verknüpft.

 

2.Kristine Bilkau: Nebenan (Luchterhand Literaturverlag)

  • Kein klassischer Horrorroman, und doch wird der Schauer des Alltäglichen subtil inszeniert. Plötzlich verschwinden die Nachbarn spurlos. Ein mysteriöser Junge taucht auf. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Einbildung verschwimmen. Die Unheimlichkeit liegt in der Sehnsucht nach einer Welt ohne Brüche. Doch die gibt es nicht mehr.

4.Tove Ditlevsen: Gesichter Übersetzt aus dem Dänischen von Ursel Allenstein (Aufbau Verlag)

  • Nach dem überragenden Erfolg der Kopenhagen-Trilogie ist dieser 1968 erschienene Roman ein weiterer Beleg für Ditlevsens erzählerischen Mut. Eine Frau in der Schreibkrise, die sich in eine psychiatrische Klinik einliefern lässt. Selbstzweifel, Selbstbezichtigungen, Tablettenabhängigkeit. Geschont wird niemand.

5. Esther Kinsky: Rombo (Suhrkamp Verlag)

  • Am Abend des 6. Mai 1976 erschütterte ein schweres Erdbeben die norditalienische Region Friaul. Esther Kinsky kreist in ihrem multiperspektivisch erzählten Prosastück um dieses Ereignis, nimmt Menschen und Landschaft in den Blick. Verschiebungen werden exakt und zugleich poetisch erfasst. Ein Universalgedächtnis der Zerstörung.

6.Wolf Haas: Müll (Hoffmann und Campe Verlag)

  • Der neunte Roman um den Privatermittler Simon Brenner. Haas schickt den Brenner zur Arbeit auf eine Müllkippe. Dort findet sich prompt eine zerstückelte Leiche. Wie stets ist die Krimihandlung Vehikel für gesellschaftliche Themen. Und für das anarchische, neue Sinnzusammenhänge stiftende Reden.

 

7.Emmanuel Carrère: Yoga Übersetzt aus dem Französischen von Claudia Hamm (Matthes & Seitz Verlag)

  • Ein Bestseller und ein Skandal in Frankreich: Ein Mann zieht sich zurück, um ein Buch über Yoga zu schreiben, verfällt in eine tiefe Depression, um schließlich in der Flüchtlingshilfe zu arbeiten. Carrères Ex-Frau sah in „Yoga“ einen Vertragsbruch; er berief sich auf die Freiheit der Fiktion. Am besten weiß man von alldem nichts.

7.Abdulrazak Gurnah: Ferne Gestade Übersetzt aus dem Englischen von Thomas Brückner (Penguin Verlag)

  • London, Flughafen Gatwick: Ein etwa 60-jähriger Mann aus Tansania bittet um Asyl. Doch ist jener Rajab Shabaan, wie er sich nennt, tatsächlich derjenige, für den er sich ausgibt? Der aktuelle Nobelpreisträger Gurnah hat eine raffinierte Erzählung konstruiert, in der unterschiedliche Erfahrungen von Fremdheit verknüpft sind.

9.Yael Inokai: Ein simpler Eingriff(Hanser Berlin Verlag)

  • Das Krankenhaus als geschlossener Kosmos. Eine neue Operationsmethode soll Menschen mit einem Eingriff am Gehirn Wut und Depressionen nehmen. Eine junge Krankenschwester fügt sich in das System ein – bis sie sich verliebt und beginnt aufzubegehren. Ein Roman zum aktuellen Diskurs um gesellschaftliche Zuschreibungen.

9.Joseph Roth: Rot und Weiß. Wanderer zwischen Städten (Die andere Bibliothek)

  • Erstmals in Buchform publiziert: Im Jahr 1925 reist Joseph Roth im Auftrag einer Zeitung durch Frankreich. Seine stilistisch eleganten Texte sind Ausdruck einer Sehnsucht nach Menschlichkeit und universalen Werten. Ein Atemholen zwischen zwei Kriegen; ein großes Buch des großen Unbehausten.

9.Martin Walser, Cornelia Schleime: Das Traumbuch. Postkarten aus dem Schlaf (Rowohlt Verlag)

  • Pünktlich zum 95. Geburtstag Walsers ein Buch voller Träume gegen eine nur noch als öde empfundene Wirklichkeit. Das „Traumbuch“ lässt sich als radikal konzentrierte Lebensbilanz lesen, manchmal ausgesprochen komisch, mal altersmilde, mal melancholisch. Aber in jedem Satz geht es dann doch ums Ganze.
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Die Jury Gerrit Bartels (Berlin) │Helmut Böttiger (Berlin) │ Michael Braun (Heidelberg) │ Gregor Dotzauer (Berlin) │ Martin Ebel (Zürich) │ Eberhard Falcke (München) │ Cornelia Geißler (Berlin) │ Sandra Kegel (Frankfurt) │ Dirk Knipphals (Berlin) │Sigrid Löffler (Berlin) │ Ijoma Mangold (Berlin) │ Klaus Nüchtern (Wien) │ Jutta Person (Berlin) │ Wiebke Porombka (Berlin) │ Iris Radisch (Hamburg) │ Ulrich Rüdenauer (Bad Mergentheim) │ Denis Scheck (Köln) │ Marie Schmidt (München) │ Christoph Schröder (Frankfurt) │ Julia Schröder (Stuttgart) │ Gustav Seibt (Berlin) │ Shirin Sojitrawalla (Wiesbaden) │Hubert Spiegel (Frankfurt) │ Nicola Steiner (Zürich) │ Daniela Strigl (Wien) │ Beate Tröger (Frankfurt) | Kirsten Voigt (Baden-Baden) │ Jan Wiele (Frankfurt) │ Insa Wilke (Berlin) │ Hubert Winkels (Köln)

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